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Georg Kölbl vor der gesperrten Zufahrt zu seinem Anwesen.

Am Kleinen Hornberg in Apfeldorf

Straßenstreit: Anlieger verklagt die Gemeinde Apfeldorf

Apfeldorf - Die Gemeinde Apfeldorf liegt mit einem Anlieger am Kleinen Hornberg seit Jahren im Streit um ein Stück Straße, das die Gemeinde für den öffentlichen Verkehr sperren ließ. Knackpunkt ist die Verbindung zur Staatsstraße: Der Landwirt kann sein Anwesen nur noch per Umweg erreichen.

Radler und Spaziergänger freuten sich, als in Apfeldorf entlang der stark ansteigenden Staatsstraße Richtung Rott ein Rad- und Fußweg geschaffen wurde. Und, besonders praktisch: Man erreichte nun unbehelligt vom Autoverkehr den Feldweg über den Kleinen Hornberg, der ins Oberdorf führt. Für die Gemeinde ein Grund, den 140 Meter-Weg Ende 2014 zu asphaltieren und den Zugang zur Staatsstraße für den motorisierten Verkehr zu sperren. Denn schwächere Verkehrsteilnehmer verdienen zweifellos besonderen Schutz. Einerseits.

Andererseits wirkte sich diese Sperrung zur Staatsstraße zu Ungunsten des Landwirts und Unternehmers Georg Kölbl aus, der für den Weg zu seinem Anwesen nun einen Umweg in Kauf nehmen muss. Einmalig mache das bis zu zwei Minuten aus. „Das scheint nicht viel, summiert sich gern pro Tag zu acht Minuten, und das für jedes Familienmitglied“, sagt Kölbl. Zusätzlich käme es nun wegen der parkenden Autos vor dem familieneigenen Gasthaus immer wieder zu Verkehrsproblemen. Der 40-Jährige sieht sich im Recht – und zwar in sehr altem Recht. „Mein Vater hat den Weg gebaut“, sagt er. „Das war bis zur Flurbereinigung unser Privatweg – seit 1865.“ Die Gemeinde habe bis 2014 keinen Cent in diesen Weg investiert – und untersage ihm heute praktisch die Nutzung. Seine Felder könne er zwar noch erreichen, müsse aber wegen der Sperrung bei seiner Ausfahrt mit den schweren Fahrzeugen seines Fuhr- und Baggerbetriebs mehrfach rangieren. Seiner Meinung nach ist das eine größere Gefahr für Fußgänger als ein Traktor, der den Radweg kreuzt.

Auch über die Dringlichkeit der Sperrung ist man sich uneins: Kölbl schätzt die Fußgängerfrequenz auf vier bis zehn pro Tag, Bürgermeister Georg Epple auf 20 bis 25.

Kölbl habe bereits vor der Asphaltierung darauf hingewiesen, dass die Straße mit zwei Metern zu schmal sei. Nach zahlreichen verbalen Auseinandersetzungen versuchte er es auf Anraten eines Gemeinderatsmitglieds mit einem schriftlichen Antrag: „Ich hatte angeboten, die Straße auf meine Kosten breiter zu machen.“ Der Gemeinderat entschied dagegen. An Heiligabend 2014 habe man ihm den Weg endgültig mit Pollern versperrt. Kölbl klagte nun vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht gegen die Sperrung. Inzwischen wäre er zufrieden, wenn er zumindest mit seinen landwirtschaftlichen Fahrzeugen und dem Pkw die Staatsstraße erreichen könne.

Bürgermeister Epple bemerkte in der Gemeinderatssitzung Mitte Dezember: „Da hat Herr Kölbl Recht, dass er einem Umweg fahren muss.“ Aber durch die Sperrung entfalle einfach viel Verkehr, sie bringe mehr Sicherheit. In der Sitzung wurde die Klage Kölbls gar nicht erwähnt, dafür ein kurioser Beschluss gefällt: Dass das etwa zehn Meter lange Verbindungsstück zur Staatsstraße nun vom Feld- und Waldweg zu einem „beschränkt-öffentlichen Weg mit Widmungsbeschränkung“ umgestuft wird. Sprich: zum Fußgänger- und Radweg. Zehn Meter Rad- und Fußweg? Eventuell als Vorsichtsmaßnahme, um der Klage Kölbls die Grundlage zu entziehen?

Und es gibt auch Stimmen im Dorf, die sagen: Der Kölbl nimmt sich alles heraus. Hält sich nicht an Gesetze bei seinen Baugeschichten und meint, dass er immer eine Extrawurst bekommt.

Kölbl sieht sich ungerecht behandelt. Nicht nur als Anlieger. Auch als Bürger Apfeldorfs, der zum Gemeinwohl beigetragen habe: Sein 35 Mann-Betrieb habe Apfeldorf eine Menge Gewerbesteuer beschert. Oder im Vereinswesen: 18 Jahre Dirigent der Blaskapelle, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft, Trachtenverein und Sportverein. Er habe etwa 2500 Euro Baggerleistungen kostenlos beim Bau des Kinderspielplatzes ausgeführt. „Ich will dafür keinen Freibrief. Aber zumindest, dass das gesehen wird.“ Auch Georg Kölbl senior verweist auf sein Engagement: „Ich war 30 Jahre im Gemeinderat, ist das nichts?“ Im Mai 2015 hat Kölbl seinen Firmensitz nach Wessobrunn verlegt, die Familie hat sich aus dem Vereinsleben zurückgezogen. „Die politische Gemeinde Apfeldorf ist für mich gestorben, zumindest unter diesem Bürgermeister.“

Die Fronten sind verhärtet. Epple sagt nur: „Das ist ein laufendes Verfahren, da möchte ich nichts mehr dazu sagen. Das sollen jetzt die Gerichte entscheiden.“

Klaus Mergel

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