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Wohnen, wo andere Urlaub machen: In der Gemeinde Steingaden stehen derzeit vier Hektar Bauland zum Verkauf. Das Rathaus verlangt für die einzelnen Parzellen 150 bis 160 Euro pro Quadratmeter plus Erschließungskosten.

Serie zur Ortsentwicklung (21) 

„Wir haben noch genügend Bauland“

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„Bauen, Bauen, Bauen und nochmal Bauen!“, fordert die Bayerische Staatsregierung von Städten und Gemeinden. Wohnraum wird im Freistaat immer knapper. Wir wollen in einer Serie zur Ortsentwicklung von den 22 Kommunen aus dem Verbreitungsgebiet der Schongauer Nachrichten wissen, wie stark sie in den kommenden 20 Jahren wachsen möchten und können. Heute: Steingaden.

Steingaden– „Es ist sicherlich nicht die Frage, wie die Bevölkerung sich in der Gemeinde entwickeln soll, sondern wie sich die demografische Entwicklung darstellt“, sagt Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle, der den Ort gesund wachsen sieht. In den vergangenen 20 Jahren könne man von einer Steigerung von etwa drei bis vier Prozent sprechen. Und an der Schraube möchte Wörle auch nicht drehen: „Eine übermäßig schnelle Steigerung ist sicherlich nicht anzustreben, weil die Infrastruktur nicht damit Schritt hält“, warnt er.

Zuzug von Familien

„Der Zuzug von jungen Familien ist selbstverständlich erwünscht, sogar sehr erwünscht“, macht der Rathauschef klar und spricht dabei nicht nur von Steingaden. Die Gemeinden hätten in den vergangenen Jahren sehr in Kinderkrippen, -gärten und Schulen investiert. Und insbesondere die Zukunft von Grund- und Mittelschulen hänge sehr stark von der Belegung ab. „Nach Einführung der R6 haben die Gemeinden und Schulverbände sowieso schon sehr zu kämpfen mit der Entwicklung der Schülerzahlen“, weiß der Bürgermeister, der seit mehr als 20 Jahren die Geschicke Steingadens lenkt.

Senioren

Die Senioren sieht Wörle heute und morgen in Steingaden bestens bedient. „Alle Vereine haben natürlich Senioren in ihren Reihen, die sich dort sehr wohlfühlen.“ Es gebe einen sehr aktiven Seniorenkreis, der mit geselligen Veranstaltungen, Lehr- und Ausflugsfahrten und Vorträgen mindestens einmal im Monat etwas auf die Beine stelle. Außerdem sei Steingaden zusammen mit Prem, Bernbeuren und Lechbruck federführend bei der Gründung des Bürgervereines am Lech beteiligt, der ebenfalls Veranstaltungen organisiere und zudem noch tägliches Mittagessen anbiete. Einrichtungen für Senioren seien zudem die Tagespflege und das Alten- und Pflegeheim Charlotte von Kusserow – „beides mit hervorragender Betreuung“, weiß der Rathauschef.

Einheimische

Die Gemeinde Steingaden hatte und hat laut Wörle noch immer ein Einheimischenmodell zu bieten. Die Kriterien seien nach EU-Vorschriften gestrickt und sehr umfangreich. Maßgeblich für die Berücksichtigung seien auf alle Fälle Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Bewerber.

Bauland

„Wir haben noch genügend Bauland, ein neues ist gerade eben erst geschaffen worden“, blickt der Bürgermeister zurück und voraus. Die Flächen befinden sich im Norden des Hauptortes Steingaden, in der Nähe des Alten- und Pflegeheimes. Aktuell stehen nach Angaben des Rathauschefs rund vier Hektar zur Verfügung. „Wobei die Gemeinde schon versucht, hier keinen Ausverkauf zu tätigen, um auch noch in einigen Jahren Bauplätze anbieten zu können“, schränkt er ein. Der Baulandpreis liegt demnach zwischen 150 und 160 Euro pro Quadratmeter, die Erschließung kommt noch dazu. Wer im Einheimischenmodell berücksichtigt werden kann, zahlt 30 Prozent weniger, erläutert der Bürgermeister. Die Baugrundstücke sind alle in gemeindlicher Hand. „Es handelt sich um gut 20 Parzellen, die nach und nach veräußert werden sollen“, so Wörle.

Verdichtung

„Wir werden in Zukunft auch verstärkt auf Nachverdichtung Wert legen, das heißt, die innerörtlichen Baulücken sind bevorzugt zu bebauen, um einer Verwaisung der Ortskerne vorzubeugen“, erläutert der Bürgermeister. Steingaden sei Pilotgemeinde des sogenannten Vitalitätschecks. „Es ist uns bei dieser Untersuchung bewusst geworden, dass innerorts noch einige Kapazitäten vorhanden sind“, so Wörle. Bei der angestrebten Verdichtung hofft der Rathauschef jetzt darauf, dass die betroffenen Eigentümer mitmachen. „Die Grundstücke müssen zur Verfügung stehen.“

Infrastruktur

Die Infrastruktur in Steingaden hält der Gemeindechef für ausreichend. Das Rathaus sei nicht unbedingt von der Quantität der Bürgerschaft abhängig. Die zweizügige Kinderkrippe sei neu, im Kindergarten habe man eine fünfte Gruppe eröffnet, um den Anfragen aus der Bevölkerung gerecht zu werden. „Wir haben auch genügend Integrativplätze zur Verfügung“, sagt Wörle. Die Gemeinde habe überdies „eine schöne neue Grundschule und eine von der Kapazität her ausreichende Mittelschule“.

Auch mit Einkaufsmöglichkeiten sieht Wörle den Ort „noch gut gesegnet“. Er verweist auf die örtlichen Handwerksbetriebe – Bäcker, Metzger und Fischladen – sowie einen „sehr gerne angenommenen“ Fenebergmarkt. Und: „Was uns auch auszeichnet, ist die sehr gute Versorgung mit Ärzten, Tierärzten und einer Apotheke.“

Gewerbeansiedlung

Der Platz für Betriebe ist nach Meinung des Bürgermeisters derzeit in Steingaden vollkommen ausgereizt: „Unser Gewerbegebiet ist ausverkauft und wir haben keine einzige Fläche mehr zur Verfügung.“ Eine Erweiterung sei an diesem Standort nicht mehr möglich. „Und ein neues Gewerbegebiet ist noch nicht in Sicht.“

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