So sah die Lechstaustufe 6 bei Schongau heuer am 4. April aus. Bei diesem Wasserniedrigstand hat die Fischbrut im Kiesbereich keine Überlebenschance, denn der Uferbereich ist nahezu ausgetrocknet. Foto: privat

Das stille Sterben an den Lechstauseen

Schongau - Seit der Energiekonzern Eon für die Wasserkraftwerke am Lech zwischen Füssen und Landsberg zuständig ist, wird der zulässige Rahmen des Schwellbetriebs zur Stromerzeugung voll ausgenutzt - sehr zum Leidwesen der Fischer, die von einem „stillen Sterben“ an den Lechstauseen sprechen.

„Ich mag schon gar nicht mehr hinschauen“, sagt Werner Wendlinger tief betrübt, wenn er in der Rösenau - bei abgesenktem Wasserpegel - am Lechsstausee entlangwandert und die ausgetrockneten Uferzonen sieht. „Was dort Fischlaich kaputtgeht, das ist schon schlimm“, jammert der 71-jährige Schongauer, der weiß, wovon er spricht. Er ist am Lech aufgewachsen und kennt den Fluss im Bereich von Schongau wie kein anderer.

Vor allem den Schwellbetrieb und seine Folgen beobachtet Wendlinger seit Jahren ganz genau. „Die Äsche ist schon fast ausgestorben“, muss er mit Bedauern feststellen. In früheren Zeiten, als die Bayerische Wasserkraft AG (Bawag) noch zuständig war, sei der Schwellbetrieb nie voll ausgereizt worden. „Da ist der Wasserpegel vielleicht um 40 Zentimeter abgesenkt worden, das war kein Problem“, berichtet Wendlinger. Jetzt, wo Eon zuständig sei, werde der Pegel oft zweimal täglich um 80 bis 100 Zentimeter, also um mehr als das doppelte, abgesenkt - und dies bringe das ökologische Gleichgewicht in Gefahr.

„Der Schaden ist enorm“, klagt Wendlinger, der nicht gut auf Eon zu sprechen ist, weil der Energiekonzern seiner Meinung nach aus „Gewinnsucht“ den Schwellbetrieb forciert und weniger, um Spitzenwerte beim Stromverbrauch abzudecken.

Dass die Auswirkungen des Schwellbetriebs sehr schlimm sind, bestätigt auch der Ehrenvorsitzende des Kreisfischereivereins Schongau, Klement Sesar aus Peiting. Er spricht sogar von Pegelschwankungen von 1,50 bis zwei Metern (vor allem im Bereich der Niederwies). „Bis vor einigen Jahren war es noch so, dass die Turbinen am Kraftwerk Dessau sehr rasch geöffnet worden sind, und da wären in der Niederwies Feriengäste gekentert und beinahe ertrunken“, weiß Sesar zu berichten.

Elendig zugrunde gegangen ist vor acht Jahren ein 52 Pfund schwerer Huchen, weil er es nicht mehr geschafft hat, dem abfließenden Wasser zu folgen. So blieb er hilflos in einem ausgetrockneten Altwasserarm des Lechs zurück.

„Die Flachzonen sind die ,Kinderstuben’ der Stauseen“, betont Klement Sesar. Vor allem die „Kieslaicher“ seien vom Schwellbetrieb betroffen. „Aus ökologischer und fischereilicher Sicht eine glatte Katastrophe“, so der KFV-Ehrenvorsitzende, der von einem „stillen Sterben, jeden Tag aufs Neue“, spricht.

Da der wasserrechtliche Bescheid von 1959 noch bis zum Jahr 2055 Gültigkeit hat, macht sich Sesar keine Hoffnung, dass sich am Schwellbetrieb bald etwas ändern werde. Und die jetzt eingeleitete Enegiewende mache die Situation nicht besser.

„Die Bawag hat die Spielräume beim Schwellbetrieb nie voll ausgenutzt“, meint auch Johannes Schnell rückblickend. Er ist beim Landesfischereiverband Bayern für den Arten- und Gewässerschutz zuständig. Da die Abflusskurven beim Lech nahezu identisch seien mit der Einspeisevergütungskurve an der Strombörse in Leipzig, hegt auch Schnell den Verdacht, dass sich Eon beim Schwellbetrieb vorwiegend an der Höhe der Einspeisevergütung orientiere.

„Die Lechstaustufen am oberen Lech wurden für den Schwellbetrieb geplant, genehmigt und entsprechend errichtet“, betont Eon-Sprecher Christian Orschler. Mit dieser seit Jahrzehnten praktizierten Betriebsweise werde die Erzeugung von Strom dem Tagesgang des Strombedarfes bestmöglichst angeglichen. Während Wind und Sonne unabhängig vom Strombedarf Energie ins Netz einspeisten, könnten die Wasserkraftanlagen am Lech die Erzeugung kurzfristig an den aktuellen Bedarf anpassen. Für die Wasserführung in der Litzauer Schleife habe die Eon mit den Fischereiberechtigten bereits im Jahr 2004 eine wesentliche Erhöhung der durchschnittlichen Mindestabflüsse vereinbart. Weitere Verbesserungen zur Gewässerökologie, wie die Anlage von Kiesbänken, seien in gemeinsamen Aktionen von Wasserwirtschaft, Fischereivereinen und Eon erfolgreich umgesetzt worden.

Wegen des Schwellbetriebs am Lech findet in den nächsten Tagen eine Besichtigung mit Landrat Zeller, MdL Renate Dodell und Fischereivertretern statt.

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