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Viele Zuschauer beim Vorspiel im Dachgeschoss der Musikschule Pfaffenwinkel in Schongau. 

Tag der offenen Tür in der Musikschule

Keine Angst vor großen Instrumenten

Wie hält man eine Harfe? Wie bekommt man einen Ton aus der Posaune? Und warum muss man bei der Klarinette auf das Mundstück beißen? Antworten auf diese und tausend andere Fragen rund um die Musikschule Schongau bekamen die Interessierten beim Tag der offenen Tür.

Schongau – Die Besucher waren in Scharen gekommen und nutzten die Gelegenheit, Instrumente auszuprobieren, die ihnen von den jeweiligen Lehren mit Geduld und großem Engagement erklärt wurden. So auch beispielsweise die sechsjährige Melissa aus Altenstadt, die mit Mama Victoria und ihrem dreijährigen Bruder Nikita gekommen war.

Voller Vorfreude schnappte sich Melissa gleich im Eingangsbereich einen vorbereiteten Quiz-Zettel, der gleichzeitig als Wegweiser zu den einzelnen Unterrichtsräumen diente. Geduldig probierte Melissa zunächst Xylophon und Blockflöte. Ihr eigentliches Interesse aber galt der Gitarre. Diese auszuprobieren, darauf freute sie sich ganz besonders. Aber auch dort hieß es, ein wenig zu warten. Der vierjährige Tobias aus Steingaden entlockte gerade den Saiten die ersten Töne und sang begeistert mit Gitarrenlehrerin Inge Zeller das Lied vom „Bruder Jakob“ – sein ganzes Sehnen aber gilt eigentlich der Trompete.

Kräftige Töne aus Kindesmund

Mit glänzenden Augen nahm Melissa dann ihr Trauminstrument entgegen. Weil das gut klappte, war das Mädchen nun voll motiviert, auch die anderen Instrumente auszuprobieren. Und siehe da, dem Tenorhorn, der Querflöte und der Klarinette entsprangen nach detaillierter Erklärung der Lehrer teils kräftige Töne.

Die sechsjährige Melissa probiert das Tenorhorn aus – mit Erfolg.

Manuel Wolf, der Klarinette und Saxophon unterrichtet, ist vom Erfolg des „Tag der offenen Tür“, der heuer zum zweiten Mal stattfand, überzeugt. „Allein bei mir waren es bestimmt fünf neue Schüler, die aufgrund der Aktion im vergangenen Jahr gekommen sind“, sagt er sichtlich erfreut.

Wie viele Schüler sich insgesamt hatten motivieren lassen, darüber führt die Musikschule zwar keine Listen, „aber der Erfolg der Aktion ist durchaus spürbar“, so Schulleiter Karl Höldrich. So konnten die Unterrichts-Belegungszahlen mit derzeit 898 im Vergleich zum Vorjahr mit 894 konstant gehalten werden. Dabei sind auch Schüler, die mehrere Instrumente lernen.

Doch nicht nur die Kinder nutzen am „Tag der offenen Tür“ den Zugang zu den Instrumenten, auch eine 55-jährige Frau aus Bad Bayersoien legt ihre Hände auf die Ventile einer Klarinette. Sie habe es in der Kindheit leider versäumt, ein Instrument zu lernen, erklärte sie und stellte lachend fest, dass ihr Finger vielleicht doch besser zu den Ventilen des Saxophons passen könnten.

Publikum spendete reichlich Applaus

Inzwischen hatte sich Melissa mit ihrer Familie ins Dachgeschoss der Musikschule gesetzt und lauschte gespannt den Darbietungen von Blechbläsern, Geigern und Flötisten. Die Schüler Lena und Elias aus Schongau, die mit ihren Fertigkeiten an der Klarinette bereits das Bronzeabzeichen bekamen, waren bereits in der Grundschule in der Bläserklasse gewesen und ernteten reichlich Applaus des begeisterten Publikums.

Nun haben Eltern und Kinder Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten. Während sich Melissa sicher ist, „Alles“ lernen zu wollen, ist ein Junge, der mit Vater und Schwester im Sekretariat bei der immer gut gelaunten Gabi Atzler stand, zu dem trockenen Schluss gekommen: „I mog gor nix“.

Damit auch er nicht mit leeren Händen und Herzen aus der Musikschule gehen musste, gab es für ihn ein Gummibärchen aus dem Fundus der Sekretärin, das ihm dann doch noch ein kleines Lächeln ins Gesicht zauberte.

Myrjam C. Trunk

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