Am späten Nachmittag wurde die stattliche Fichte in Steingaden gefällt, in der Nacht soll sie sich auf den Weg nach München machen.
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Am späten Nachmittag wurde die stattliche Fichte in Steingaden gefällt, in der Nacht sollte sie sich auf den Weg nach München machen.

Christbaum für den Münchner Marienplatz

Steingaden springt für Verona ein

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Klingt lustig, ist aber so: Wegen Corona kein Baum aus Verona (Italien). Der Christbaum auf dem Münchner Marienplatz kommt in diesem Jahr aus – Trommelwirbel – Steingaden! Am Mittwoch wird das 22 Meter hohe Prachtexemplar im Herzen Münchens aufgestellt.

Steingaden – Wie kommt eine Fichte aus Steingaden nach München? Bereits vor Jahrzehnten hätte sich die Gemeinde in München beworben. Angefragt worden sei man nie, erzählt Bürgermeister Max Bertl. In diesem Jahr lief dann alles anders: Eine recht verzweifelte Dame von der Stadt München hatte Bertl da am Telefon. Der Verona-Baum war wegen Corona nicht lieferbar. Also hatte man in der Landeshauptstadt die alte Bewerber-Liste ausgepackt. „Allerdings hat’s anscheinend von den anderen Gemeinden reihenweise Absagen gehagelt“, so Bertl. „Und ich konnte einfach nicht Nein sagen.“

Von anderen Gemeinden hagelte es anscheinend reihenweise Absagen

Nur: Woher den Baum nehmen? Doch auf 64  Quadratkilometer Gemeindefläche: Da sollte sich doch was finden. Tatsächlich mussten der Gemeindechef und sein Bauhof-Team nicht lange suchen. In einem Privatgarten an der Schongauer Straße mitten im Ort, gegenüber vom Gasthof Graf: Da stand sie, die stolze Fichte. Ein Prachtexemplar von einem Baum. Gut gewachsen, dabei trotzdem von schlanker Gestalt.

Aus Chefsache wird Stress-Sache: Organisation hält Bürgermeister ganz schön in Schach

Doch nicht nur auf die Optik kommt es an. Hinzu gesellten sich andere Kriterien, die die Auswahl ganz entscheidend beeinflusst haben: Das Verladen direkt an der Hauptstraße und der Transport: Das dürfte funktionieren. Zumal die „Tast-Force Weihnachtsbaum für den Marienplatz“ Corona-bedingt recht schlank sein muss. Nur einige wenige Vertreter von Feuerwehr und Bauhof sind dabei, als es am Morgen um zwei Uhr für den Steingadener Schatz nach München gehen sollte – nach sechs Uhr morgens darf der Sondertransport in München nicht mehr fahren. Mit dabei im eigenen Fahrzeug natürlich Bürgermeister Bertl. „Mein Baby, das lass ich jetzt nicht mehr alleine“, scherzt dieser nach einigen Tagen, die ihn organisatorisch ganz schön in Schach gehalten haben.

Schließlich war Bertl sofort klar: Das mit dem Baum, das ist Chefsache. Aus der Chefsache wurde dann auch ein bisschen Stress-Sache für den neuen Rathauschef. Schließlich wollte die Sache mit dem Baum binnen guter zwei Wochen organisiert sein.

Oh Schreck: Der Stamm ist viel zu dick

Schwerlasttransport, Begleitfahrzeug. Sondergenehmigung – die trudelte erst quasi in letzter Sekunde auf dem Schreibtisch von Max Bertl ein. Und dann auch noch das: Der Stamm, viel zu dick! Der Umfang von 70 Zentimeter passt nicht in die Münchner Halterung. Genau 57 Zentimeter müssen es sein. Deshalb hat man in Steingaden gestern auch mit der Hobelmaschine gehobelt, dass die Späne geflogen sind, „damit der Baum dann auch ordentlich reinflutscht“.

Steingadener Tourist Info macht in München Werbung in eigener Sache

Und wenn er dann steht, der Steingadener Vier-Tonnen-Baum auf dem Münchner Marienplatz, ist auch die Tourist Info vor Ort – schließlich will Steingaden den Rummel gleich für Werbung in eigener Sache nutzen.

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