Hat in der Wies ihr Glück gefunden: Steingadens Kirchenmusikerin Kristina Kuzminskaite.
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Hat in der Wies ihr Glück gefunden: Steingadens Kirchenmusikerin Kristina Kuzminskaite.

Steingadens Kirchenmusikerin Kristina Kuzminskaite über Kirchenmusik und Corona zum 1. Mai

„Wir singen dreistimmig bei den Gottesdiensten“

Traditionell wird in den katholischen Kirchen in Bayern am 1. Mai „Patrona Bavariae“, die Gottesmutter Maria als Schutzheilige in Bayern, verehrt. So findet auch in der Wieskirche heuer wieder ein Festgottesdienst statt und es sollte hervorgehoben werden, dass das Marienhochamt auch musikalisch gestaltet wird.

Wies - Wie das unter den strengen Hygienemaßnahmen geschehen kann, erklärt Kirchenmusikerin und Organistin Kristina Kuzminskaite. Seit 1. Januar vergangenen Jahres ist sie in Steingaden in der Stiftskirche und der Wieskirche tätig. „Ich habe das Beste geschenkt bekommen“, sagt Kuzminskaite über ihre Arbeit. Obwohl sie gleich zu Beginn durch die auftretende Pandemie mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen hatte.

Zunächst brach die Musik ganz weg, kein Chor- und Orchesterunterricht. Die Musik war tot. Aber Schritt für Schritt hat man sich seither angepasst. Gemeinsam mit Wiespfarrer Gottfried Fellner und Pater Petrus Adrian hat Kuzminskaite Strategien entwickelt, wie man trotzdem die Gottesdienste musikalisch gestalten kann.

Ein gemeinsamer Gesang mit der Gemeinde ist zwar nicht möglich, aber „jeder darf solo singen“, sagt Kuzminskaite. Sogar im Kinderchor gibt es kleine Solisten. Der Sologesang wird angenommen von den Menschen. Beim Marienhochamt am 1. Mai beispielsweise wird neben dem Monika-Dreigsang, einem Geschwistertrio, und den Wildsteiger Wiesnbläsern auch eine Frau singen, die eigentlich seit der Pandemie für den Ordnungsdienst in der Wieskirche zuständig ist. „Sie bringt ihre Noten mit und wird von mir an der Orgel begleitet“, freut sich Kuzminskaite.

Eigentlich wollte das Bayerische Fernsehen den Gottesdienst live übertragen. Es kam aber eine kurzfristige coronabedingte Absage. Aufgezeichnet wird das traditionelle Marienhochamt dennoch seitens der Wies-Organisatoren und dann auf Youtube gestellt.

Bei der Chorprobenarbeit hat sich einiges geändert. Kuzminskaite hat für das gesangliche Einstudieren von Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchor eine besondere Strategie entwickelt. Im 30 Minutentakt probt sie mit ein bis zwei jeweiligen Chormitgliedern. Ist die Zeit vorbei, geht es mit zwei neuen Sängern von vorne los.

Es klingt nach viel Arbeit für die Chorleiterin. Aber Kristina Kuzminskaite lacht. „Wenn ich üben darf, bin ich glücklich“, sagt sie. Glücklich ist sie auch darüber, wie auf eine neue Art die kirchliche musikalische Gemeinschaft zusammen arbeitet. So besorgt Pater Petrus Adrian eigenständig Noten und stellt sie Kuzminskaite vor, damit sie überprüfen kann, ob man diese Werke auch in der stark reduzierten Gesangskonstellation benutzen kann.

Denn es hat sich etwas geändert bei der Kirchenmusik: „Wir haben ein anderes Repertoire“, erklärt die Kirchenmusikerin. Natürlich kann man noch keine große Messe von Mozart aufführen. Aber kleinere Stücke sind durchaus machbar. Zumal Kuzminskaite mit Pfarrer Fellner und Pater Petrus Adrian hervorragende Sänger an ihrer Seite hat. „Wir singen dreistimmig bei den Gottesdiensten“, erklärt sie.

Das ist unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen in der Kirche durchaus möglich. Auch die jeweiligen Mesner singen regelmäßig mit. Und es werden ausgebildete Solisten und Soloinstrumentalisten eingeladen, die mit Freude den Gottesdienst gestalten.

Kuzminskaite ist ein positiver Mensch. In der dunklen Fastenzeit hat sie zusammen mit Wiespfarrer Fellner und Pater Petrus Adrian ein besonderes Segenslied gesungen, das für sie in diesen Zeiten ein Trost ist und sie sehr berührt hat. „Halte dich fest an Gott. Mach‘s wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, wenn der Ast auch bricht, denn er weiß, dass er Flügel hat.“

REGINA WAHL-GEIGER

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