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Die ausgebildete Pilgerbegleiterin Gabriele Hoss-Reinhard ist auch viel privat unterwegs wie hier am Lech.

Tagestouren auf der Westschleife „Wilde Flüsse“

Pilgern entschleunigt

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Schongau - Pilgern statt Wandern bietet der Tourismusverband Pfaffenwinkel an. Während in der Westschleife die Mehrtagestouren gut gebucht sind, fehlte bisher das Interesse am eintägigen Pilgern. Gabriele Hoss-Reinhard wünscht sich, dass nun die nächsten Termine stattfinden können.

Seit diesem Jahr bieten drei selbstständige Pilgerbegleiterinnen im Landkreis Touren mit unterschiedlichen Etappen auf den bereits 2015 eröffneten Pilgerwegen „Heilige Landschaft Pfaffenwinkel“ an. Irmgard Deml hat die Nordschleife übernommen, Christine Effenberger die Ostschleife und die Westschleife im Schongauer Land die Weilheimerin Gabriele Hoss-Reinhard. „Wilde Flüsse“ heißt diese Pilgerrunde vom Hohen Peißenberg aus durch die Ammerschlucht nach Rottenbuch, über Wildsteig und Steingaden am Lech entlang bis auf den Auerberg. Weiter geht es über Altenstadt nach Schongau und zurück auf den Hohen Peißenberg.

Ein Pilgertag ist kein Wandertag

Bis auf den Auerberg ist die Pilgerbegleiterin mit den Teilnehmern ihrer ersten Mehrtagestour schon gekommen, im Herbst folgt Teil zwei. Die ersten drei Einzel-Tagesetappen hingegen mussten mangels Anmeldung entfallen. 35 Euro seien den Teilnehmern zu viel, hat die Pilgerbegleiterin in Gesprächen erfahren.

Hoss-Reinhard ist nicht nur für den Tourismusverband Pfaffenwinkel unterwegs, sondern auch regelmäßig beim Kneipp-Verein Weilheim-Pfaffenwinkel oder dem Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen. Aber so günstig, wie eine ehrenamtlich geführte Tour, können die geprüften Pilgerbegleiterinnen es nicht anbieten. Ein Pilgertag will auch gestaltet sein, schließlich soll es ja kein Wandertag bleiben.

Wandern oder Pilgern – worin liegt der Unterschied? Hoss-Reinhard gibt Impulse zum Nachdenken, es wird gesungen, getanzt, aber es gibt auch Schweigeeinheiten, persönlichen Austausch und Zeit für ein aufmerksames Studium der Umgebung. Dabei findet auch das Kulturelle seinen Platz. „Ich versuche immer, eine gute Mischung zu finden zwischen dem Gehen und Spüren, aber auch dem Wertschätzen und Finden.“

Und muss man religiös sein, um pilgern zu können? Hoss-Reinhard lacht: „Das hat nichts mit Bigotterie zu tun.“ Allerdings glaube sie sehr wohl an die Schöpfung, wobei es völlig gleich sei, welchen Namen der Schöpfer trage. Insgesamt ist es eine Zeit des Innehaltens, eine Zeit, zu sich selbst zu finden.

Eigentlich hatte Hoss-Reinhard das Pilgern schon immer im Blut

Geboren ist die heute 57-Jährige in Kevelaer am Niederrhein, mit dem bayerischen Altötting der größte Wallfahrtsort Deutschlands. Aufgewachsen ist sie in der Basilikastraße – „näher geht es nicht, obwohl ich als Jugendliche auch mal geflucht habe über das ständige „Oh Maria hilf“ morgens um sechs Uhr“. Dennoch kam sie erst über das Radfahren zum Gehen und dann Pilgern: Mit 18 Jahren hatte sie ihr erstes Auto bekommen, das aber einstaubte – sie fuhr nur mit dem Fahrrad in den Urlaub, in einer Zeit, in der das noch keiner tat. Durch Frankreich die Loire entlang, quer durch Deutschland bis zum Fernpass.

1995 dann ihr Schlüsselerlebnis. Auf einer Radtour hatte sie einen Löwenzahn in der Astgabel eines großen Baumes wahrgenommen. Und gemerkt: „Ich bin zu schnell.“ Sie stieg vom Rad. Aber auch Gehen war nicht langsam genug. Vor zehn Jahren startete Gabriele Hoss-Reinhard offiziell mit dem Pilgern – von München bis Santiago de Compostela durch die Schweiz, Frankreich und die Pyrenäen. Angekommen ist sie in Léon, es fehlen noch acht Tagesetappen, die sie im September absolvieren möchte. Die Sonderschullehrerin im Vorruhestand wird von ihrem Mann, Hans-Joachim Reinhard, begleitet, der nicht mitpilgert, die Etappen aber mit dem Wohnmobil abfährt.

Ob Regen oder Sonnenschein: Zwei Pilgerinnen aus der Gruppe der Weilheimerin.

Dann stolperte sie über die Ausbildung zur Pilgerbegleiterin. „Es deckte sich genau mit dem, wie ich mir Pilgern vorgestellt habe“. Wobei viele Dinge während des Tages auch ganz spontan kommen. Wichtig sei ihr, dass die Pilger mit etwas nach Hause mitnehmen, sei es einer Erfahrung oder einem neuen Gedanken. Hoss-Reinhard: „Pilgern entschleunigt. Ich möchte den Leuten beibringen, dass es noch etwas anderes gibt als im Hamsterrad zu rennen.“

Weitere Touren:

Die nächste Tagestour auf der Westschleife vom Auerberg nach Burggen ist für Mittwoch, 13. Juli, geplant. Weitere Etappen: Donnerstag, 27. Oktober, Dienstag, 8. November. Die Mehrtagestour vom Auerberg zum Hohenpeißenberg ist vom 14. bis 16. Oktober geplant. Anmeldung: 0881/61446.

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