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Zahlreich kamen die Besucher zur Jubiläumsfeier

60-jähriges Jubiläum des Karl-Eberth-Hauses in Steingaden

„Eine Oase der kameradschaftlichen Art“

Das 60-jährige Jubiläum des Karl-Eberth-Hauses in Steingaden, das erste Rüstzeitheim der evangelischen Militärseelsorge, ist jetzt groß gefeiert worden.

Steingaden – Das Karl-Eberth-Haus in Steingaden gilt laut Militärdekan Ralf Zielinski als „Wohnzimmer der evangelischen Militärseelsorge“. Als einziges von vier Heimen, die die Militärseelsorge einst in Betrieb genommen hat, ist es bis heute erhalten geblieben. Das sei wirklich ein Grund zu feiern, Zielinski.

Möglich gemacht hat den Erhalt auch Geschäftsführer Christoph Scherer, der seit über 20 Jahren tätig ist und das Haus inzwischen mit einem zukunftsfähigen Konzept ausgebaut hat. „Mit seinen Mitarbeitern ist es ihm gelungen, das Haus gemütlich zu machen und die Attraktivität zu steigern“, betonte Zielinski. Heute dient das Karl-Eberth-Haus nicht nur Soldaten und deren Familien zur Erholung und zu Gemeinschaftserlebnissen, es ist außerdem ein Gästehaus und Tagungsstätte für Gruppen und Privatpersonen. Im Jahr 2013 wurde es überdies mit „drei Sternen G“ ausgezeichnet.

Grußworte auch von Militärbischof Sigurd Rink

Militärbischof Sigurd Rink aus Berlin blickte in seinem Grußwort auf die „wegweisende und zukunftsträchtige Entscheidung“ zurück, wenige Jahre nach dem Krieg und der Gründung der Bundeswehr eine Stiftung als Grundstock für das erste Rüstzeitheim Deutschlands zu legen. Diese geht auch zurück auf die Vorbesitzerin Marie Eberth, die das Haus im Jahr 1959 an die evangelische Militärseelsorge verkaufte und gleichzeitig einen Teil der Kaufsumme in die Stiftung einbrachte.

„Die Soldatenseelsorge braucht solche Häuser, und es ist kein Zufall, dass das Haus allen Stürmen getrotzt hat. Es gibt Pläne, wie das Haus zukunftsträchtig gestaltet werden kann. Es soll das Wohnzimmer bleiben“, sagte Sigurd Rink zum Karl-Eberth-Haus, das von der Landesarbeitsgemeinschaft Soldatenbetreuung geleitet und von der Kirche unterstützt wird.

Das Anwesen heißt noch immer das „Schloss“

Im Steingadener Volksmund heißt das Anwesen immer noch das „Schloss“, wie Bürgermeister Xaver Wörle in seinem Grußwort sagte, in das er auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß miteinbezog. Erbaut oder besser nach einem Brand 1882 wiederaufgebaut, wurde es nämlich 1883 von Alexandrine von Dürckheim-Montmartin.

Das Anwesen mit Brauerei und ab 1900 auch Molkerei wurde von der Gräflichen Familie lange Jahre als Sommersitz, für Jagdgesellschaften und zur herrschaftlichen Hofhaltung genutzt. 1932 musste sich die Familie von Dürckheim aus finanziellen Gründen von dem Besitz trennen und verkaufte ihn an den General a.D. Karl Eberth und dessen Frau Marie.

Nach Beschlagnahmung durch die amerikanischen Besatzer im Jahr 1945 und der Nutzung als Dienststelle, wurde das Haus ab 1950 als Unterkunft und später Altenheim für Flüchtlinge genutzt. 1959 erwarb die evangelische Militärseelsorge das Anwesen und baute es zum Rüstzeitheim um.

Personalwohnhaus wird auch als Gästehaus genutzt

Es folgten die Erweiterung um Gruppen- und Vortragsräume, Kapelle und Personalwohnhaus, das inzwischen auch als Gästehaus genutzt wird. War anfangs die Verpflegung etwas „eintopflastig“, wie Festredner Oberst i.R. Wolfgang Rogge scherzhaft sagte, der das Haus von Beginn an kennt, hat sich die Küche inzwischen grundlegend gewandelt und ist für viele ein weiterer Grund für einen Besuch.

42 Zimmer und eine Ferienwohnung bieten mittlerweile rund 100 Betten. „Wir haben heute eine glänzende, mit drei Sternen ausgezeichnete Unterkunft für Soldaten mit Sterneküche“, so Wolfgang Rogge, der reimte: „All’ diese köstlichen Behagen, kann ich nicht mit Worten sagen.“ Zudem hersche im Haus eine harmonische Stimmung, die ihresgleichen suche: eine Oase der friedlichen, kameradschaftlichen Art.

Auch Graf Hartwig von Dürckheim, ein Nachfahre der ersten Besitzer, gab beim Festakt seiner Freude darüber Ausdruck, „dass im ,Schloss’ eine Institution eingezogen ist, die ganz im Sinne meiner Großeltern viel Soziales leistet“. Musikalisch und mit Tanzeinlagen umrahmt wurde die Veranstaltung vom Trachtenverein Steingaden. Johanna Hofbauer sorgte mit zwei selbst geschriebenen Mundartgeschichten für eine humoristische Einlage. Und Moderator Sijamak Sauer, seines Zeichens Sekretär des Militärbischofs, fand noch einen weiteren Grund zu feiern: „Wir können froh sein, dass wir heute in Frieden nach vielen friedlichen Jahren 60 Jahre des Bestehens des Hauses feiern dürfen.“

Ursula Fröhlich

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