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Wolfgang KircherSprecher der Apothekerim Landkreis.

Suchtprävention

Apotheker als Drogenberater

Schongau - Die Zahl der illegalen synthetischen Suchtstoffe nimmt auch im Landkreis Weilheim-Schongau rasant zu. Apotheker stehen inzwischen nicht nur für Medikamentenwünsche ihrer Kunden, sondern auch als Ansprechpartner und Vertraute in der Drogenprävention zur Verfügung.

„Die klassischen Einstiegsdrogen sind zwar nach wie vor Alkohol und Zigaretten, aber vor allem der Konsum illegaler synthetischer Drogen und der Missbrauch frei erhältlicher Medikamente, wie zum Beispiel Betäubungsmittel oder Hustenblocker, nimmt immer mehr zu“, berichtet Pharmazierat Dr. Wolfgang Kircher, Sprecher der Apotheker im Landkreis Weilheim-Schongau. Bei den sogenannten „Legal highs“ werde die chemische Struktur bekannter Betäubungsmittel so verändert, dass diese nicht mehr dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen.

Der Konsum dieser harmlos klingenden Drogen wie Spice, Badesalz und Krokodil könnten laut Kircher aber zu Kreislaufversagen, Wahnvorstellungen und Ohnmacht führen. Das sei vor allem für Jugendliche extrem gefährlich. Besonders in der Pubertät befinde sich das Gehirn in einer extrem empfindlichen Umbauphase, so dass die Wirkung wesentlich stärker und nachhaltiger ausfalle als bei Erwachsenen. „Je früher der Konsum beginnt, um so höher ist das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln“, sagt Kircher.

Die Hauptaufgabe der Apotheker sieht Kircher aber in der Aufklärung und Beratung in Bezug auf den Medikamentenmissbrauch. „Die legalen Medikamente sind für jeden erhältlich, aber erst die falsche Dosierung oder die Verwendung zum Beispiel mit Alkohol lassen die Medikamente zu legalen Drogen werden“, warnt Kircher.

„Es gibt sogar Anleitungen im Internet, wie hoch und mit welcher Kombination die Medikamente eine drogenähnliche Wirkung entfalten“, erzählt der Apotheken-Sprecher. Selbst harmlose Medikamente, wie zum Beispiel homöopathische Mittel gegen Prüfungsangst, sollten nur mit Bedacht verwendet werden.

Die Verknüpfung im Kopf mit Belastungs- oder kritischen Situation-Medikamenten könne irgendwann auch im Missbrauch von Medikamenten enden, warnt Kircher. Hier spielen auch die Eltern der Jugendlichen eine große Rolle, die z.B. bei Prüfungsstress der Kinder weniger auf Medikamente zurückgreifen sollten.

Die Apotheker im Landkreis Weilheim-Schongau sollen nun verstärkt als Vertraute, Ansprechpartner und Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige zur Verfügung stehen und auch unmittelbar vor Ort an Schulen zur Suchtprävention beitragen.

Laut Kircher treten viele Patienten nicht nur mit ihren Medikamentenwünschen an den Apotheker ihres Vertrauens heran, sondern auch mit den persönlichen Sorgen und Nöten. „Wir Apotheker können ganz entscheidend dazu beitragen, die Suchterkrankungen Einzelner zu erkennen und zu bekämpfen“, betont Kircher. So könnten die Apotheker in persönlichen Gesprächen auf Ärzte und Anlauf- und Beratungsstellen verweisen und die Betroffenen bei konkretem Verdacht auch direkt ansprechen.

Um auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand beraten zu können, haben viele Apotheker deshalb im ersten Halbjahr an speziellen Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Drogenprävention der Bayerischen Landesapothekerkammer teilgenommen. So können sie sich nun auch direkt an die Jugendlichen wenden und an Schulen oder in den Apotheken mit speziell zur Verfügung gestellten Vorträgen des Wissenschaftlichen Instituts für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) zur Drogenaufklärung und Prävention beitragen.

Derzeit gibt es noch keinen Apotheker in der näheren Umgebung, der einen solchen Vortrag bereits gestaltet hat. „Hier müssten die Schulen aktiv werden und sich bei Interesse an die Apotheker in der Umgebung wenden“, fordert Kircher.

Simona Kelz

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