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„Nebenzu ist das nicht zu schaffen“, sagte der amtierende Steingadener Rathauschef Xaver Wörle zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Arbeitsaufwand zu groß für Ehrenamtlichen

Steingaden bekommt einen Vollzeit-Rathauschef

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Mit Xaver Wörle geht in Steingaden nach der Kommunalwahl 2020 nicht nur eine Bürgermeister-Ära zu Ende, sondern auch die ehrenamtliche Rechtsstellung des Bürgermeisters: Der Gemeinderat hat beschlossen, dass der neue Bürgermeister als Hauptamtlicher besoldet wird.

Steingaden – „Es ist sinnvoll, das hauptamtlich zu machen, nebenzu ist das nicht zu schaffen“, sagte der amtierende Steingadener Rathauschef Xaver Wörle zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Sitz im Schulverband, der Tourismus, der im Ort eine große Rolle spiele, das einzige Weltkulturerbe in ganz Oberbayern, aber auch gewaltige Bauvorhaben wie der Fohlenhof mit einem Bauvolumen von zirka zehn Millionen Euro, die den künftigen Bürgermeister auf Trab halten würden: All’ das spreche für eine Tätigkeit als Hauptamtlicher im Chefsessel. „Dem neuen Bürgermeister wird es trotzdem nicht langweilig werden“, ist sich Wörle sicher.

Ihm beipflichtend rechnete Gemeinderat Ludwig Straub vor, dass der Steingadener Bürgermeister inzwischen immerhin 40 Angestellte unter sich habe. Auch Rätin Brigitte Graf sprach sich für eine Veränderung der Besoldung aus. Schließlich solle „der neue Bürgermeister nicht zwischen zwei Stühlen sitzen“, verwies sie auf den schweren Spagat zwischen Beruf und einem Nebenamt als Bürgermeister.

6000 Euro plus Familien- und Kinderzuschlag

Kämmerer Siegfried Bernert indes rechnete die finanzielle Seite vor. Ein ehrenamtlicher Bürgermeister erhalte zirka 4600 Euro im Monat. Für einen Hauptamtlichen habe die Gemeinde zirka 6000 Euro zu berappen – ein Familien- und Kinderzuschlag kommt obendrauf. Aber: Ein ehrenamtlicher Bürgermeister habe nach zehn Jahren Anspruch auf Ehrensold. „Das steigert sich nach einer Legislaturperiode bis auf 42 Prozent hoch.“ Im Vergleich dazu: Ein hauptamtlicher Rathauschef zahlt zu Amtszeiten in die Versorgungskasse ein und bezieht dann – je nach Alter – seine Pension aus Versorgungsbezügen. Hinzu kommt, dass ein Hauptamtlicher sich selbst krankenversichern muss. Rein aus finanzieller Sicht ist die Aufwandsentschädigung eines Hauptamtlichen also gar nicht so viel teurer.

Amtierender Rathauschef hätte sich Beschluss schon früher gewünscht

Dafür, dass der neue Steingadener Bürgermeister als hauptamtlicher tätig sein wird, hoben alle Gemeinderäte die Hand. Eine Situation, die sich Xaver Wörle bereits einmal – nämlich im Jahr 1996 – gewünscht hätte. Damals wurde sein Antrag in dem Gremium abgelehnt. Wörle blieb daraufhin ehrenamtlicher Bürgermeister. Insgesamt 24 Jahre.

Ob ihn das heute ärgert? „Ich habe dann damals weiter bei den Oberland Kommunaldiensten gearbeitet“, blickt er auf Anfrage der Schongauer Nachrichten zurück. Heute ist er sich sicher: Wenn ich 2002 den Antrag gestellt hätte, hätte es geklappt.“ Doch damals, sagt Wörle heute, hätte er gar nicht mehr gewollt. In den Jahren 2008 und 2009 sei es ihm dann gesundheitlich nicht besonders gut gegangen. Und 2010 nochmal den Versuch als Hauptamtlicher durchzustarten? Hätte sich ohnehin nicht gelohnt, da er dann die Jahre nicht mehr zusammengebracht hätte, die es für den Pensionsanspruch braucht. „Außerdem ist mir meine Freiheit so viel wert“, konstatiert Wörle heute. Und sagt: „Wissen Sie, Geld ist im Leben gar nicht alles.“

„Verwaltungskram und Bürokratie“ um ein Vielfaches mehr geworden

Wörle wirkt zufrieden, weiß aber auch um „Verwaltungskram und Bürokratie“, die im Laufe seiner Amtszeit „um ein Vielfaches mehr geworden sind“. Manches gar, sagt Wörle, befindet er als verrückt. Oft habe er sich ärgern müssen. Mit solchem Ärger ist nach 24 Jahren als ehrenamtlicher Gemeindechef ab 1. Mai 2020 Schluss.

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