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Arbeit, die viele glücklich macht: Die Teilnehmer des Bergwaldprojekts mähen auch in den Lechauen Wiesen per Hand und entwickeln dabei oft eine neue Beziehung zur Natur, berichten die Verantwortlichen.

Gemeinsamer Kampf gegen die Goldrute in den Lechauen

Bergwaldprojekt im Einklang mit der Natur

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Sie kommen aus ganz Deutschland und kämpfen für die Artenvielfalt. 20 Freiwillige arbeiteten im Rahmen des „Bergwaldprojekts“ eine Woche lang in den Lechauen.

Steingaden – Die vor Jahrhunderten als Zierpflanze von Nordamerika nach Europa eingeschleppte kanadische Goldrute ist auch in den Lechauen zum großen Ärgernis geworden. Sie wuchert so stark, dass sie den heimischen Pflanzen den Lebensraum raubt. „Auf Naturschutzflächen ist sie ein echtes Problem“, sagt Harald Jungbold. Ganze Teppiche würden sich ausbreiten, klagt der für den Lech zuständige Mitarbeiter des Vereins Lebensraum Lechtal.

Die Freiwilligen waren bei Steingaden unterwegs

Jungbold leitete jetzt wieder zusammen mit seinem Kollegen Jan Köhl vom „Bergwaldprojekt“ die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit an. Unter anderem waren die Frauen und Männer in Riesen bei Steingaden unterwegs und bearbeiteten alte Weideflächen nahe der Litzauer Schleife. Neben dem Entfernen der Goldrute war es auch ihre Aufgabe, Orchideenwiesen mit der Hand zu mähen. „Dort sind zahlreiche seltene Pflanzen zu finden, die zum Teil an diesem Ort ihren Verbreitungsschwerpunkt haben“, erläutert Jungbold und nennt zum Beispiel die Sumpfgladiole, den Gelben Frauenschuh und die Deutsche Tamariske.

Verschiedene Projektwochen werden bundesweit angeboten 

Die Ehrenamtlichen nehmen an den verschiedenen Projektwochen, die bundesweit angeboten werden, alle aus freien Stücken teil und reisen auf eigene Kosten an. „Manche nehmen dafür sogar ihren gesamten Jahresurlaub“, weiß Jungbold. Andere beantragen Bildungsurlaub. Der Vorteil daran: Das Urlaubskonto der Angestellten bleibt unangetastet, und das bei vollem Lohn. In Bayern ist das allerdings schwierig. Der Freistaat ist eines von zwei Bundesländern, in denen es kein Bildungsurlaubsgesetz gibt. Die Angestellten sind also auf das Wohlwollen ihrer Chefs angewiesen oder nehmen normalen Urlaub.

Neben der praktischen Arbeit am Lech war im Schongauer Land jetzt auch ein Exkursionsnachmittag vorgesehen. Die vielfältigen Aspekte im Ökosystem Lechtal werden laut Jungbold für die Leute dabei näher beleuchtet und deren Bedeutung besser verständlich gemacht.

Der Komfort hält sich in Grenzen, die Gruppe zeltet

Der Komfort hält sich derweil in engen Grenzen: Untergebracht ist die Gruppe auf dem Zeltplatz Ammerhaus. Hunger leiden muss dort niemand: „Die Woche über kümmern sich professionelle Köchinnen und Köche um die vegetarische, biologische und möglichst regionale, saisonale Verpflegung“, heißt es.

Dank der Ehrenamtlichen kostet die Arbeitswoche die Initiatoren so insgesamt nur 11 000 bis 13 000 Euro, die durch Spenden und staatliche Fördergelder getragen werden können.

Das Bergwaldprojekt erfreut sich nach Angaben der Verantwortlichen größter Beliebtheit. Deutschlandweit werden bei den Freiwilligen-Wochen jährlich rund 2500 Teilnehmer gezählt, es gibt sogar Wartelisten. Allein heuer werden an 51 verschiedenen Standorten 117 Projektwochen angeboten. „Indem sich die Ehrenamtlichen aktiv für ihre Umgebung engagieren, entwickeln sie oftmals auch neue Beziehungen zur Natur“, weiß Jungbold. „Die freudvollen Erfahrungen aus den Projektwochen bestärken die Teilnehmenden darin, auch den eigenen Alltag naturverträglicher und ressourcenschonender zu gestalten. Sie tragen somit zum gesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.“

Infos: Anmeldungen für die verschiedenen Projektwochen sind im Internet unter www.bergwaldprojekt.de möglich. Fragen werden auch unter der Telefonnummer 0931/4526261 beantwortet.

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