+
Auch hier warten wohl noch Überraschungen: Die Türme des Welfenmünsters sind eingerüstet. Wann ihre Renovierung abgeschlossen sein wird, steht allerdings noch nicht fest.

Welfenmünster-Renovierung 

Ein Gotteshaus voller Überraschungen

  • schließen

Eine der derzeit aufwändigsten Kirchenrenovierungen im Schongauer Land kommt voran. Bei den Restaurationsarbeiten im Kirchenschiff des Steingadener Welfenmünsters sind die Experten allerdings auf die eine oder andere Überraschung gestoßen. Der Aufwand wird größer, die Kosten steigen.

Steingaden – Es sind schwindelerregenden Höhen, in die sich die Spezialisten im Welfenmünster begeben: Herbert Haug, Bruno Kübler und Andreas Bair arbeiten derzeit an der Decke des 15 Meter hohen Kirchenschiffs. Unter anderem sind sie dabei, die Engelsköpfe an der Wand in ihren Urzustand zu versetzen. Die Köpfe hatten bei einer Renovierung Ende der 1950er Jahre einen neuen Anstrich verpasst bekommen. Und von dem ist Kirchenmalermeister Bruno Kübler bei näherer Betrachtung geradezu entsetzt: „Das ist fast schon dilettantisch kitschig“, sagt der Experte aus Ulm mit Blick auf rote Lippen und graue Haare, die die Engel seinerzeit erhielten. „Man hat ihnen fast das Leben genommen.“

Restaurationssünde: Die goldenen Engel im Kirchenschiff wurden mit weißer Farbe übertüncht.

Nicht viel besser erging es den Engeln, die drei Meter weiter unten links und rechts im Kirchenschiff auf ihren Podesten stehen. Dem Experten aus Ulm war sofort ins Auge gefallen, dass sie damals mit weißer Farbe übertüncht wurden. Die Spezialisten haben zu Demonstrationszwecken nun zunächst einen Engel wieder hergerichtet. Und von der jetzt wieder im satten Gold glänzenden Gips-Figur ist auch der langjährige Kirchenmusiker Caspar Berlinger begeistert. Er koordiniert bekanntlich die Arbeiten in der Kirche und sucht für die Restaurierung der übrigen sieben Engel jetzt Paten. Denn pro Figur werden rund 2000 Euro Mehrkosten fällig.

Jetzt erstrahlt zumindest wieder ein Engel im ursprünglichen Gold am ganzen Körper.

Insgesamt sind die veranschlagten Kosten für die Renovierung des Welfenmünsters laut Berlinger bereits von 1,2 Millionen auf 1,4 Millionen Euro gestiegen. Und die Vermutung liegt nah, dass es am Ende noch mehr wird. Der Zeitplan der Renovierung liegt dagegen im Soll: Im Februar 2017 war mit den Arbeiten begonnen worden, ein gutes Stück auf dem langen Weg ist schon geschafft. „Im Chorraum erstrahlen der Stuck aus Renaissance und Frühbarock, die Wappenschilder, die Heiligenfiguren und der Hochaltar in neuem Glanz und farblicher Frische“, freute sich Berlinger schon im Februar. Jetzt geht es auch im Kirchenschiff ans Eingemachte. Der Barockaltar ist schon draußen, „weil er nicht in den Renaissance-Stil passt“, nennt Berlinger den Grund. Er verweist auf den Steingadener Steinmetzmeister Johannes Klein, der ein neues Konzept entwickelt und umsetzt. Am Platz vor dem künftigen Altar steht bereits der Taufstein aus der alten Pfarrkirche. „Er stand vergessen über 100 Jahre in der Ecke“, berichtet Berlinger.

Bis alles fertig ist, wird noch ein gutes Jahr ins Land ziehen. Neben den Restaurationsarbeiten muss in der Kirche bekanntlich auch technisch vieles auf Vordermann gebracht werden. Elektrik und Glockensteuerung des Welfenmünsters werden erneuert, die Zuleitungen werden im Boden und unter Putz verlegt. Auch die Beleuchtung war zuletzt nicht mehr zeitgemäß. Und obendrein freut sich der Kirchenmusiker auf eine neue Chororgel.

Arbeitsplatz direkt unter der Kirchendecke (v.l.): Kirchenmusiker Caspar Berlinger, Herbert Haug (Stuckateurmeister), Bruno Kübler (Restaurator und Kirchenmalermeister) sowie Restaurator Andreas Bair.

Der erste Gottesdienst wird voraussichtlich im Oktober 2019 wieder im Welfenmünster gefeiert werden können. Bis dahin weichen die Gläubigen weiterhin in den Pfarrsaal sowie nach Urspring, Ilgen und bei großen Festen in die Wieskirche aus.

Ob in einen Jahr auch schon die beiden Türme des Welfenmünsters in neuem Glanz strahlen werden, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Zwar verraten die vor einigen Wochen aufgestellten Gerüste, dass es mit der Fassadenrenovierung wohl bald los gehen dürfte, offensichtlich warten aber auch dort oben noch Überraschungen: „Da stehen Summen im Raum, über die müssen wir noch reden“, sagt Berlinger, ohne ins Detail zu gehen.

Unterm Dach wird derweil behutsam an Decke und Figuren weitergearbeitet. Berlinger stutzt bei der Begehung jedoch kurz, als er eine Reihe von Löchern in der Kirchendecke entdeckt. Die Frage an die Experten, woher die Löcher kommen, bekommt er prompt beantwortet: „Die sind vom Schrot, damit hat man früher die Vögel heruntergeholt.“

Jörg von Rohland

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Garnelenzucht mit neuem Bio-Verfahren
Ist das seit Jahren geplante Großprojekt „Garnelenhof im Pfaffenwinkel“ eine unendliche Geschichte? Keineswegs, jetzt muss nur noch ein Tekturplan eingereicht und vom …
Garnelenzucht mit neuem Bio-Verfahren
Wiesn-Special: Luchsbacher verzockt sich
500 000 Euro hat am Montag die Oktoberfest-Kellnerin Michaela Maier beim RTL-Wiesn-Special von „Wer wird Millionär“ gewonnen. Deutlich unerfreulicher endete der Abend …
Wiesn-Special: Luchsbacher verzockt sich
Lösten Bauarbeiten das Feuer aus?
Nach dem Großbrand im Kloster Rottenbuch vor einer Woche läuft die Suche nach der genauen Ursache weiter auf Hochtouren. Mittlerweile gibt es erste Hinweise darauf, was …
Lösten Bauarbeiten das Feuer aus?
Leisere und lautere Töne an verschiedenen Orten
Ein schönes Stelldichein lokaler Volksmusik-Ensembles: 22 Gruppen mit rund 150 Mitwirkenden erwartet der Trachtenverein Epfach zum großen Volksmusiktag des …
Leisere und lautere Töne an verschiedenen Orten

Kommentare