Aus dem Gericht

Demente Brandstifterin kommt ins Heim

Eine schwer demente Rentnerin hat mehrfach versucht, eine Scheune in Steingaden anzuzünden. Die Frau soll nun in die geschlossenen Abteilung eines Altenheims.

Steingaden – Am Ende waren sich alle im Münchner Landgericht einig: Die Rentnerin Steffanie M. (Name geändert), die im Jahr 2017 laut den Ermittlern dreimal versucht hat. eine Scheune in Steingaden anzuzünden, braucht Hilfe: Und am besten könnte diese nach Ansicht ihres Betreuers und der Prozessbeteiligten in einem Altenheim mit einer geschlossenen Abteilung erfolgen.

Das Gericht sah es in seinem Urteil zwar als erwiesen an, dass die ältere Dame die Brandstifterin war. Allerdings setzte es die Zwangsunterbringung der schwer dementen und psychisch kranken Frau aus dem Landkreis Weilheim-Schongau in einer psychiatrischen Klinik zur Bewährung aus. Einstweilen muss die Rentnerin jedoch in der Psychiatrie bleiben, weil sich bislang kein Seniorenheim mit geschlossener Abteilung gefunden hat, das die 67-Jährige aufnimmt. „Sie steht jedoch auf eine Reihe von Wartelisten“, sagte ihr Betreuer, der zuletzt unermüdlich bei geeigneten Altenheimen angefragt hat.

Psychiatrische Gutachterin stellte Schuldunfähigkeit fest

Im Prozess hatte bereits eine Psychiatrische Gutachterin festgestellt, dass die frühere Landwirtschaftshelferin zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen sei. „Es ist eine dauerhafte seelische Störung gegeben. Die Schuldfähigkeit ist dadurch aufgehoben“, sagte die Expertin. Die sich zunehmend verschlimmernde Demenz habe in Kombination mit der Persönlichkeitsstörung dafür gesorgt, dass die Steuerungsfähigkeit und Impulskontrolle der alten Dame zum Tatzeitpunkt „massiv beeinträchtigt war“.

Die Frau, die während des Verfahrens zum Teil sogar im Rollstuhl saß, machte die meiste Zeit während des Prozesses einen verwirrten Eindruck. Während der Urteilsverkündung blieb sie weitgehend regungslos. Die Medizinische Gutachterin hatte sich während des Verfahrens dagegen ausgesprochen, dass die Rentnerin künftig wieder alleine zuhause im Landkreis Weilheim-Schongau leben sollte: „Noch kann sie die für eine Brandstiftung körperlich notwendigen Handlungen ausführen“, sagte die Medizinerin. In einer „schützenden Heimeinrichtung“ könne sie jedoch problemlos leben, ohne sich oder andere zu gefährden.

Angeklagte wollte Scheune abfackeln

Im Mai 2017 hatte Steffanie M. in einer Steingadener Holzscheune eine Kerze, direkt neben einer Bretterwand, entzündet. „Die Kerze sollte dem Tatplan der Beschuldigten entsprechend die Scheune in Brand setzen“, führte der Staatsanwalt aus. Die Bretter der Scheune fingen damals tatsächlich Feuer. Hätten Zeugen nicht frühzeitig die Feuerwehr alarmiert, hätte der Brand laut Feuerwehr schlimm enden können – in der Nähe des Tatorts stehen diverse Wohnhäuser.

Drei Wochen später versuchte M. laut Polizei erneut, die Scheune anzustecken. Diesmal zündelte sie demnach in der Nähe der jüngsten Brandstelle mit einem Ofenanzünder. Ein zufällig vorbeigekommener Passant löschte schließlich die rund 20 Zentimeter hohe Flamme mit Wasser. Ein weiterer Versuch im Juni vergangenen Jahres, das Gebäude abzufackeln, scheiterte den Ermittlern zufolge ebenfalls.

Tobias Lill

Rubriklistenbild: © dpa / Uli Deck / Symbolbild

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