Die Wieskirche vor der Alpenkulisse
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Die Wieskirche vor der Alpenkulisse – wegen des Weltkulturerbes hat sich die Unesco dagegen ausgesprochen, in elf Kilometer Entfernung drei Windräder aufzustellen.

Neuer Anlauf für Bürgerwind-Projekt

Wieskirche: Welterbe-Status für die Windkraft opfern?

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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  • Sebastian Tauchnitz
    Sebastian Tauchnitz
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Lange war es still um das „Bürgerwind Pfaffenwinkel“-Projekt eines Windparks bei Peiting. Auf einmal ist das Thema wieder aktuell – im Umweltausschuss des Kreistags wurde jetzt darüber diskutiert, ob man dafür vielleicht sogar den Weltkulturerbe-Status der Wieskirche opfern sollte.

Landkreis – Acht Jahre ist es her, dass sich eine Gruppe von 62 Privatpersonen – darunter viele Landwirte – unter dem Namen „Bürgerwind Pfaffenwinkel“ zusammenschloss, um auf den Bergwiesen und Köpfinger Wiesen bei Peiting Windkraftanlagen zu errichten.

Die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden unterstützten damals das Vorzeigeprojekt, doch der Optimismus bekam bekanntlich schnell Dämpfer. Vogel- und Artenschutz machten Probleme, doch als größte Hürde stellte sich der Denkmalschutz heraus. Die Unesco sah durch die letztlich angedachte Errichtung dreier Windräder auf den Köpfinger Wiesen den Welterbe-Titel der Wieskirche gefährdet. 2015 war das, seitdem ist es still geworden um die Bürgerwind Pfaffenwinkel GmbH, die ihre Pläne damals auf Eis legte.

Erneuter Vorstoß für das Bürgerwind-Projekt

Was keiner ahnte: Mittlerweile wurden die Pläne offenbar wieder aufgetaut. Wie Kreisrat Josef Taffertshofer (BfL/Wildsteig) im Umweltausschuss des Kreistags berichtete, gab es einen erneuten Vorstoß des bayerischen Wirtschaftministers Hubert Aiwanger, das Projekt doch noch durchzudrücken. Doch auch Aiwanger habe bei der Unesco auf Granit gebissen.

„Sobald von der Wieskirche aus auch nur ein Stück Flügel zu sehen ist, fällt nach Aussage der Unesco der Status des Weltkulturerbes weg“, berichtete Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Ihre Schlussfolgerung: „Damit ist das Thema schon wieder erledigt.“ So schnell wollten sich die Mitglieder des Umweltausschusses aber nicht geschlagen geben. „Die geplanten Windräder sollen in elf Kilometern Entfernung entstehen. Elf Kilometer!“, erzürnte sich Taffertshofer. Da müssten sie schon 110 Meter hoch werden, „damit man von der Wieskirche aus überhaupt was sieht“.

Nur mit der Windkraft ließen sich die Ziele des Landkreises erreichen

Das erklärte Ziel des Landkreises, im Jahr 2035 alle benötigte Energie regenerativ zu erzeugen, sei nur umsetzbar, wenn man neben Photovoltaik auch auf Windkraft setze, argumentierte er. Und da habe man zahlreiche Investoren und Gemeinden, die gemeinsam ein so beispielhaftes Projekt stemmen wollen – und dann werde es verhindert.

Romana Asam (Freie Wähler/Weilheim) ging sogar noch weiter: „Was würde eigentlich passieren, wenn die Wieskirche ihren Welterbestatus verliert?“ wollte sie wissen. Eine Antwort darauf bekam sie nicht. Stefan Emeis (Grüne/Weilheim) wollte keine Konfrontation, sondern Überzeugungsarbeit: „Wir werben auf zahlreichen Fotos mit dem Radom, bei dem im Hintergrund ein charmantes historisches Kirchlein steht. Da ist das Argument, dass sich Geschichte und Moderne vortrefflich ergänzen“, sagte er. Genau so könne man auch bei der Unesco in Sachen Wieskirche argumentieren. „Vielleicht schicken wir mal eine Fotomontage hin, damit die sich ein Bild machen können“, schlug Emeis vor.

Kreisrat nimmt Katholische Kirche in die Pflicht

Kreisrat Hans Mummert (SPD/Penzberg) sieht auch die Katholische Kirche in der Pflicht: „Die müssten sich in Sachen Windkraft und Wieskirche viel mehr engagieren“, forderte er. Schließlich gehe es beim Kampf gegen den Klimawandel, bei dem die Nutzung der Windkraft ein entscheidender Faktor sei „um die Bewahrung von Gottes Schöpfung“.

Kreisrat Max Bertl (CSU), der auch Bürgermeister von Steingaden ist, gab sich in der Debatte geheimnisvoll: „Ich habe da was in der Hinterhand, um die Unesco zu überzeugen“, orakelte er, ohne zu sagen, was genau das sei. Dafür müsste man aber eine Abordnung der Unesco in die Region holen, „damit die sich mal vor Ort ein Bild machen können“. Am Ende ging die Debatte im Umweltausschuss zu diesem Thema allerdings ergebnisoffen aus.

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