Teuerstes Stutfohlen geht an Metzger - aber nicht zum Schlachten

Rottenbuch - Noch mehr Besucher als im Vorjahr und ein erstaunlich hoher Durchschnittspreis: Das Interesse an Deutschlands größtem Kaltblutfohlenmarkt in Rottenbuch lässt nicht nach.

„Meine Stuten spüren das schon in der früh, dass es heute wieder nach Rottenbuch geht. Sie sind aufgeregt und fressen weniger“, sagt Klement Weingand aus Eschenlohe. Dabei sei die Trennung zwischen Fohlen und Mutter aus Sicht der Stute gar kein trauriger Abschied, vielmehr eine Erlösung. „Umanandatreibn, Zwicken, Naufhupfn, wie junge Burschen halt so sind“, zählt Weingand die Schikaniermethoden seiner zwei Nachwuchshengste auf. Nach fünf Monaten ist es also an der Zeit, die Aufzucht zu einem angemessen Preis an einen Interessenten abzugeben.

Dieser Kreislauf des Züchtens und Verkaufens wird auch vom Pferdeverbandsvorsitzenden Florian Schelle als unerlässlich bezeichnet. „Man muss zur Erhaltung der Rasse Platz für die weitere Nachzucht schaffen.“ Schelle ist seit 1995 auf Deutschlands größtem Kaltblutfohlenmarkt eine feste Größe. Bislang immer als Jurymitglied inmitten des Vorführrings stehend, übernahm er am gestrigen Freitag die „Oberaufsicht“, hielt sich aus der direkten Bewertung der Fohlen - nach Gangart in Schritt und Trab sowie der Statur - zurück.

Dafür war sein Ton bei der Begrüßungsrede vor rund 6000 Besuchern zwischen Auftrieb und Versteigerung umso schärfer. Schelle richtete einen deutlichen Appell in Richtung Tierschützer. „Die sollen bei der Wahrheit bleiben. Gerüchte über Subventionen, dass Fohlen an den Metzger verkauft werden, das alles ist ein absoluter Schmarrn.“ Nicht die Tierschützer würden für die Erhaltung der Rasse sorgen, sondern die Bauern, die „mit viel Herzblut dabei sind und noch immer sehr großen Wert auf die bayerische Tradition und Kultur legen“. Aus Geldgier mache das keiner. Und so jemand gebe sein Fohlen auch nicht zum Schlachten.

Dass das nicht an den Haaren herbeigezogen ist, unterstreichen allein schon die diesjährigen Verkaufszahlen der insgesamt 72 verkauften Fohlen - der Metzger steigt laut Schelle nämlich bei 600 Euro aufwärts aus. Der Durchschnittspreis bei den Stutfohlen erreichte mit 1273 Euro einen neuen Rekord. „Das ist hammermäßig hoch“, schwärmt Simone Bermuth vom Pferdezuchtverband Oberbayern über den neuen Bestwert. Die männlichen Vierbeiner erzielten dagegen einen „normalen“ Durchschnittspreis von 988 Euro.

Verglichen mit dem Vorjahr sind die Preisspannen eklatant. Der Stut-Höchstpreis 2013 lag bei 1860 Euro. Diesmal sind es satte 2950 Euro - zugleich der Tageshöchstpreis. Und die gehen nach Dießen am Ammersee. Josef Steinle heißt der glückliche Züchter, der mit seinem „Dunkelfuchs helles Langhaar“ bei der Aufzucht und der Wahl des Deckhengstes ein gutes Händchen bewiesen hat. Der Bestpreis unter den Hengstfohlen liegt wiederum bei 2300 Euro - ganze 3000 Euro weniger als im Vorjahr. In der Breite sind die hohen Preise aber, wie bereits erwähnt, nicht zu toppen. „30 Fohlen über 1000 Euro, neun ab 2000 und mehr“, setzt Bermuth ihre Statistik fort. Darüber staunt auch Schelle: „Unglaubliche Preise.“

Doch wer sind überhaupt die Käufer und wohin gehen die Fohlen? Schließlich erfährt man als Außenstehender von den zumeist sehr zurückhaltenden Kaufinteressenten - abgesehen von dem kurzen Handheben während der Auktion mit Michael Walser - herzlich wenig. „Hengstfohlen werden häufig von Besitzern einer Hengstaufzucht gekauft, viele gehen aber auch in Richtung Bayerischer Wald.“ Dort würden die Rosserer noch mehr Wert auf einen kräftigen Hengst legen, um sich bei den großen Festumzügen gescheit zu präsentieren. Im Oberland seien dagegen die handsameren Stuten beliebter. An den Metzger gehen laut Schelle aber so gut wie gar keine Fohlen mehr.

Wobei: Ausgerechnet das teuerste Stutfohlen geht heuer doch an einen Metzger. Aber nicht zum Schlachten. „Zum Pichlmeier nach Waldkraiburg“, freut sich Schelle, denn Pichlmeier gilt beim Verband als angesehener Züchter, der scheinbar gerade wegen seiner Metzgerei GmbH das nötige Kleingeld für die mit besten Kaltblutfohlen übrig hat.

Über hohe Preise für ein gutes Fohlen kann eine Dame aus Norddeutschland nur schmunzeln. „Sie hat das Losfohlen (Lospreis: 1 Euro) gewonnen“, sagt Bermuth. Traditionell ersteigert der Pferdezuchtverband ein Fohlen selbst. Diesmal schlug Schelle selbst bei einem Fuchsfohlen (helles Langhaar) für 820 Euro zu.

js

Auch interessant

Kommentare