Christoph Garbe dirigiert „Die Jahreszeiten“ von Joseph H aydn mit dem Orchester „La Banda“, dem Chor der Stadt Schongau und den Solisten Andreas Hirtreiter (Tenor, links), Priska Eser (Sopran) und Timo Janzen (Bass, rechts).

Festlicher Sommer in der Wies

Glocken beenden einzigartiges Konzert in Wallfahrtskirche

Es war ein Geschenk an alle Klassikliebhaber: In der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“ sind jetzt „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn aufgeführt worden. Und man kann behaupten, dass das Konzert unter der Leitung von Christoph Garbe DER musikalische Höhepunkt seit Langem gewesen ist.

Wies – Beim jüngsten Konzert der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“ stimmte einfach die Chemie zwischen dem Dirigenten, dem Chor der Stadt Schongau, dem Orchester „La Banda“ und den Solisten Priska Eser (Sopran), Andreas Hirtreiter (Tenor) und Timo Janzen (Bass). Anders kann man sich diese technisch wie ausdrucksstark hochkarätige Darbietung nicht erklären.

Leiter Christoph Garbe verfügt einfach über das Talent, seine Mitwirkenden zu begeistern. Jeder Zuhörer in der fast voll besetzten Wieskirche spürte und vor allem hörte das. Der berühmte Funke, der bei manchen einmaligen Konzerten so plötzlich überspringen kann, war auch an diesem Abend da.

Vom ersten Ton im Frühling beim „Seht wie der strenge Winter flieht“, bis zum letzten im Winter, dann, wenn Haydn Gott als Schöpfer einbezieht in den Jahreszyklus bei „Dann geh‘n wir ein in Deines Reiches Herrlichkeit. Amen!“, war das Ganze ein einzigartiges Klangerlebnis.

Nur relativ selten steht ein so großes oratorisches Werk wie „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn bei Konzerten auf dem Programm. Das liegt allein schon an der enormen Länge von zweieinhalb Stunden. Es war das letzte von Haydns vier Oratorien. Haydn arbeitete drei Jahre an der Vertonung des Textes von Gottfried van Swieten, österreichischer Diplomat, Musiker und Leiter der Wiener Hofburg, der sich zum Leidwesen Haydns auch gerne in die Komposition einmischte.

So soll Haydn geäußert haben, dass er „noch nie eine so besoffene Fuge“ komponiert habe, wie die bei der Weinernte-Feierszene im Herbst.

Das menschliche Leben und Arbeiten in der Natur wird bei dem Werk musikalisch eingefangen. Da sind der Landpächter Simon (Timo Janzen, Bass), seine Tochter Hanne (Priska Eser, Sopran) und der Knecht Lucas (Andreas Hirtreiter, Tenor), mit denen man durch das turbulente Jahr zieht. Und die Zeit vergeht unglaublich schnell, denn das Werk ist äußerst vielseitig und bunt, genau wie man sich einen Jahresablauf vorstellt.

Orchester spielt auf historischen Instrumenten

Das ausgezeichnete Orchester „La Banda“ spielte beim Konzert in der Wies auf historischen Instrumenten. Eine hervorragende Wahl, denn der Klang erschien wärmer, irgendwie authentischer und ungekünstelt. Dass vor jeder neuen Jahreszeit ausgiebig nachgestimmt werden musste, nahmen die Zuhörer dabei gerne in Kauf.

Die Stimmen der Solisten ruhten auf einem satten, volltönenden Fundament. Mit einer Kraft und komplementärer Sanftheit berührten sie die Zuhörer. „Seht die Auen, seht die Wiesen, seht die Felder all“, rief Knecht Lucas beim Frühling. Und wunderschön sang Priska Eser die Arie der Hanne im Sommer „Die Morgenröte bricht hervor“.

Ganz sanft, immer strahlender werdend war dann auch das Terzett der Solisten beim Sonnenaufgang im Sommer „Sie steigt herauf, die Sonne, sie steigt“. Beinahe schaurig und mit düsteren Gedanken behaftet war dagegen die Arie des Simon im Winter. Herrlich interpretiert von Timo Janzen beim „schon naht der bleiche Winter sich, und zeigt dir das offene Grab“.

Ja, und erst der Chor der Stadt Schongau: Seit fünf Jahren liegt er in der Hand von Christoph Garbe. Und der hat das enorme Potenzial der Laiensänger noch längst nicht ausgeschöpft, denn der Chor steigert sich von Konzert zu Konzert. Das Sommergewitter mit dem Grollen des Donners und der Unruhe der Natur war einfach gewaltig anzuhören.

Und ganz zum Schluss, nach der letzten aufbrausenden Fuge, nachdem Gott als Schöpfer gepriesen wurde, gab es diese wunderbare Stille. Für eine Minute erklangen die Glocken der Wieskirche. Ein berührendes Ende, bevor der Jubel ausbrach.

Nächstes Konzert

beim „Festlichen Sommer“: Mozarts „Exsultate, Jubilate“ und Beethovens 6. Sinfonie am Sonntag, 21. Juli, 19 Uhr, in der Wieskirche. Info.

VON REGINA WAHL-GEIGER


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