Bluttaten im Schongauer Land

Zwei Messerangriffe: „Sehr außergewöhnlich“

Mit zwei Messerattacken in etwas mehr als zwei Tagen verlief das vergangene Wochenende im Schongauer Land brutal: Die Kripo Weilheim ermittelt wegen versuchter Tötung und gefährlicher Körperverletzung gegen einen 18-jährigen, der inzwischen in U-Haft sitzt, und einen 54-Jährigen.

Steingaden/Schongau – „Das ist schon außergewöhnlich für uns“, sagt Manfred Maier, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Schongau, über die Messerattacken.

Wie berichtet, endete am frühen Freitagmorgen kurz nach Mitternacht ein Streit zwischen drei Steigadenern blutig. Wie Polizei-Pressesprecher Thomas Schelshorn mitteilt, hatten sich der 54-jährige Autofahrer und die 19 und 27 Jahre alten Männer angepöbelt, weil die beiden Jüngeren mitten auf der Fahrbahn gingen, worüber sich der Autofahrer aufregte. Als sich die drei wenig später an einer Tankstelle in Steingaden trafen, wo der 54-Jährige tankte, eskalierte die Situation: Die beiden Jüngeren haben laut Polizei den Autofahrer angesprochen. „Er hat sich von einem massiv bedrängt gefühlt“, sagt der Polizeisprecher. Daraufhin wollte der Autofahrer die Polizei rufen und suchte in seinem Auto nach dem Handy. Dabei sei er auf das Messer gestoßen. „Damit wollte er die beiden davon abbringen, ihn weiter zu bedrängen“, so Schelshorn.

Wie es dazu kam, dass der Autofahrer mit dem Messer auf den 27-Jährigen eingestochen hat, ist noch nicht klar. Die Ermittlungen laufen noch. Der 27-Jährige wurde durch die Messerstiche so stark am Arm und am Bauch verletzt, dass er ins Schongauer Krankenhaus gebracht wurde und immer noch nicht vernehmungsfähig ist. Der 19-Jährige war stark alkoholisiert, die Polizei vermutet, dass das beim Opfer nicht anders war. Der Autofahrer war nach der Tat heimgefahren, dort fanden ihn die Polizisten. Die Kripo ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und prüft, ob der Autofahrer in Notwehr zugestochen hat. Der Steingadener befindet sich auf freiem Fuß.

Das sieht bei dem 18-Jährige aus Altenstadt, der am Sonntag gegen 3 Uhr mit dem Messer auf den Oberkörper eines 28-jährigen Schongauers einstechen wollte, anders aus: Der Haftrichter erließ gestern Haftbefehl gegen den 18-Jährigen wegen versuchter Tötung. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Nur, weil ein Schongauer (27) dazwischenging, konnte verhindert werden, dass der 28-Jährige ernsthaft verletzt wurde (wir berichteten). Der 27-Jährige wurde an der Hand verletzt. Erst als Zeugen und Sicherheitsdienstmitarbeiter den 18-Jährigen überwältigten, hörte dieser auf, mit dem Messer in Richtung der Oberkörper der beiden anderen zu stechen.

Der Vorfall ereignete sich vor einer Diskothek an der Lechuferstraße, wo sich der 18-Jährige und der 28-Jährige ein Wortgefecht geliefert und sich angerempelt hatten. Als sich der ältere der beiden entfernen wollte, um, wie er der Polizei gegenüber sagte, weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen, folgte ihm der 18-Jährige mit dem Messer.

Diese Häufung der Messerangriffe am Wochenende hält Polizei-Vizechef Maier für Zufall. Bei seiner Arbeit sei es immer wieder so, dass sich gewisse Dinge in kurzen Abständen wiederholen, dann sei wieder eine Weile Ruhe. Dennoch habe er mitunter den Eindruck, dass es „eine gewisse Steigerung des Aggressionspotenzials“ gebe.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © dpa

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