„Tiere haben mehr Raum als Asylbewerber“

Bernbeuren - Fünf Männer in einer 12,5-Quadratmeter großen Dachkammer: „Die Situation in der Asylbewerberunterkunft auf dem Auerberg ist nach wie vor unerträglich.“

Schwere Vorwürfe in Sachen Asylbewerber-Unterbringung erheben Monika Holzamer und Peter Ernst. Bürgermeister Martin Hinterbrandner werfen sie vor, die Notsituation, die durchaus eskalieren könne, völlig zu ignorieren.

14 Männer aus Nigeria, teilweise erst 18 oder 19 Jahre alt, sind derzeit im ehemaligen Jugendheim am Auerberg einquartiert. Der letzte Ankömmling habe zunächst nicht einmal ein Bett gehabt, sondern auf dem Sofa schlafen müssen. Seit Anfang Juni stehen in besagter Dachkammer nun fünf Betten - eines davon direkt unter dem einzigen Fenster, einem Dachfenster. Ein Lüften des Raumes sei unmöglich, da durch das Fenster, auch bei schönem Wetter, Tau- und Kodenswasser eindringe.

Monika Holzamer vom ehemaligen Helferkreis Asyl hatte bereits Anfang vergangener Woche auf die Notsituation am Auerberg aufmerksam gemacht, sich an das Landratsamt gewandt, darüberhinaus sowohl Landrätin Andrea Jochner-Weiß persönlich als auch Helmut Estermann als Sachgebietsleiter der Ausländerbehörde, die zuständige Caritas-Asylsozialberaterin Alexandra Fink sowie Bürgermeister Martin Hinterbrandner informiert - ohne Erfolg. Dass sie keine einzige Rückmeldung bekommen habe, sei beschämend und eine Schikane, so ihr Vorwurf in der Bürgersprechstunde des Gemeinderats. Holzamer zog nun Konsequenzen: „Meine Entscheidung ist gefallen, ich werde aufhören mit dem ehrenamtlichen Engagement.“

Peter Ernst arbeitet weiter, machte aber eindringlich darauf aufmerksam, dass „es pressiert“. Es liege eine akute Notsituation vor, die auch eskalieren könne. „Im Tierheim wird den Tieren mehr Raum zugebilligt.“ Jüngst hätten die Asylbewerber sogar den Deutschunterricht abgesagt, weil sie so aufgebracht gewesen seien. Wobei dies ein Thema für sich sei: „Deutschunterricht am Auerberg ist absurd; dort sind nur noch Kühe, die auch kein Deutsch sprechen“, wies Ernst nicht zum ersten Mal auf die Isolation der Asylbewerber hin.

Angesichts der bereits fortgeschrittenen Stunde des Sitzungsabends unterbrach Bürgermeister Martin Hinterbrandner die Ausführungen der Bürger mit einem schlichten: „Wir sind nicht zuständig - das ist leider so.“ Wie er schon mehrfach betont habe, gebe es einfach keine guten Unterkünfte, ob nun 100 Asylbewerber in der Ammermühle oder 14 auf dem Auerberg - das mache für die Betroffenen die Situation nicht leichter. Hinterbrandner wiederholte erneut, wie schlecht die Asylbewerberpolitik sei. Jedoch müsse man den Hebel dort ansetzen, wo es auch Sinn mache: „Ändern kann man daran nur etwas in München oder Berlin, aber nicht in den Helferkreisen.“ Im Gegenteil: Manche Helfer stoße man sogar damit vor den Kopf. „In Bernbeuren wird geholfen, so gut man kann.“

Den Antrag von Peter Ernst, nicht alles in die Nichtzuständigkeit zu schieben, sondern im Landratsamt auf eine Änderung zu dringen und das Thema für die nächste Gemeinderatssitzung auf die Tagesordnung zu nehmen, lehnte Hinterbrandner dann ab. „Es macht es nicht besser, das madig zu reden, was madig ist.“

Elke Robert

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