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Eine große Herde von Murnau-Werdenfelser Tieren, von denen aber ein Kalb fehlt.

Beim Austrieb getürmt

Murnau-Werdenfelser Kalb seit zwei Wochen auf der Flucht

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Vor fast zwei Wochen ist das Kalb bei Steingaden auf und davon, jetzt macht sich Landwirt Stefan Neumeier langsam Gedanken: Gesucht wird ein fünf Monate altes Murnau-Werdenfelser Kuh-Kalb. Die anderen beiden Ausreißer sind mittlerweile wieder zurück bei der Herde vis-à-vis der Wieskirche.

Steingaden – Passiert ist es beim Austreiben der Herde am 11. Mai. „Unter den Kühen gab es ein Gerangel, da sind die Kälber erschrocken und durch den Zaun davon“, erzählt Stefan Neumeier. Und zwar durch einen dreifach mit Strom gesicherten. Die drei Ausreißer waren schnell, aber zwei sind wieder zurück. „Ein Kalb haben wir gleich erwischt, eines kam vor fünf Tagen von selbst wieder.“ Aber von dem dritten fehlt bis heute jede Spur. Das heißt, am Samstag, 13. Mai, war es noch in Wildsteig unterwegs. Ein Landwirt hatte es dort auch schon festhalten wollen, aber so einfach ist das nicht bei 200 Kilo Lebendgewicht und einer natürlichen Scheu vor allem, was fremd ist. Neumeier. „Es hat sich wieder losreißen können.“ Und seit der Zeit ist das Kalb quasi unsichtbar.

„Mir ist inzwischen ein bisschen mulmig“, beschreibt es der Steingadener. Er schätzt, dass die Ammer auf der einen Seite eine natürliche Grenze ist, über die das Kalb nicht geht, auf der anderen Seite der Lech. Das Kalb könnte sich also bewegen zwischen Wildsteig, Rottenbuch und Altenau, wo es eventuell in die Berge ist Richtung Unterammergau. Oder aber es ist Richtung Trauchgau unterwegs oder auch im Raum Steingaden, Prem und Lechbruck.

Das Murnau-Werdenfelser ist eine ganz besondere Rasse und darüber hinaus geschützt. „Es ist eine alte Liebhaberrasse, die stark gefährdet ist“, so Manfred Kinzelmann, Fachberater am Amt für Landwirtschaft in Weilheim. Das Murnau Werdenfelser gilt als Drei-Nutz-Rasse: Fleisch, Milch sowie Arbeit, wobei die dritte Nutzung auch bei dieser Rasse weggefallen ist. „Niemand spannt mehr heute ein Tier vor den Pflug, aber die Murnauer Ochsen waren sehr begehrte Zugtiere: besonders stark, widerstandsfähig und genügsam“, so Kinzelmann. Er schätzt, dass es in der Region rund 350 Kühe gibt, hinzu kommen Rinder, insgesamt rund 500 bis 600 Tiere, die auch finanziell einen nicht unerheblichen Wert haben.

25 Kälber unter einem Jahr nennt der Steingadener Landwirt sein Eigen, insgesamt sind es 70 bis 80 Stück Vieh. Den Bio-Stall in dieser Größe betreibt er seit drei Jahren, aber auch vorher hatte er schon eine kleine Landwirtschaft mit über zehn Murnau- Werdenfelser Rindern. Zweites Standbein ist die Betreuung von rund 100 Rindern auf einer Alm in Oberammergau, „das bieten wir als Dienstleistung an“.

Letzte Hoffnung: Weil Kühe Herdentiere sind, hofft Neumeier, dass das Kalb irgendwann von ganz alleine die Nähe zu seinen Artgenossen sucht. Es könnte also durchaus sein, dass es nach seinem Ausbruch auch wieder einbricht, in eine fremde Weide nämlich. Sorgen, dass das Kalb verhungert, muss man sich übrigens nicht machen. „Es findet genügend, auch im Winter ist das gar kein Problem“, so Fachberater Kinzelmann. Erst kürzlich sei ihm vom Ausflug eines Rindes berichtet worden – es war ein ganzes Jahr lang unterwegs.

Wer das Kalb gesehen hat, möge sich bitte melden. Der Steingadener Landwirt Stefan Neumeier ist am besten über Handy zu erreichen unter der Telefonnummer 0173/9873296.

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