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Berichtete in der Wies aus seinem nicht alltäglichen Leben: Michael Röhm (M.) mit den Moderatoren Sylvia Hindelang (re.) und Werner Böglmüller. 

Reihe in der Wies

„Menschen die bewegen“: Michael Röhm hat keinen alltäglichen Lebenslauf

Einen Menschen mit nicht alltäglichem Lebenslauf haben Sylvia Hindelang und Werner Böglmüller in der Reihe „Menschen, die bewegen“ in der Landvolkshochschule Wies präsentiert. 

Wies – „Ihr stellt die gottgewollte Ordnung auf den Kopf“, bekam Michael Röhm von seinen Eltern zu hören, als er ihnen mitteilte, dass er als Hausmann seine Frau unterstützen wolle, die wieder als Lehrerin arbeiten wollte. Geboren ist Röhm 1959 in Thüngersheim bei Würzburg als Achtes von neun Kindern einer Landwirts- und Weinbauernfamilie.

In der Großfamilie musste jeder mithelfen, seine Kindheit und Jugend verbrachte er neben der Schule mit Arbeit im Weinberg. „Es hat uns nicht geschadet und wir hatten nicht das Problem, dass uns der Computer davon abgehalten hätte“, meinte er trocken.

Kein alltäglicher Lebenslauf: Michael Röhm wird Entwicklungshelfer

Röhm machte eine Ausbildung als Winzer und war in der katholischen Jugendarbeit aktiv. Dort entstand auch der Kontakt mit einer Partnergemeinde in Tansania, der ihn letztlich dazu bewog, als Entwicklungshelfer zu arbeiten. Mit 22 Jahren wurde er für ein Nothilfeprogramm nach Kenia geschickt, wo es drei Jahre lang nicht geregnet hatte und Hunger herrschte.

Dort lebte Röhm mit 8000 Menschen vom Stamm der Massai und versuchte im Rahmen der Möglichkeiten, zu helfen: „Anfangs konnte ich nicht verhindern, dass Alte und Babys verhungert sind“, so Röhm. Er verbrachte die zweieinhalb Jahre dort mit dem Verteilen von Lebensmitteln, dem Aufbau von Hirseanbau und einer Baumschule, mit Aufforstung und Erwachsenenbildung.

Kein alltäglicher Lebenslauf: Michael Röhm studierte Weinbautechnik - und geht zurück nach Afrika

Zurück in der Heimat, studierte Röhm Weinbautechnik. 1984 fragte die Welthungerhilfe wieder bei ihm an, ob er noch einmal in einem anderen Teil Kenias helfen könnte. Obwohl das nicht in seine Pläne mit Studium und Heirat passte, nahm er das Angebot an und reiste nach einer Blitzhochzeit für acht Monate nach Kenia.

„Der Vorteil war, dass wir in den ersten acht Monaten unserer Ehe nicht gestritten haben“, witzelte Röhm. Nach der Rückkehr folgte die kirchliche Heirat, der Abschluss des Studiums und die Geburt seines ersten Sohnes. Und der Entschluss, als Hausmann zu leben, was 1986 noch ziemlich ungewöhnlich war.

Röhm sorgte für die drei Kinder, gründete einen „Eine- Welt-Laden“ und war als Bildungsreferent für fairen Handel tätig. Ein Einschnitt kam, als seine Frau 2010 an Demenz erkrankte und zum Pflegefall wurde. Die Hauptverdienerin der Familie konnte nicht mehr arbeiten, Röhm nahm eine Stelle als Bildungsreferent bei der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe an.

Das sagt Michael Röhm zu seinem ungewöhnlichen Lebenslauf

„Ich bin überzeugt, dass nichts zufällig ist, sondern all’ das, was ich vorher erleben durfte, mich auf diese Situation vorbereitet hat“, glaubt Röhm. Er konnte seine extreme Familiensituation auch deshalb gut bewältigen, weil er selbst erlebt hat, mit wie wenig Menschen auskommen können.

„Es gab dunkle Zeiten, aber ich habe ein schönes Leben führen dürfen“, sagt er heute. Das Fundament, das ihn durch schwierige Zeiten trug, ist sein Glaube. Er ist immer noch in der Kirche aktiv, leitet seit 18 Jahren die örtliche Wallfahrt auf den Kreuzberg. Zudem sitzt er als zweiter Bürgermeister im Gemeinderat und hat bei den kommenden Wahlen das Bürgermeisteramt anvisiert.

Im Zusammenhang mit der Erkrankung seiner Frau schrieb Michael Röhm einen Kreuzweg (39 Seiten) mit dem Titel. „Zwischen Zweifel, Zorn und Zärtlichkeit - ein Kreuzweg (nicht nur) für Kranke, Pflegekräfte und pflegende Angehörige“. Der ist zu beziehen über die Diözese Würzburg.

VON URSULA FRÖHLICH

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