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Eigentlich sollten Gastgeber mehr online vermieten.

Tourismusverband Pfaffenwinkel

Internet: Gastgeber hinken hinterher

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Weilheim-Schongau - Damit der Pfaffenwinkel touristisch nicht hinter anderen Ferienregionen in Bayern hinterherhinkt, müssen die Anbieter im Gastgewerbe unbedingt aufholen in Sachen Internet-Angebot. Fakt ist: Von insgesamt 500 Hotels und Ferienwohnungen im Pfaffenwinkel sind kaum Unterkünfte online buchbar. Das soll sich ändern, zumindest wenn es nach den Verantwortlichen des Tourismusverbandes geht.

Die Zeit, in denen Urlauber in Prospekten geblättert haben, ist längst vorbei. Wer als Gastgeber Urlaubsgäste ins eigene Hotel oder die Ferienwohnung locken möchte, der muss im Internet zu finden – und auch online buchbar sein. Das Kernthema bei den Versammlungen für Gastgeber, die der Tourismusverband Pfaffenwinkel in dieser Woche in verschiedenen Orten im Landkreis angeboten hat.

Manfred Campehl, Geschäftsführer der Intobis GmbH und in Sachen Computer-Belegungssystem schon lange Partner des Tourismusverbandes, hat dies eindrücklich in Zahlen festgehalten. Neun von zehn Buchungen finden heute nicht mehr am Telefon oder persönlich an der Haustür statt, sondern erfolgen per Internet.

„Wir müssen da neue Wege gehen“, verdeutlicht Andreas Schmid, stellvertretender Geschäftsführer des Tourismusverbandes Pfaffenwinkel. Damit der Urlauber-Zug nicht am Pfaffenwinkel vorbeifährt, in andere Regionen, die das Online-Angebot längst viel aktiver ausschöpfen, als das bei den Gastgebern im Pfaffenwinkel ist. Denn, so sieht die Realität aus: Bei einer spontanen Umfrage auf den Veranstaltungen, hoben – befragt nach einer Online-Buchbarkeit– nur wenige Gastgeber die Hand. In Peiting drei von 50. In Steingaden zwei. In Seeshaupt kein Einziger.

Hat das Internet auch Vorteile?

Welche Vorteile bietet es, wenn ich mich als Gastgeber online buchbar mache? Campehl führte vier Punkte ins Feld, die überzeugen sollten: Die Gastgeber sollen von einer höheren Auslastung profitieren, besser im Internet auffindbar sein, eine größere Reichweite erzielen und schließlich auch mehr Umsatz machen.

Verbunden ist das mit Provisionen, die dabei fällig werden. Lediglich bei einer Direkt-Buchung über die eigene Ferienwohnung- oder Hotel-Homepage fallen dabei keine Kosten an. Die Gastgeber, die künftig direkt über die Seiten des Tourismus-Verbandes Pfaffenwinkel gebucht werden möchten, zahlen fünf Prozent Provision an den Verband. „Damit decken wir nur die Unkosten ab“, betonte Geschäftsführerin Susanne Lengger, dass sich der Verband keinesfalls bereichern wolle. Aber Technik hat eben auch ihren Preis.

Zu spüren bekommen das die Vermieter vor allem, wenn der Gast über Reise-Vermittler wie „booking“, „Urlaub auf dem Bauernhof“, „HRS“ oder „Expedia“ bucht. Satte zwölf Prozent des Umsatzes schiebt der Vermittler in diesem Fall selbst ein, nur 88 Prozent des Umsatzes bleiben beim Vermieter.

Hinzu kommen, wenn auch minimale Kosten, um die eigenen Angebote untereinander zu vernetzen. Denn: Wer auf vielen Seiten seine Unterkunft anbietet und direkt buchbar ist, muss Doppel-Buchungen vermeiden, die teuer zu stehen kommen. Die jeweiligen Buchungs- und Belegungskalender aller Seiten müssen untereinander vernetzt werden. Hierfür gibt es mehrere Anbieter.

Damit der Internet-Dschungel für die 500 Hoteliers und Ferienwohnung-Besitzer im Landkreis durchsichtiger wird, hat der Tourismusverband Pfaffenwinkel drei Modelle für Gastgeber ausgearbeitet: Eine komplett abgespeckte ohne Online-Belegungskalender, eine erweiterte und eine Luxus-Version, die online auf diversen Portalen buchbar macht, allerdings auch kostet.

Eine Buchung kann man nicht ablehnen

Bei den Vorträgen an diesem Abend schauten die Referenten mitunter in große Augen. Viele Vermieter sind bereits älter und in Sachen Internet nicht mehr auf dem Laufenden. Hinzu kommt die Sorge, die eine Dame öffentlich äußerte: „Was ist, wenn ich jemanden nicht nehmen will?“ Wer sich online buchbar macht, kann keine Buchung ablehnen.

Fazit: Jeder Gastgeber sollte in sich gehen, ob er vermietet, um das Maximum an Einnahmen zu erzielen – dann ist das Online-Geschäft unabdingbar. Oder aber, ob er die Vermietung mehr als Liebhaberei betrachtet.

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