Der „Lindenhof“ in Steingaden
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Der „Lindenhof“ in Steingaden, wie man ihn jetzt kennt – als Landgasthof.

Jugendhilfeeinrichtung

Therapiehaus „Lindenhof“ für Steingaden

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Die Gemeinde Steingaden bekommt eine therapeutische Jugendhilfeeinrichtung: Der Landgasthof „Lindenhof“ wird zum Therapiehaus „Lindenhof“. 25 junge Menschen im Alter von 15 bis 27 Jahren sollen dort künftig Hilfe bekommen. Betreiber ist Dr. Andreas Wöller, der bereits eine ähnliche Einrichtung in Schongau in der zweiten Generation fortführt.

Steingaden – Längst hatte die Gerüchteküche in Steingaden gekocht. Eine Art „Klapse“ im Ort hatten viele kommen sehen. Um derlei Behauptungen zu entkräften, war der Investor, Dr. Andreas Wöller, am vergangenen Mittwochabend selbst zur öffentlichen Gemeinderatssitzung gekommen, um sein Millionen-Projekt vorzustellen. Nicht nur Wöller als Betreiber des „Landhauses Pfaffenwinkel“ in Schongau kennt sich aus in der Materie. An seiner Seite: Charlotte Straif. Sie fungiert seit etlichen Jahren als Geschäftsführerin des Marienheims in Peiting und soll jetzt auch Geschäftsführerin des Therapiehauses „Lindenhof“ werden.

Landgasthof wird für 5,4 Millionen Euro umgebaut

Wöller indes tritt nicht nur als Gesellschafter und Investor auf. Er wird die Bewohner des neuen Heims in Steingaden zugleich als Nervenarzt begleiten. Der Landgasthof „Lindenhof“ wird dafür für 5,4 Millionen Euro umgebaut.

Schwerpunkt liegt auf tiergestützter Therapie

„Es wird eine mittelgroße Einrichtung, die Schwerpunkte liegen auf einer naturnahen, ökologischen, tiergestützten Therapie“, schilderte Wöller vor dem Gremium. Der „Lindenhof“ mit seinem Pferdestall sei dafür das perfekte Objekt. Schließlich soll in der Einrichtung nicht nur mit Pferden gearbeitet werden. Auch Lamas und Ziegen sind angedacht.

Betreut und zurück auf den Weg in ein normales Leben gebracht werden in der neuen Einrichtung Menschen, die bereits in jungen Jahren an psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Schizophrenie, Essstörungen oder Panik-Störungen leiden. „Wir nehmen keine Menschen auf, die an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leiden oder Drogen- und alkoholabhängig sind“, betonte Nervenarzt Wöller. Die jungen Menschen kommen vorwiegend von psychiatrischen Einrichtungen und psychosomatischen Kliniken oder aus anderen Einrichtungen aus ganz Deutschland.

So soll das neue Therapiehaus „Lindenhof“, das an der Schongauer Straße in Steingaden liegt, nach der Renovierung aussehen.

Ziel ist es, ihnen langfristig wieder eine Perspektive bieten zu können – Schule oder Ausbildung. Wöller und Straif denken hier auch an eine Zusammenarbeit mit örtlichen Betrieben. Denn: Eine geschlossene Einrichtung wird der neue „Lindenhof“ nicht sein. Ziel ist vielmehr eine Integration der Bewohner im Ort.

Mit dem Therapiehaus entstehen in Steingaden auch neue Arbeitsplätze: 25 Erzieherinnen und Sozialpädagogen sollen angestellt werden, ebenso drei bis vier Psychologinnen, außerdem Tiertherapeuten sowie Helfer. Auch Reinigungsdienste und Hausmeister werden gesucht.

Keine psychiatrische, sondern eine Art Reha-Einrichtung

Um Transparenz zu schaffen, räumten Wöller und Straif ganz offen Vorurteile aus: „Es handelt sich nicht um eine psychiatrische Klinik, vielmehr wird der Lindenhof eine Art Reha-Einrichtung sein“, betonte Wöller. „Die Bewohner sind nicht gefährlich“, da sie gut ausgewählt würden und bereits vorbehandelt seien. Polizeieinsätze seien eine absolute Ausnahme – diese Erfahrung hat Wöller aus seiner Einrichtung in Schongau gemacht. Und ja: Es könne sein, dass öfter der Krankenwagen vorfahren müsse, „das will ich Ihnen nicht vorenthalten“. Dies jedoch hat einen eher traurigen Hintergrund: Menschen in dieser besonderen Lebenslage neigten eher dazu, sich selbst zu verletzen als andere.

Gemeinderat gibt einstimmig grünes Licht

Die Steingadener Gemeinderäte waren sich einig: Das Projekt Therapiehaus „Lindenhof“ sei eine große Chance für Steingaden. Mehr als nur einmal fiel der Begriff „Toll!“. Einstimmig gab das Gremium grünes Licht.

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