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Auch von außen wieder ein echter Hingucker: Das renovierte Welfenmünster in Steingaden wird am 18. Oktober feierlich wiedereröffnet. Viele Platten auf dem Dach stammen noch aus der Barockzeit.

Renoviertes Welfenmünster

Kirche glänzt wie Gold: Steingaden lüftet seinen Schatz

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Das Gerüst an den Türmen ist abgebaut, im Inneren des prächtigen Gotteshauses werden die letzten Handgriffe erledigt. Die Kirchengemeinde in Steingaden fiebert dem 18. Oktober entgegen, wenn ihr „glanzvolles Welfenmünster“ nach zweieinhalbjähriger Renovierung feierlich wiedereröffnet wird.

Steingaden – Pfarrer Pater Petrus-Adrian passt in diesen Tagen auf wie ein Luchs, wenn jemand in die Kirche möchte. Aufnahmen, die das hell erleuchtete Innere des „Glanzvollen Welfenmünster“ zeigen, sollen keinesfalls nach Außen dringen. Der Pfarrer möchte nicht, dass den Gläubigen die Überraschung genommen wird, bevor am 18. Oktober das Licht eingeschaltet wird und sich die Kirchentüren öffnen. Bis zu 700 Besucher werden zur Orgelweihe erwartet. Auf sie wartet das große „Aha-Erlebnis“, wenn das renovierte Gotteshaus erstrahlt wie nach seiner Rokoko-Umgestaltung im Jahr 1747.

In den Jahrhunderten darauf war das Münster ein ums andere Mal renoviert worden; mal mit mehr, mal mit weniger Hingabe. Bei dem, was vor rund 60 Jahren passierte, schlagen die Experten heute ihre Hände über den Köpfen zusammen.

Fachleute entdecken etliche Restaurationssünden von Früher

Viele der damaligen Restaurationssünden wurden von den Fachleuten erst entdeckt, als sie 2017 mit ihren Arbeiten im Welfenmünster begannen. Ihre Aufgabe sollte es eigentlich „nur“ sein, Figuren, Gemälde und Fresken vom Schmutz der Jahre zu befreien. Doch die Arbeit wurde immer umfangreicher. Die Restauratoren legten frei, was vor 60 Jahren einfach mit Farbe übertüncht wurde. Den fast schon kitschig angepinselten Engeln gaben sie ihre Würde zurück.

Neufassung der Decke treibt Kosten in die Höhe

Die Neufassung der Decke und die Restaurierung der Engel waren Überraschungen, die die Kosten in die Höhe trieben. Bekanntlich liegt man mittlerweile bei einer Gesamtsumme von 1,6 Millionen Euro, die die Kirchenrenovierung am Ende kosten wird. Einen großen Teil trägt das Bistum Augsburg. Pfarrer Petrus Adrian betont aber, dass man seit einem Jahr im Kostenplan liege. „Eher sogar etwas darunter“, meint der Geistliche. Das liege vor allem an den vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden. Auch die Profis haben demnach gerne unbezahlt Überstunden geschoben, „weil es einfach so schön wird“, sagt der Pater und blickt sich begeistert in der Kirche um.

Bislang genießt er den Anblick des erleuchteten Gotteshauses noch allein: Pfarrer Pater Petrus-Adrian hütet den Anblick wie einen Schatz, weil er den Gläubigen die Überraschung nicht nehmen möchte.

Und die Akustik im entrümpelten Münster treibt den Verantwortlichen beinahe die Freudentränen in die Augen. Bei der Abnahme der Orgel fühlten sich die Anwesenden „wie in einer Kathedrale“, berichtet Kirchenmusiker Caspar Berlinger, der sich auch über die neu angeschaffte Orgel im Chorraum freut.

Kirche kann sich auch von außen wieder sehen lassen

Von außen ist das Welfenmünster nach der Renovierung der Türme ebenfalls wieder ein echter Hingucker. Die Arbeiten an der Fassade hatten sich hingezogen. Zunächst mussten die Arbeiter sieben Putzmuster – jedes ein bis zwei Quadratmeter groß – an den Türmen anbringen. Den vergangenen Winter über konnten sie dann beobachten, „welches am besten hält“, berichtet Berlinger.

