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Der Trachtennachwuchs beim Tauschtag.

Nachwuchs deckt sich fesch ein

Jugendlicher Trachtentausch in Prem

Prem - Bevor demnächst die ersten kirchlichen Fest und Feiern beginnen, vor allem auch vor dem anstehenden Preisplatteln, muss das G’wand sitzen. Weshalb beim Trachtennachwuchs jetzt gerade die Dirndl, Juppen und Hosen und natürlich die Schuhe getauscht werden. Manchmal trägt der Nachwuchs auch wieder die Sachen der Oma.

Im ersten Stock der alten Schule in Prem geht es hoch her. Dutzende Kinder, von vier bis vierzehn Jahren, wuseln umher, und probieren Schuhe an, ziehen Röcke aus und Joppen über. Dazu noch zahllose Väter und Mütter. Dazwischen steht Barbara Echtler und hat ein kritisches Auge auf ihren Nachwuchs. Wenn sie feststellt, dass der Rock zu kurz oder zu lang ist, bekommt Emi Ott Arbeit. Oder es wird so lange durchgetauscht, „bis das G’wand passt“.

Jetzt, nach den Faschingsferien ist Trachtentausch angesagt, schließlich stehen schon wieder die Proben fürs Preisplatteln auf dem Programm. Barbara Echtler, kurz Barbi gerufen, ist für 50 Kinder und Jugendliche, unter 15 Jahren, verantwortlich als Jugendwartin bei den Lechgauern in Prem.

„Das ist Höchststand“, erzählt sie auf Nachfrage, zuletzt waren es Mitte der 90er Jahre so viele Kinder, die Jahrgänge 88 bis 92. Damit kommt der Verein auch schon an die Grenzen des Dirndlbestandes. Um die 40 Trachten haben die Lechgauer für die jungen Mädchen.

Denn im Gegensatz zu den Aktiven, die ihr Gewand selber kaufen – dabei kommen problemlos einige 100 bis 1000 Euro, je nach Ausstattung zusammen – stellt der Verein für die Kinder die Dirndl, Lederhosen und Jacken. Nachwuchsarbeit sei Ehrensache für den Verein und die Gemeinde. Und für die Eltern wäre es unbezahlbar, denn, wie Barbara Echtler erklärt: „Die wachsen ja so schnell raus aus den Sachen.“

Manchmal dauert es ein Jahr, manchmal nur ein halbes, bis die Sachen nicht mehr sitzen. So wie bei Isabella Hindelang, die mit ihrer Mama gerade das neue Dirndl anprobiert hat. Vergangenes Jahr lief die Vierjährige zum ersten Mal beim Gautrachtenfest in Hopfen mit, wo vor allem die Premer wegen der vielen Kinder ein beliebtes Fotomotiv sind. Die Sachen, die Mutter Stefanie schon von ihrer Mutter geerbt hat, passen nicht mehr. Außer die mittlerweile bald 60 Jahre alte Bluse, die Isabella mit Stolz aufträgt. Ansonsten ist das Dirndl für die jungen Mädchen, ganz unpolitisch, schwarz-rot.

An das schwarze „Mieder“ oder Top ist ein roter Rock angenäht, der auch schon mal abgetrennt werden kann, wenn die junge Dame all zu sehr in die „Länge geschossen ist“, wie etwa Melena Neckermann. Die dreht sich im Kreis, so wie man es auch von den Erwachsenen kennt. Nur so kann Barbara Echtler beurteilen, ob der Rock noch geht oder zu kurz ist. Denn beim Preisplatteln gibt es Punktabzug, wenn das Dirndl nicht passt. Manchmal kann man noch etwas Stoff auslassen, oder, wenn der Rock zu lang ist, ihn auch umsäumen.

Das ist dann meistens ein Job für Emi Ott oder ihre Nachfolgerin Ingrid Heißerer. Manchmal heißt es auch: Nui näe – neu nähen. Und wenn gar nichts mehr geht und auch das Durchtauschen nicht mehr hinhaut, dann heißt es von der Jugendwartin: Nui näe – neu nähen.

Ausgerechnet jetzt allerdings geht der Ballen mit dem Rockstoff, der in der Trachtenschneiderei von Gerhard Auhorn liegt, seinem Ende zu. Der Stoff, vor allem von früher, vertrage viele Wäschen. Dass ein neuer Ballen beschafft wurde, erkennt der Eingeweihte manchmal an der Farbe. Denn normalerweise hält so ein Ballen mit Stoff über Jahre, teils sogar Jahrzehnte vor, erzählt die Näherin Emi Ott.

Auch Ingrid Heißerer ist heute Abend zusammen mit ihrer Tochter Ronja in Schulhaus gekommen. Ronja probiert gerade „neue“ Schuhe. Selbes Spiel auch hier, vielleicht ein halbes Jahr lang passen die schwarzen Schuhe. An der Wand hängt ein Geschenk – von wem auch immer – Haferlschuh, allenfalls passend für einen Einjährigen. Geben tut es alles, in allen Größen, auch wenn nicht immer die Größe darauf steht. Auch die Hosenträger für die „Buaba“ – und auch die werden mit Sicherheit irgendwann wieder eingetauscht.

Oliver Sommer

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