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Streit um Walnüsse eskaliert

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Walnüsse als Auslöser für einen heftigen Streit.
Walnüsse als Auslöser für einen heftigen Streit.

Schongau - In Schongau ist ein Streit um Walnüsse eskaliert. Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich ein Hausmeister jetzt vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Das Urteil: Neun Monate Freiheitsstrafe und 1500 Euro Schmerzensgeld.

Opa und Enkel wollten am 8. Oktober des vergangenen Jahres einen schönen Nachmittag zusammen verbringen und Walnüsse ernten. Also fuhren sie mit dem Auto zum Gelände einer Versicherung in Schongau, wo zwei Walnussbäume stehen.

Der Großvater hatte zuvor bei der Versicherung nachgefragt, ob er die Nüsse einsammeln darf und die Erlaubnis dazu erhalten. Das wusste aber der Hausmeister des Gebäudes nicht. Dieser traute seinen Augen nicht, als er gegen 15 Uhr einen Mann unter einem Walnussbaum stehen sah, der mit einem langen Stock Nüsse vom Baum herunterschlug. Eiligen Schrittes ging er zu ihm hin.

So weit ähnelten sich die Schilderungen des Mannes und des Hausmeisters vor dem Weilheimer Amtsgericht, doch dann drifteten sie sehr auseinander. Fest steht, dass der 57-jährige Opa aus Steingaden Prellungen, Schwellungen und Kratzwunden auf dem Rücken und Im Gesicht hatte und der Hausmeister wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung angeklagt wurde, wobei die Staatsanwaltschaft in der Anklage von ausländerfeindlichen Beschimpfungen ausging.

Der Steingadener ist Türke, spricht wenig Deutsch und hatte vor Gericht einen Dolmetscher, der seine Aussage übersetzte. Er habe das Gelände durch das offene Tor betreten und angefangen, Walnüsse aufzusammeln. Kurz darauf habe er einen Mann von hinten schreien gehört, der ihn mit der Faust und später mit dem Holzstock geschlagen habe, den er ihm aus der Hand gerissen habe, dabei habe der Mann „schlechte Worte“ gesagt - welche genau habe er nicht verstanden.

Auch der zehnjährige Enkel des Steingadeners, der sehr gut Deutsch spricht, stützte seine Aussage: „Wir wollten Nüsse sammeln, dann ist ein Mann gekommen und hat dem Opa von hinten eine runtergehauen, dann hat er den Stock genommen und ihm damit auf den Rücken gehauen.“ Als sein Opa den Sack mit den bereits gesammelten Nüssen vom Boden aufheben wollte, habe der Mann seinen Fuß darauf gestellt und gesagt: „Die bleiben hier.“

Dass er die Walnüsse einbehalten habe, räumte auch der 45-jährige Hausmeister ein. Ansonsten widersprach seine Schilderung der Ereignisse den Aussagen des Buben und des Opas völlig: „Ich bin auf die Wiese und habe den Herren angesprochen.“ Dieser habe mit dem Stock nach den Nüssen am Baum geschlagen.

Der Hausmeister habe eine Abwehrbewegung gemacht, gesagt, der Mann solle den Stock weglegen und dass Opa und Enkel das Geländer verlassen sollen, was diese dann auch getan hätten, so die Schilderung des Hausmeisters. Anschließend sei er zur Polizei gefahren und habe von dem Zusammentreffen berichtet. Warum er die Veranlassung zu diesem Schritt sah, konnte der Hausmeister Richter Martin Hausladen nicht so recht erklären.

Die Ehefrau des Angeklagten, die das Geschehen von einem Fenster im Versicherungsgebäude beobachtet hatte und auch als Zeugin aussagte, wollte ebenfalls nichts von Schlägen gesehen haben.

Doch gegen diese Version sprachen schlicht die Fakten: Der Steingadener war nämlich noch am Abend ins Krankenhaus gefahren und hatte sich die Verletzungen am Rücken und im Gesicht behandeln und dokumentieren lassen. Zudem bescheinigte ein Gutachter dem Gericht, dass die Male und Blessuren durchaus zu dem von Opa und Enkel geschilderten Tatablauf passen.

Deshalb verurteilte Richter Martin Hausladen den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung - für die Beleidigungen gab es keine Beweise - zu neun Monaten Freiheitsstrafe, zudem muss er seinem Opfer 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

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