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Vorweihnachtliche Stimmung in der Wieskirche: Helmut Schmidbauer (re.) liest Ludwig Thomas Heilige Nacht und wird dabei von den Altenstadter Sängern und dem Oberammergauer Holzbläser-Trio eindrucksvoll unterstützt.

Heilige Nacht in der Wies

Ein vorweihnachtliches Geschenk

Wies  Zum Abschluss des Jubiläumsjahres zum 250. Todestag von Wies-Baumeister Dominikus Zimmermann ist jetzt die mittlerweile 100 Jahre alte Weihnachtslegende „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma vorgetragen worden. Gesprochen von Wies-Kurator Helmut Schmidbauer, musikalisch begleitet von den Altenstadter Sängern und dem Oberammergauer Holzbläser-Trio.

„Diese zu Herzen gehende Weihnachtslegende ist ein vorweihnachtliches Geschenk, das uns Helmut Schmidbauer in der Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland zu Gehör bringen wird“, sagte Wiespfarrer Monsignore Gottfried Fellner in seiner Begrüßung. Ludwig Thoma habe das Werk im Jahr 1915 begonnen und 1916 vollendet.

Es war damals keine friedliche Zeit, so Fellner, kein friedliches Weihnachten. Millionen von gefallenen und verletzten Soldaten, kaum eine Familie im Oberland und im Allgäu, in der nicht der Tod furchtbare Ernte gehalten hätte, wo nicht der Vater, Bruder, Onkel oder der Sohn zu betrauern gewesen wären.

Nach der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas schildert Thoma, damals 53 Jahre alt, im Lenggrieser Dialekt Marias und Josephs Weg von Nazareth nach Bethlehem, deren Herbergssuche und die Geburt Christi.

Die Sprache ist echt, jede Silbe und jeder Ausdruck atmen Heimat, sie enthalten nichts Gewolltes, nichts gewaltsam Bayerisches. „Keine Empfindelei, wie sie so manche künstliche Weihnachtsgeschichte im Landhausstil ungenießbar machen“, sagte Helmut Schmidbauer in seiner Einführung.

Thoma spare auch nichts Wesentliches aus, nicht die Herzenshärte der Verwandten, nicht die Kälte und die Trostlosigkeit im Kontrast zur liebevollen Herzlichkeit der heiligen Familie. Die einfachen Leute begreifen das Wunder der heiligen Stunde.

Die Heilige Nacht wird von Schmidbauer in sechs Hauptstücken erzählt: Joseph und Maria aus Nazareth erhalten die Aufforderung, aufs Finanzamt nach Bethlehem zu kommen, der beschwerliche Marsch nach Bethlehem, die vergebliche Herbergsuche, die abweisende Verwandtschaft und das Unterkommen im Stall des Simmerls, die Heilige Nacht mit den helfenden Handwerksburschen und die Botschaft der Engel und schließlich die Hirten beim Kind im Stall.

Die Stimmung im Stall wird durch das Gesprochene des Wies-Kurators spürbar: „So nackt und so arm hamm s’n g ‚seh’n, im Barr’n war an aufg’häufelts Stroh, und s’Kind is ganz ruhig drauf g’leg’n. Es woant net und schaugt grad a so.“ „Und geht’s ös in d’Mettn, ös Leut, na roat’s enk de G’schicht a wenig z’samm! Und fragt’s enk, ob dös nix bedeut, daß’s Christkind bloß Arme g’sehg’n hamm.“

Genau das ist der Punkt. Die Lesung der Thoma-Dichtung verlangt zwinkernd eine werk-, wort- und silbengenaue Interpretation. Der in Mainburg in Niederbayern geborene Schmidbauer hat mit seiner Lesung diese Akzente gesetzt. Man hätte in der vollbesetzten Wieskirche die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Spannender hätte auch kein Tatort erzählt werden können.

Helmut Schmidbauer und die Gesangs- und Musikgruppen wurden dafür von den Besuchern in der sehr kühlen Wieskirche mit reichlich wärmendem Applaus belohnt. Aber erst, nachdem das Geläut der Kirchenglocken verklungen war. Darum hatte Schmidbauer eingangs der Lesung gebeten.

Walter Kindlann

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