Wieskirche: Entsetzen über kurzzeitige Pläne

„Da fliegen mir ja meine Engel davon“

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„Nein, das darf nicht der Fall sein, ich bin strikt dagegen.“ Nicht nur der ehemalige Wiespfarrer Georg Kirchmeir ist entsetzt über die (wenn auch nur kurzfristigen) Pläne des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg), über der Wieskirche wieder Tiefflüge zuzulassen.

Steingaden/Weilheim-Schongau – Sämtliche beteiligte Fachstellen – vom Kultusministerium bis hin zum Denkmalschutz – hatten sich bereits gerüstet, gegen die Aufhebung des militärischen NOTAMs zu argumentieren, die Überlegungen wurden jedoch zwischenzeitlich fallengelassen (siehe ausführlicher Bericht im Bayernteil).

Für den ehemaligen Wiespfarrer Georg Kirchmeir war die Einrichtung des militärischen NOTAMs 1984 ein großer Erfolg für die Sicherung und den Erhalt der Wieskirche. Bereits zehn Jahre zuvor hatte er begonnen, dafür zu kämpfen. „Ich habe damals sehr über die Tiefflieger gewacht“, erinnert er sich. Wenn einer der Flieger im Anflug gewesen sei, habe er sich sofort an die Beschwerdestelle des damaligen Luftwaffenamtes in Bonn gewandt. Seine Beschwerden seien zunächst nicht wirklich ernst genommen worden, aber Kirchmeir ließ nicht locker: „Die Schallentwicklung ist so überdimensional, ist sogar körperlich spürbar.“

Vor allem bei Bauwerken aus dem Rokoko seien die Verzierungen überwiegend auf Putz aufgebracht, der sehr locker auf einem Holzlattengerüst sitze und sich daher leicht lösen könne, erläutert der ehemalige Wiespfarrer. Dies gilt natürlich auch für seine geliebten Engel, die figürlichen inklusive der gemalten in der Wieskirche immerhin 342 an der Zahl. „Ich habe damals gesagt, durch den Überschallknall fliegen mir ja meine Engel davon“, schmunzelt Kirchmeir.

Allein die Überlegungen, die Wieskirche wie auch andere Kirchen im Pfaffenwinkel durch mögliche Trainingsflüge im Voralpenland zu gefährden, kann Kirchmeir nicht nachvollziehen: „Das NOTAM darf und kann nicht aufgehoben werden. Die Wieskirche ist ein so unendlich kostbares Kunstwerk, das es zu schützen gilt.“ Allerdings gehe es nicht allein um eine Gefährdung für das Material, sondern auch für die Wies und ihr Umfeld samt der Menschen, die sich dorthin zurückziehen, um Gott näher zu kommen und die Ruhe zu genießen. Seit 1983 gehört der Bau zum Weltkulturerbe der Unesco, Sie zählt zu den schönsten Rokokokirchen der Welt, jährlich wird die Kirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies von Millionen Touristen und Pilgern besucht.

Auch Wiespfarrer Gottfried Fellner war entsetzt über den Vorstoß des BMVgs. Vor allem sei es in der Vergangenheit klar und unmissverständlich formuliert worden, wie ungemein belastend Flüge für die Wieskirche seien. „Für das Bauwerk sind Erschütterungen eine Katastrophe“, so Fellner. „Und es gibt überhaupt keinen Grund, warum ausgerechnet diese Region zu einem Übungsgebiet werden soll – das ist verrückt“, findet Fellner deutliche Worte.

Der gleichen Meinung ist Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer: „Ich bin generell gegen den Überflug, weil das so nicht notwendig ist – die können anderswo auch üben, das ist nur ein Heidenspaß für die Piloten.“ Aber wie kam es überhaupt zu dem militärischen NOTAM über dem Welterbe? Mitauslöser sei ein Artikel in den Schongauer Nachrichten gewesen, so der Kreisheimatpfleger. Aus dem Deckenputz der Wieskirche hatte sich ein großer Brocken gelöst und war heruntergefallen – er hätte einen Menschen erschlagen können, hieß es. Da zum selben Zeitpunkt auch ein Überschallflugzeug über der Wies gewesen sein muss, brachte man den Schaden damit in Zusammenhang. „Das war damals eine ungeheure Aufregung“, so Schmidbauer. Wobei tatsächlich bis heute nicht belegt sei, ob exakt dieser Überflug damals der Auslöser gewesen sei, denn der Deckenputz hätte auch vorher schon Hohlstellen gehabt.

Die großen Schäden – vor allem Risse und Sprünge im Deckenbereich – hatte man 1984 entdeckt, die Kirche wurde zunächst gesperrt. Im Frühjahr 1985 begann die Einrüstung, bis Ende 1986 war die Untersuchung des Gebäudes abgeschlossen, lag die Schadensdokumentation vor. Dieses Gutachten wurde im Februar 1987 veröffentlicht. Offizieller Arbeitsbeginn für die Renovierung war am 9. Mai 1988, abgeschlossen wurden sie im Januar 1991, der Einweihungsgottesdienst war im Mai 1991.

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