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Barbara Stamm bei ihrem Festvortrag im Welfenmünster Steingaden.

Großer Beifall im Welfenmünster

Barbara Stamm: „Wir Christen sind nicht von gestern“

Gut gefüllt war das Welfenmünster in Steingaden, als Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm mit ihrem Festvortrag „Wir Christen sind nicht von gestern. Warum die Welt mutige Christen braucht – heute mehr denn je“ zu Gast war. Für ihre Worte erntete sie großen Beifall.

Steingaden – „Es ist uns eine Ehre, dass Sie bei uns in Steingaden zu Gast sind“ – diese Grußworte von Pater Petrus Adrian gab Barbara Stamm zurück. Ihr sei es eine Ehre, hier sprechen zu dürfen. Das Welfenmünster sei der richtige Ort, um christliche Werte aus der Vergangenheit auch in die Zukunft zu tragen.

In ihrer Rede nahm die ehemalige Landtagspräsidentin Bezug auf den Heiligen Norbert von Xanten, den Gründer des Prämonstratenser-Ordens, dessen Botschaft vor 900 Jahren genauso gewesen sei wie heute. Auch Norbert selbst habe mit seinem Anspruch gehadert, war auf der Suche nach dem richtigen Weg, sein Christsein zu leben. Die Frage sei nach wie vor: „Wie kann ich mutig meine christlichen Werte in die Welt tragen und Haltung zeigen?“ In diesem Zusammenhang zitierte sie den Evangelisten Johannes: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“

Großen Bogen gespannt

Barbara Stamm spannte einen Bogen zu den großen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie Digitalisierung, Globalisierung, aber auch den Zerfall der Familie, Pflege, Kindererziehung, Rolle der Frau, Arbeitsmarktsituation, Inklusion und Integration. Dabei beleuchtete sie die Entwicklungen durchaus kritisch.

iPad kann kein soziales Miteinander ersetzen

Zur Digitalisierung stellte sie die Frage in den Raum: „Ist die Technik dazu da, den Menschen zu unterstützen, oder beherrscht sie ihn?“ Es gelte, wachsam zu sein. Auch im Bezug auf die Kinder, die diese Techniken schon früh entdecken. „Ein iPad kann kein soziales Miteinander ersetzen. Werte lernen Kinder nur in der Gemeinschaft“, so Stamm. In der Grundschule sei mehr auf den Weg zu bringen als ein digitales Klassenzimmer. Wichtig sei es, hinzuhören und zuzuhören, Kindern Verständnis entgegenzubringen und zu lehren. Auch bei älteren Menschen könne ein Pflegeroboter nicht die warme, mitfühlende Hand eines Menschen ersetzen und helfe nicht gegen die Einsamkeit.

Zum Thema Integration von Flüchtlingen meinte sie: „Als Christen sollten wir stolz darauf sein, Menschen, die aus Angst vor Krieg, Tod und Verfolgung ihre Heimat verlassen mussten, ein lächelndes Gesicht zu zeigen.“ Vieles sei an den Pranger gestellt worden, aber es sei herauszustellen, was gelungen und auf den Weg gebracht worden sei. Tolerant gegenüber anderen Kulturen und Glaubensrichtungen bedeute nicht, die eigene Kultur aufzugeben. Es gelte, andere heranzuführen.

Christliche Werte in Aufsichtsräten von DAX-Unternehmen diskutieren

Zudem sollten christliche Werte auch in Aufsichtsräten von DAX-Unternehmen diskutiert werden. Menschen müssten das verdienen, was sie zum Leben brauchen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Hinblick auf Kindererziehung, aber auch Pflege müsse unterstützt werden.

„Vertrauen und Achtung sind die zwei unzertrennlichen Grundpfeiler der Liebe. Wenn Menschen spüren, dass wir sie lieben, achten sie uns auch“, so Barbara Stamm. Es gelte, die Herausforderungen der Zukunft mit Vertrauen, Gelassenheit und Nächstenliebe anzugehen. In diesem Sinne wurde zum Abschluss des Abends auch kein Kirchenlied, sondern die Bayernhymne gesungen.

URSULA FRÖHLICH

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Der Abschluss der Renovierung des Welfenmünsters ist in Steingaden mit einem Festwochenende gefeiert worden. Den Höhepunkt bildete die Weihung des neuen Altars und Ambo.

Das Gerüst an den Türmen ist abgebaut, im Inneren des prächtigen Gotteshauses werden die letzten Handgriffe erledigt. Die Kirchengemeinde in Steingaden fiebert dem 18. Oktober entgegen, wenn ihr „glanzvolles Welfenmünster“ nach zweieinhalbjähriger Renovierung feierlich wiedereröffnet wird.

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