Dachplatten sind noch aus der Barockzeit

Ein paar kritische Fragen aus der Bevölkerung wurden dann aber auch noch an den Pfarrer herangetragen. Zum Beispiel, warum das Dach der Kirche nicht überall neu eingedeckt wurde, viele der Platten seien schließlich nicht mehr schön anzuschauen. Petrus-Adrian hat eine einfache Erklärung: „Die sind noch aus der Barockzeit, die kann man nicht auswechseln, man muss sie bewahren.“

Hochkarätiges Festprogramm

Mit einem hochkarätigen Festprogramm, verteilt auf insgesamt fünf Wochen, wird die Wiedereröffnung des Welfenmünsters gefeiert. Den Anfang macht am Freitag, 18. Oktober, um 19 Uhr eine Vesper mit Orgelweihe unter der Leitung von Caspar Berlinger. Organist ist Peter Bader aus Augsburg, es spielen und singen das Bläserensemble des Welfenmünsters und der Kirchenchor. Ein Festkonzert für zwei Orgeln mit Musik des Barocks schließt sich an. Organist ist neben Peter Bader Anton Guggemos aus Wildsteig. 

Der Festgottesdienst mit Altarweihe durch Weihbischof Anton Losinger folgt am Sonntag, 20. Oktober, ab 10.15 Uhr. Zu hören ist die Erdwärtsmesse von Peter Jan Marthé aus Innsbruck. Der Projektchor singt zur Eröffnung des Welfenmünsters, und es spielt das Bläserensemble des Welfenmünsters (unter Leitung von Caspar Berlinger). Anschließend wird zum Pfarrfest samt buntem Unterhaltungsprogramm für Groß und Klein in den Fohlenhof eingeladen. Um 17 Uhr beginnt eine Dankandacht mit Abt Raimund Schreier (Stift Wilten) und Musik von Marc-Antoine Charpentier, aufgeführt von der Capella Wilthinensis (Leitung: Stiftskapellmeister Norbert Matsch). 

Am Sonntag, 27. Oktober, wird ab 10.15 Uhr dieheilige Messe mit Erzbischof Alois Kothgasser (Salzburg) gefeieret. Für 20 Uhr wird zu einem Kirchenkonzert des Musikvereins Steingaden eingeladen – mit Werken von W.A. Mozart bis Billy Joel (Leitung: Melanie Möst).

Die heilige Messe am Sonntag, 3. November, wird von Generalabt Thomas Handgrätinger (Windberg) zelebriert. Unter der Leitung von Caspar Berlinger wird die Südtiroler Volksmesse vom Liederkranz Steingaden und der Stubenmusik gespielt. Um 17 Uhr beginnt das festliche Eröffnungskonzert im Rahmen der Reihe Festlicher Sommer in der Wies (Karten gibt es online unter www.wieskonzerte.de). 

Zu einem Familiengottesdienst mit Pater Petrus-Adrian wird für Sonntag, 10. November, 10.15 Uhr, eingeladen. Um 17 Uhr gibt die Gruppe Vuimera ein Konzert. 

Die heilige Messe am Sonntag, 17. November, wird vom Musikverein Steingaden umrahmt. Um 18 Uhr beginnt ein Festvortrag von der Ex-Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Der Titel: „Wir Christen sind nicht von gestern.“ Im Festgottesdienst am Sonntag, 24. November, 10.15 Uhr, wiederum ist die Spatzenmesse von W.A. Mozart zu höhren, um 17 Uhr beginnt ein Offenes Singen mit Kathi Stimmer-Salzeder.

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Ehrenamtliche im Schongauer Land: Gerhard Klein aus Steingaden führt Besuchergruppen durchs Welfenmünster. Das japanische Fernsehen war auch schon unter den Gästen. 

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