Gleich ist Schluss für diese Fußgängerin: Seit mehr als einem Jahr ist die Friedrich-Haindl-Straße gesperrt, sowohl für Autos als auch Fußgänger. Und das dürfte so bleiben. foto: hans-helmut herold

Straße bei UPM dauerhaft gesperrt?

Schongau - Seit über einem Jahr ist die Friedrich-Haindl-Straße, die durchs UPM-Werksgelände Richtung Schloßberg führt, gesperrt. Das könnte ein Dauerzustand werden.

Eine öffentliche Straße mitsamt Gehweg mitten durch ein vielbefahrenes Betriebsgelände dürfte deutschlandweit nicht allzu häufig sein. Vor allem dann nicht, wenn zum Teil ganze Schulklassen auf dem engen Gehweg unterwegs Richtung Schloßberg sind und in minimaler Entfernung 40-Tonner vorbeibrausen. „Da fahren täglich 150 Lkw, es ist einfach gefährlich dort“, sagt Thomas Krauthauf.

Der UPM-Verantwortliche war im Stadtrat zu Gast, um die Situation aus Sicht des Unternehmens zu schildern. Bereits zuvor hatte Stadtbaumeister Ulrich Knecht die komplizierten Besitzverhältnisse skizziert: Demnach ist die Straße seit Jahrzehnten öffentlich gewidmet, also eine ganz normale Straße. Früher gab es unterhalb des Schloßbergs noch mehrere Häuser, die sind mittlerweile von dem erheblich ausgeweiteten Werksgelände geschluckt worden. Der Gehweg dagegen ist laut Knecht zu 100 Prozent auf UPM-Gelände, auch für die Brücke über den Werkskanal trägt UPM die Baulast. Allerdings befinden sich die Fundamente der Brücke auf städtischem Grund.

Weil UPM das neue Kraftwerk gebaut hat, wurde nicht nur der Fußweg am Hang des Schloßbergs aufwändig verlegt, sondern die Durchfahrt der Friedrich-Haindl-Straße für Autofahrer und Fußgänger gesperrt, aus Sicherheitsgründen wegen der Baufahrzeuge. Diese Sperrung sollte eigentlich bereits Ende September enden, wurde dann bis Jahresende verlängert und jetzt noch einmal bis Ende April - was viele Schongauer , die den Weg gerne nutzen, bereits murren ließ.

Und sie dürften wenig begeistert sein, was im Stadtrat zu hören war. Denn die Brücke über den Werkskanal ist so marode, dass sie noch in diesem Jahr erneuert werden muss. Gleichzeitig ist die gesamte Straße, die unter dem vielen Lkw-Verkehr gelitten hat, stark sanierungsbedürftig. Jetzt stellen sich der Stadt folgende Fragen: Soll sie für die Sanierung, für die sie zuständig ist, die insgesamt veranschlagten 1,5 Millionen Euro (eine Million Brücke, 500 000 Straße) bezahlen, obwohl dort fast nur UPM-Verkehr stattfindet? Und das ohne Gehweg, der auf fremden Grund ist „und wegen der Haftungsfrage vermutlich nicht weiter betrieben wird vom Unternehmen“, wie Knecht mutmaßte? UPM wolle wegen der Brückenarbeiten die Straße auf jeden Fall noch länger, bis Ende des Jahres, sperren. „Wir müssen die Zeit nutzen, um eine zufriedenstellende Lösung zu finden“, sagte Knecht.

Krauthauf betonte, man habe bisher jedes Jahr nicht nur den Winterdienst geleistet, sondern auch die Schäden aus der kalten Jahreszeit beseitigt. „Das sind immer rund 20 000 Euro, die eigentlich die Stadt übernehmen müsste und wir überlegen, das nicht mehr zu machen.“ Man habe bereits fünf Varianten untersucht, wie man einen anderen Fußweg zum Schloßberg außerhalb des Werksgeländes anlegen könne, beispielsweise hinter der Bahnlinie. Aber alle seien wegen enormer Kosten oder dem kompliziertem Untergrund gescheitert.

Michael Wölfle vom Stadtbauamt legte diverse Möglichkeiten dar, die Straße unter anderem zu entwidmen oder umzustufen, doch das sei alles nicht so einfach: Das öffentliche Interesse an der Nutzung überwiege. Das sah auch Friedrich Zeller (SPD) so: „Mit einer Sperrung bis zum Jahresende wird sich die Bevölkerung sicher abfinden. Aber ein direkter Weg für Radler und Fußgänger zum Schloßberg muss grundsätzlich erhalten bleiben, mit etwas anderem würde ich mich auf keinen Fall abfinden.“

Michael Eberle (CSU) konnte die Bedenken des Unternehmens nachvollziehen. Radler könnten den Umweg über den Lech machen, das koste nicht so viel Zeit. Vielleicht könne man eine weitere Alternative für Fußgänger prüfen, schlug er vor, und auch Stephan Hild (UWV) plädierte vehement für eine Entflechtung von Straße und Fußweg: „So ist keiner glücklich.“ Und Zeller war sich sicher: „Wenn wir keine Geld für die Straße ausgeben, müssen wir doch stattdessen einen Weg bauen können.“ Weitere Gespräche mit UPM sind bereits geplant.

bo

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Zehn neue Fälle an einem Tag
Die Zahl der an Coronavirus-Erkrankten im Landkreis Weilheim-Schongau steigt weiter, allerdings nur leicht. In diesem News-Ticker finden Sie immer alle aktuellen …
Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Zehn neue Fälle an einem Tag
Nächstes Bürgerbegehren auf dem Weg, doch wann kommt das Phantomgerüst?
Heftig diskutiert wurde bei der Unterschriftenübergabe des Bürgerbegehrens gegen den geplanten Neubau des Marienheims durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Bühlach. Die …
Nächstes Bürgerbegehren auf dem Weg, doch wann kommt das Phantomgerüst?
Kommunale Blitzer: Bernbeuren will Defizit nicht mehr tragen und steigt aus
Die Gemeinde Bernbeuren steigt aus der Kommunalen Verkehrsüberwachung aus. Der Grund: Der Gemeinderat ist nicht mehr gewillt, das jährliche Defizit zu tragen. Den Antrag …
Kommunale Blitzer: Bernbeuren will Defizit nicht mehr tragen und steigt aus
Alle haben einen Platz, aber Corona sorgt für viele offenen Fragen
142 Kinder sind in Schongau für das neue Kindergartenjahr 2020/2021 angemeldet. „Alle Kinder bekommen einen Platz“, meldet Esther Laue, auch einige Reserveplätze hat man …
Alle haben einen Platz, aber Corona sorgt für viele offenen Fragen

Kommentare