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Menschen, die bewegen: Heiner Putzier zu Gast in der Landvolkshochschule Wies. 

Menschen, die bewegen

Slowfood-Aktivist wirbt für faires Gemüse

Zur letzten Veranstaltung vor der Sommerpause der Reihe „Menschen, die bewegen“ in der Landvolkshochschule Wies war Heiner Putzier zu Gast. Der Slow-Food-Aktivist ist ein Verfechter eines naturnahen, selbstbestimmten Lebens.

Wies „Inzwischen kaufen wir gar nichts mehr ein, wir produzieren selber“, so Heiner Putzier, der zum zweiten Mal verheiratet auch Vater von insgesamt sechs Kindern ist. Diesen will er ein Vorbild sein. Damit belässt es der ehemalige Vertriebsmanager eines internationalen Konzerns für Hygieneprodukte, der seit Januar letzten Jahres arbeitslos ist und dieses Jahr in Rente geht, aber nicht. Er hat auch schon mal in einer Firma mit 120 Mitarbeitern frischen Eintopf für alle gekocht. Nur um zu beweisen, dass so etwas auch geht und ankommt. Der Ansturm auf das Essen war überwältigend.

Seit 30 Jahren ist der 65-jährige Vegetarier und brachte sich auch in seiner Firma als ökologisch orientierter Querdenker ein. Mit seinen Vertriebserfahrungen, vor allem mit großen Discountern, hatte Putzier auch Gelegenheit, einen Einblick in deren wirtschaftliches Handeln zu gewinnen, das von Konkurrenzkampf, Preisdruck und sinkender Qualität des Angebots geprägt ist. Auch seine eigene Firma habe ein rasantes Wachstum hingelegt, „Eigenmarken“ für Handelsketten und weltweite Produktionsstätten aufgebaut. Er habe versucht, seine eigenen Überzeugungen in seine Arbeit einzubringen, Produkte zu entwickeln, die nachhaltig waren. „Das ist mir teilweise gelungen, teilweise nicht“, so Heiner Putzier. Das hänge mit den Strukturen und der Macht der Einzelhandelsketten gegenüber Lieferanten zusammen.

Leiter von Slowfood Pfaffenwinkel

Eine Wende in seinem Leben kam 2010 mit dem Besuch der Biofachmesse in Nürnberg. Dort gab es auch einen Stand von Slowfood. „Das hat mir damals nichts gesagt, aber meine Frau und ich sind beigetreten“, erzählte Heiner Putzier. Heute ist er Leiter von Slowfood Pfaffenwinkel. Er setzt sich ein, um Lebensmittel zu fördern, die sauber und fair sind und wünscht sich eine kleinbäuerliche Landwirtschaft mit einer Vielfalt regionaler Nahrungsmittel. „Wir versuchen, Menschen zu sensibilisieren, wieder selbst zu kochen und nach Möglichkeit auch Gemüse anzubauen“, erklärte er. Auch das Angebot in Discountern habe der Verbraucher letztendlich in der Hand. „Wenn ein Produkt die Umsatzerwartungen nicht erreicht, fliegt es raus“, weiß Putzier aus langjähriger Praxis.

Er selbst bewirtschaftet einen kleinen Acker, wo er Gemüse wie Kürbisse, Karotten oder Pastinaken selbst anbaut. Seit neuestem experimentiert er mit einem Erdloch zur Gemüselagerung. „Wir wollen ein Beispiel geben, dass es funktioniert!“, bekräftigte er. Damit nicht genug. 2017 trat er in die MUT-Partei ein und bei den letzten Wahlen als Direktkandidat für den Landkreis Weilheim-Schongau an. Das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen, das seine Partei sich auf die Fahnen geschrieben hat, ist ihm sehr wichtig. Gesunder Menschenverstand gegen die Macht von Konzernen und Meinungsmachern. Und faire Preise für faire Lebensmittel. „Wir leben im Überfluss. Vieles ist viel zu billig. Wenn wir nicht bereit sind, Abstriche zu machen und für gesunde Lebensmittel mehr zu bezahlen, wird sich nichts ändern“, ist er sich sicher.

VON URSULA FRÖHLICH

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