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Hurra, ein Anfang ist gemacht: Die Initiatoren der Tiermosaik-Rettung aus der Staufer-Grundschule mit Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl vor dem Rathaus.

Spendensammlung beschlossen

Tiermosaik-Rettung: Stadt Schongau zahlt 40 000 Euro

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Schongau - Großer Erfolg für die Unterstützer der Tiermosaike an der Staufer-Grundschule: Der Stadtrat hat umgeschwenkt und 40 000 Euro zur Verfügung gestellt, um zumindest einige der Kunstwerke von Cobi Reiser im Original zu retten. Gleichzeitig soll eine Spendenaktion anlaufen.

„So, jetzt wird’s aber Zeit für euch, ins Bett zu gehen“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) zu den Drittklässlern, die auf den Besucherstühlen aufmerksam und mucksmäuschenstill zugehört hatten. Kurz nach 20.30 Uhr war es zu diesem Zeitpunkt, hinter Stadträten und Besuchern lagen mehr als eineinhalb Stunden ausführlichster Diskussion zu einem Thema, das eigentlich gar nicht so wichtig sei, wie Sluyterman bekannt, „aber einem derzeit überall begegnet“. Es gab Petitionen, Kabarettist Helmut Schleich hat sich eingeschaltet – die Schüler haben mit ihrer Rettungsaktion der Kunstwerke, die zusammen mit der Grundschule abgerissen werden sollen, für viel Wirbel gesorgt. Nur deshalb ist das Thema noch einmal im Stadtrat gelandet.

Eigentlich sollten die Originale zerstört werden

Denn der Bauausschuss hatte vor eineinhalb Monaten bereits einstimmig beschlossen, die „mosaikartigen Bilder“, wie Sluyterman sie nannte, oder auch „Pseudo-Mosaike“, wie Bauamts-Mitarbeiter Sebastian Dietrich sie bezeichnete, nicht zu retten. Sie sollten dokumentiert und in ein neues Medium übertragen werden, wie immer das auch aussehen mag. „Aber die originalen Kunstwerke wären zerstört worden, es ging nicht um den Erhalt“, machte Sluyterman deutlich – das hatten im Bauausschuss einige offenbar anders verstanden.

Eines der Tiermosaike, das direkt auf die Wand aufgemalt ist.

Durch die vielen Petitionen und neue Erkenntnisse zum kunsthistorischen Wert der Bilder, die Cobi Reiser 1953 direkt auf den Wandputz gemalt hat, wurde das Thema noch einmal umfassend aufgerollt. Dietrich hatte tatsächlich eine vergleichbare Maßnahme nahe Hamburg gefunden, wo ein auf Wand gemaltes Kunstwerk kompliziert ausgesägt, gesichert und an einem neuen Standort wieder aufgehängt worden war. „Das hat 56 000 Euro gekostet“, so Dietrich. Auf Schongau übertragen, würde die Maßnahme für die acht Tierbilder knapp 70 000 Euro kosten, die beiden Außenbilder am Pavillon-Giebel sowie an der Turnhalle noch mal je 50 000 Euro.

Ex-Stadtrat und Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer spannte danach einen weiten Bogen in die Geschichte zum Thema Kunst am Bau, „das zu einem Gebäude dazugehört wie der Dachdecker“. Von einer Umnutzung in ein anderes Medium hält er nichts, „wir müssen nach Wegen der Rettung suchen“. Cobi Reisers Stil sei unverwechselbar, so etwas würde Schongau nie wieder bekommen. „Kunst kann man auch verpflanzen“, betonte Schmidbauer und stellte sich damit gegen Dietrich, der gesagt hatte, Kunst am Bau mache nur Sinn, wenn auch das Gebäude erhalten sei. Schmidbauer hatte auch mit Fachfirmen gesprochen, die alle Tiermosaike sowie die großen Außenbilder für 49 000 Euro retten und sichern könnten. „Jetzt sind die Bürger aufgerufen, ich appelliere an das goldene Herz der Schongauer“, sagte Schmidbauer. Mit Spenden müsse eine große Summe zusammenkommen. „Aber dafür muss klar sein, dass der Stadtrat beschließt, die Originale zu erhalten. Dann fange ich morgen zum Geldsammeln an.“

Je nach Spendensumme können mehr Bilder erhalten werden

Die Spenden-Idee griff auch Martin Schwarz (SPD) auf: Er schlug vor, 35 000 Euro bereitzustellen. „Damit kann man vier Bilder retten. Wenn durch Spenden 1000 Euro reinkommen, bleibt es dabei, wenn es viel mehr wird, kann man vielleicht alles erhalten.“ Kabarettist Helmut Schleich hatte bei seinem Schongau-Besuch bereits ein Benefizkonzert zur Rettung angekündigt, laut Sluyterman könnte auch die Schongauer Bürgerstiftung 2000 Euro beisteuern, wenn anderweitig 20 000 Euro Spenden zusammengekommen sind.

Nachdem Michael Eberle (CSU) und Stadtbaumeister Ulrich Knecht die eher günstige Schmidbauer-Variante entzaubert hatten, weil sie nur bis zur Einlagerung reiche und nicht bis zum erneuten Aufhängen, und auch Friedrich Zellers Vorschlag, nach der Rettung die Mosaike vielleicht in ein anderes Gebäude zu integrieren, verworfen wurde, nahm die Idee Zuschuss plus Spende Fahrt auf. Dann wäre auch noch Geld übrig für moderne Kunst – insgesamt will die Stadt für Kunst am Bau 0,5 Prozent der Bausumme, also 100 000 Euro, ausgeben. Letztlich wurde mit 18:4 Stimmen beschlossen, 40 000 Euro zur Rettung beizusteuern

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