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Geistliche Betrachtung mit Stille und Musik: So war die Passionsfeier in der Wieskirche mit Monsignore Gottfried Fellner und einigen Musikgruppen gestaltet. 

Passionsfeier in der Wies

Leidensweg Jesu und kleine Klanginseln

Selten strahlte die Frühlings-Sonne solchermaßen sonnig und warm vom Himmel wie am vergangenen Wochenende. Auch die Wieskirche leuchtet zur Passionsfeier mit dem Himmel um die Wette.

Wies Schon lange wünschte sich Wiesprälat Monsignore Gottfried Fellner, den Passions-Text zur Eröffnung der Karwoche einmal außerhalb der Mess-Liturgie ganz in den Mittelpunkt stellen zu können. Dem Leidensweg Jesu im Matthäus-Evangelium in den Kapiteln 26 und 27 konnten so die vielen Zuhörer in dieser durch Wort, Musik, geistlicher Betrachtung und Stille getragenen Stunde in aller Klarheit, Eindringlichkeit und Dramatik folgen.

Die hervorragende Diktion der drei Lektoren schaffte die Basis für eine Konzentration ohne Ablenkungen. In seiner Einführung setzt Fellner behutsam wie nachdenklich zugleich das Tragen des Karfreitagskreuzes in den heutigen Bezug. „Macht das Leiden Jesu auch Aussagen über unser menschliches Leid? Können wir uns vor ihm schützen?“, fragte der Wiesprälat.

Wieviel Gewicht das Kreuz eines jeden einzelnen hat, ob es in seiner Last tragbar ist, schilderte er in einer bildhaften Legende von Adalbert von Chamisso. In der Annahme des Kreuzes sieht der Wiesprälat nicht nur die Verbindung des Menschen mit dem Schicksal Jesu, sondern auch den Zugang auf den Weg der Erlösung. Im heute täglich zu betrachtenden grenzenlosen Leiden von Millionen Menschen auf der Flucht, angesichts grausamster Bilder aus Kriegs-, Terror- und Hungersnotgebieten in unserer gemeinhin als so hoch zivilisiert geltenden Welt, bekommen seine ungeschönten, schnörkellosen Aussagen ein doppelt schweres Gewicht.

Wichtig ist es Fellner, eng am Passionstext zu bleiben und Fragen aufzuwerfen

 „Wer ist denn dieser Jesus?“ Damals sah das auserwählte Volk alle Zeichen seiner Liebe und schlug ihn trotzdem voller Hass und Blindheit ans Kreuz. Jesus ließ sich von diesem tödlichen Hass treffen, entäußerte sich in den äußersten Widersinn. Für Fellner steht in der Überwindung seines Leidens vor allem eines im Zentrum: die Einladung. Die Einladung zur Nachfolge an alle. Durch Christus ist der Tod zerbrochen, der Zugang zu Gott damit für alle Menschen frei. „Jetzt stehen wir unter dem Kreuz. Der gekreuzigte Messias will unsere Antwort.“

Zwischen den Lesungen und Betrachtungen gibt es in der Wieskirche Raum für Musik. Auch hier möchte man nicht mit Üppigkeit prunken, sondern mit feinfühligen, kleinen Besetzungen Klanginseln zum Nachspüren und Mitfühlen bieten. So eröffnet das gut balancierte Oberammergauer Holzbläsertrio mit dem Wieslied.

Fast ein wenig überirdisch schwebt „Der Heiland zieht durchs Tränental“ der Gebrüder Böck aus Weißensee gemeinsam mit der glockenklaren jungen Stimme von Sonja Rist durchs Kirchenschiff. Vor knapp einem Jahr sind sich die begeisterten Volksmusikanten aus dem Allgäu begegnet und haben schnell entdeckt, wie gut sie auch zu dritt harmonieren.

Ganz anders hingegen erzählt sich die Geschichte des Eichenauer Viergesangs, der schon seit Jahrzehnten miteinander musiziert. Lange konnte man ihn aus gesundheitlichen Gründen in der Öffentlichkeit nicht mehr hören. Aber der Einladung, in der berühmten Wies zu singen – für sie wie überhaupt für viele Musiker ein lang gehegter Wunschtraum – wollten sie unbedingt Folge leisten. Das Quartett bietet Ohr und Seele der aufmerksamen Hörer sonore Geschlossenheit. Im Schlusslied „Ecce homo“ rundete der Viergesang das Passions-Bild warm ab. Uwe Schmid, filigran an der Zither nicht nur als Begleiter, sondern auch als Solist, trotzte der Kälte im Kircheninneren nicht nur tapfer, sondern zaubert aus der „kleinen Schwester der Harfe“ innige Momente. Wie sehr sich die Besucher von dieser Passionsfeier berühren ließen, konnte man am Ende in vielen Gesichtern lesen.

Dorothe Fleege

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