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Alexander Mikutta vor  dem Garten- und Komödienhaus an der Prämonstratenser Straße  in Steingaden.

Umfangreiche Renovierungsarbeiten

Alten Theatersaal zum Leben erwecken

Ein kunstbauwerkliches Schmuckstück aus der Klosterzeit wird derzeit in Steingaden saniert. Es handelt sich um das ehemalige Garten- und Komödienhaus an der Prämonstratenser Straße. Voraussichtlich im Sommer 2018, wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, soll der alte Theatersaal für die Öffentlichkeit wieder zugänglich sein.

Steingaden – „Da steht uns noch ein schönes Stück Arbeit bevor“, sagt Alexander Mikutta. Der 39-jährige Gymnasiallehrer hat das alte Haus vor zehn Jahren erworben und wieder bewohnbar gemacht. Jetzt steht er im ehemaligen Theatersaal des früheren Klosters. Überall sind Baugerüste aufgebaut. Und ein Blick an die Decke verrät: Da waren einst Künstler am Werk. Ein Teil des alten Stucks ist bereits freigelegt – jetzt sind Restauratoren und Kirchenmaler am Zug.

Restaurator Franz Müller  bei der Arbeit an der alten Stuckdecke des Theatersaals des Komödienhauses.

Zur Geschichte: Das Garten- und Komödienhaus des ehemaligen Prämonstratenserstifts Steingaden wurde um das Jahr 1733 (Datierung des Dachstuhls) auf den Mauern eines Vorgängerbaus errichtet, der nach den Zerstörungen im Bauernkrieg 1525 entstanden war. Aus dieser Zeit stammt auch der mit reichem Bandel- und Gitterwerkstuckaturen samt Tiermotiven versehene Theatersaal im Obergeschoss des Gebäudes.

Ursprünglich wurde als Stuckateur Franz Xaver Schmuzer vermutet, heute gibt es Anhaltspunkte, die dafür sprechen, dass es sich um eine Arbeit Johann Baptist Zimmermanns handeln könnte.

Der kurfürstliche Aufhebungskommissär Oberndorfer, der mit der Abwicklung der Säkularisation in Steingaden betraut war, beschreibt im Jahr 1803 das Gebäude folgendermaßen: Es befindet sich im Konventgarten und ist auf die äußerste Klosterumfangsmauer aufgesetzt, an die sich die eingedeckte und bereits 1803 abgebrochene Kugelstatt anschließt. Der Festsaal im ersten Stock, in dem früher Theateraufführungen stattfanden, trägt eine weiße Stuckdecke und ist mit neun Kreuzstöcken versehen. Eine Doppelstiege führt in den ersten Stock. Der stattliche Festsaal maß 47 Schuh in der Länge und Breite „und könnte eine ordentliche Wohnung geben“, vermerkte damals der kurfürstliche Aufhebungskommissär Oberndorfer. Dies ist bald nach der Klosteraufhebung auch geschehen.

Das Kloster Steingaden um 1803. Ganz recht oben am Rand das frühere Garten- und Komödienhaus. 

Nach der Veräußerung im Jahre 1806 wurde das Komödienhaus zu unterschiedlichen Zwecken genutzt – als Schuhmacherei, Rotgerberei, Gendarmeriestation, Schreinerei und Wohngebäude.

Der Umnutzung der Räumlichkeiten war es auch geschuldet, dass das Gebäude grundlegend umgebaut wurde. Aus den ursprünglich zwei Geschossen entstanden drei, was eine Reduzierung der Räumhöhen zur Folge hatte. Zudem wurde jedes Stockwerk durch Zwischenwände untergliedert, um die Räume den neuen Bedürfnissen anzupassen. Dies geschah wohl bereits um 1810. Um diese Zeit wurde auch im Osten des Gebäudes ein Wirtschaftsteil angebaut.

Zwischen 2009 und 2016 wurde das Gebäude mit Unterstützung aus Mitteln des Entschädigungsfonds generalsaniert. „Dabei zeigte sich bald, dass die Stuckdecke des ehemaligen Theatersaals im heutigen zweiten Obergeschoss in einem separaten Projekt behandelt werden muss“, so Alexander Mikutta, der zusammen mit seiner Frau Anna (Bildhauerin) und zwei Kindern in dem Haus jetzt wohnt.

Lange sei – so Mikutta – unklar gewesen, wie der mit zweifelsohne qualitativ hochwertigen Stuckdecke umgegangen werden soll. Sie war im Laufe der Zeit sehr schlecht instandgehalten worden, deshalb ist die Sanierung jetzt sehr kostenintensiv.

Schließlich gab die Bauer’sche Barockstiftung mit einer umfangreichen Förderzusage die Initiative für eine Wiederherstellung zumindest von zwei Dritteln der Decke im bauzeitlichen Zustand von 1730. Auch von der Bayerischen Landesstiftung wurde inzwischen ein Zuschuss von 20 000 Euro zugesagt. Die Sanierungsarbeiten erfolgen durch die Firma Haug aus Friesenried, die derzeit auch im Welfenmünster von Steingaden Arbeiten ausführt.

„Durch eine beschränkte persönliche Dienstbarkeit wird gewährleistet, dass die Decke im einstigen Theatersaal auch von einer interessierten Öffentlichkeit im Augenschein genommen werden kann“, berichtet Mikutta. Dies geschehe im Sommerhalbjahr mindestens im Turnus von zwei Monaten durch Führungen und kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen, Lesungen oder Konzerte.

Michael Gretschmann

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