Das Anwesen im Jahr 2005: Das Landratsamt hat nun ein Foto vorgelegt, wie der Brucker Hof vor den Umbauarbeiten aussah. Urspring Steingaden
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Das Anwesen im Jahr 2005: Das Landratsamt hat nun ein Foto vorgelegt, wie der Brucker Hof vor den Umbauarbeiten aussah.

Abrissverfügung für Brucker Hof

Landratsamt bezieht Stellung: „Nicht behördliche Willkür, sondern angewandter Naturschutz“

  • Katrin Kleinschmidt
    vonKatrin Kleinschmidt
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Viele Menschen springen Siegfried Moser beim Kampf um den Brucker Hof zur Seite. Das Landratsamt aber will hart bleiben - und hat seine Sicht noch einmal ausführlich dargelegt.

Urspring – Die Aufregung um Siegfried Moser und den Brucker Hof ist groß. Viele Menschen stellen sich auf die Seite des 82-Jährigen, der im Außenbereich der Gemeinde Steingaden, nahe Urspring, eine Landwirtschaft aufgebaut hat und dort seit einigen Jahren auch wohnt. Genehmigt wurde ihm Letzteres nie. Außerdem entspricht der Maschinenstadl nicht den Anforderungen, die an genehmigungsfreie, landwirtschaftliche Bauten gestellt werden.

Das Landratsamt Weilheim-Schongau fordert deshalb den Abriss der beiden Gebäude, erhält dafür aber nun viel Gegenwind. In einer Stellungnahme hat Pressesprecher Hans Rehbehn die Gründe der Behörde noch einmal ausführlicher als bisher dargestellt.

So liegt für das Landratsamt nahe, dass sich Moser „bewusst war, dass er mit seiner fortgesetzten Bautätigkeit gegen bestehendes Baurecht verstoßen hat“. Er sei erfolgreicher Unternehmer gewesen, hätte bereits eine andere Landwirtschaft aufgebaut und mehrere Bauanträge gestellt. „Ein Bauherr sollte sich zweifellos vor der Bautätigkeit informieren“, bekräftigt Rehbehn.

Moser habe sich nicht an geltendes Recht gehalten

Moser hatte selbst der Heimatzeitung berichtet, dass ihm bei der Planung des Maschinenstadls 2008 gesagt wurde, er könne bis zu 100 Quadratmeter genehmigungsfrei bauen. Das bestätigt Rehbehn. „Allerdings befreit die Genehmigungsfreiheit nicht davon, sich an geltendes Recht zu halten“, sagt der Pressesprecher. Moser baute 110 Quadratmeter. Obendrein hätte der Stadl freistehend sein müssen – er ist aber direkt an den Mutterkuhstall angeschlossen.

Auch bei der Betriebsleiterwohnung bleibt das Landratsamt hart. Die Fakten decken sich bei Moser und Rehbehn: Der Bauantrag wurde abgelehnt, bei einem Vororttermin mit dem Verwaltungsgericht wurde vorgeschlagen, den Zustand der provisorischen Unterkunft zu dulden. Doch Moser baute auf zwei Stockwerken und etwa 120 Quadratmetern Fläche weiter aus. „Von einer versehentlichen Verletzung der Baugesetze kann bei diesem Vorgehen also keine Rede sein.“

Der Brucker Hof 2021: Links ist das Bestandsgebäude zu sehen, in dem der 82-Jährige heute wohnt. Rechts ist der Maschinenstadl, verbunden werden beide Gebäude durch den Mutterkuhstall.

Auch geht das Landratsamt beim Wohnhaus nicht mehr von einem Altbestand, sondern von einem Neubau aus. Früher habe es sich bei dem Gebäude um einen Feldstadel mit marginal Mauerwerk gehandelt, der deutlich umgebaut worden sei, schreibt das Landratsamt. Moser hatte dieser Darstellung in der Vergangenheit vehement widersprochen, kratzte als Beweis an einer Stelle sogar den Putz von den Wänden, um die Substanz zu zeigen. Die Behörde überzeugt das nicht, sie verweist auf Bildmaterial von 2005, auf dem das Haus zu sehen ist.

Das harte Durchgreifen des Landratsamtes begründet der Pressesprecher auch mit der Lage des Hofs. „Die Situation in dem Landschaftsschutzgebiet am Lech ist mehr als sensibel“, schreibt er. „Daher ist unser Einschreiten nicht etwa als behördliche Willkür zu verstehen, sondern als angewandter Naturschutz.“ Dass die Landwirtschaft an sich naturverträglich ist, bestreitet Rehbehn nicht. In seinen Augen sei die Rinderzucht mit bis zu 40 Tieren aber kein „existenziell notwendiger Betrieb“, sondern Mosers Hobby. Ob er „ökonomisch darauf angewiesen ist, scheint fraglich“. Er könne den Betrieb erhalten, aber ohne Wohnung und Maschinenstadl. Für Moser ist das schwer vorstellbar – er möchte seine Fahrzeuge unterstellen können und in der Nähe seiner Tiere leben.

Landratsamt vermutet ökonomische Interessen

Dass der 82-Jährige vor wenigen Jahren nach Käufern gesucht hatte, legt laut Landratsamt „die Vermutung nahe, dass eher ökonomische Interessen vorliegen“. Die dürften keine Grundlage für die „nachträgliche Legalisierung von Schwarzbauten“ sein, findet Rehbehn. Moser hatte der Heimatzeitung vom geplanten Verkauf erzählt. Der sollte in ein paar Jahren erfolgen – und nur an Landwirte. Die potenziellen Käufer erkundigten sich bei der Behörde, ob alle Genehmigungen vorlägen – daraufhin wurde das Landratsamt aktiv, nahm den Hof unter die Lupe. Der Verkauf platzte. Moser kämpft nun um den Erhalt des Anwesens.

Das Landratsamt sieht offensichtlich keine Möglichkeit für ein Entgegenkommen. Es sei das falsche Signal, „wenn Bauherren mit Schwarzbauten, die aus gutem Grund illegal sind, ihr Ziel erreichen, indem sie die Allgemeinheit schlichtweg vor vollendete Tatsachen stellen“. KATRIN KLEINSCHMIDT

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