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Die Trauer in Schwabsoien ist groß.

Trauerfeier in Schwabsoien

"Connys Licht leuchtet weiter in unseren Herzen"

Schwabsoien - Bewegende Trauerfeier für den vor Weihnachten gestorbenen Schwabsoier Bürgermeister Konrad Sepp: Mehrere hundert Menschen wohnten dem Gottesdienst und der Urnenbeisetzung bei.

Nimmt man den strömenden Regen bei Sepps Beerdigung sprichwörtlich als Tränen, die geflossen sind über den Tod des beliebten 52-Jährigen, dann war es das passende Wetter. Bewohner aus den Ortsteilen Schwabsoien und Sachsenried, politische Weggefährten ebenso wie Kollegen aus dem Polizeidienst und nicht zuletzt die Familie und Verwandte, füllten die Pfarrkirche St. Stephan, um Sepp auf seinem letzten Weg zu begleiten. Für alle, die in der Kirche keinen Platz gefunden hatten, wurde der Gottesdienst ins Feuerwehr-Gerätehaus übertragen.

„Konrad Sepp war jemand, der Menschen schnell für sich einnehmen konnte“, sagte Pfarrer Karl Klein in einer bewegenden Traueransprache. „Die Tatsache, dass heute so viele Menschen hier sind und an ihn denken, ist der beste Beweis dafür.“ Klein erinnerte an die „zwei furchtbaren Nachrichten“, die die Gemeinde Schwabsoien kurz vor Weihnachten erschüttert haben: „Die erste war die mit der Nachricht von seiner Krebserkrankung, ich weiß noch, wie ich seine Mail gelesen habe. Und trotz alledem klang er in den Zeilen noch so hoffnungsvoll und voller Energie.“ Und die zweite Nachricht war die von seinem plötzlichen und unerwarteten Tod am 20. Dezember bei einer Voruntersuchung für eine bevorstehende Krebsoperation in einem Münchner Krankenhaus. „Wir sind daher heute hier, um Danke zu sagen für das Gute, das wir mit unserem Conny erlebt haben und hoffen, dass Gott ihn bei sich aufnimmt und ihm das ewige Leben schenkt.“

Klein hatte für die Trauerfeier eine Lesung aus dem Weihnachtsevangelium von Johannes ausgesucht. „Dessen Bedeutung ist ja, selber ein Licht zu sein für die Menschen“, so Klein. „Und wenn wir heute als Gemeinde auf unseren Conny schauen, dann war er einer, durch den unser Leben und unsere Welt heller geworden sind.“

In liebevollen Worten skizzierte der Pfarrer das Leben des hauptberuflichen Kriminalhauptkommissars: 1961 geboren und aufgewachsen in Schwabsoien, „hat Conny in der Schule eine Ehrenrunde gedreht, die ihm aber nicht geschadet hat - so konnte er unverzüglich seine Ausbildung bei der Polizei beginnen“. Eine kleine lustige Einzelheit, die den Trauergästen kurz ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Und dieses Lächeln, diese liebevolle Erinnerung an den charismatischen Politiker, Beamten und Menschen, war auch gerechtfertigt, „schließlich war Konrad Sepp ein immer fröhlicher Mensch. Ich habe ihn immer nur lächelnd gesehen, er hat vor Freude sogar oft gepfiffen.“

Und Sepp konnte auch sehr gut über sich selbst lachen, „denn er hatte die Gabe, ein zufriedener Mensch zu sein“. Seine Kraftquellen waren sein Garten und sein Teich, „da konnte er immer auftanken. Und er liebte die Schönach, obwohl sie ihm kürzlich ein Fass Bier weggeschwemmt hat, das er dorthinein zum Kühlen gelegt hatte.“ Wieder so ein Moment der freudigen Erinnerung an einen besonderen Menschen, der fehlen wird. „Denn er war einer, der Licht in die Welt getragen hat.“

Und dieses Licht war Sepp auch für seine Familie: 1988 heiratete er seine erste Frau Gabi, die beiden bekamen zwei Söhne, Fabian und Bastian. „Conny war ein guter Vater und ein Vorbild für seine Buben, mit denen er viel unternommen hat“, erinnerte Klein. Und das einzige, worüber sich der Verstorbene habe aufregen können, seien Streitereien zwischen seinen Söhnen gewesen.

Nach der Scheidung im Jahr 2008 habe Sepp anschließend „das Glück gehabt, wieder einen Menschen zu finden, den er lieben konnte und von dem er geliebt wurde“, führte Pfarrer Klein weiter aus. Sepp war die letzten Jahre glücklich mit Andrea Knopp liiert, gemeinsam teilten sie das Hobby Reisen, zuletzt in die Südsee.

Und gerade auf seinem letzten, schwersten Weg, so Klein, hat Sepp nochmal gezeigt, wie wichtig ihm seine Familie ist: Das Ende wohl schon vorahnend, hat er vieles noch geregelt. „Er hat sein Testament gemacht und seine schwangere Lebensgefährtin geheiratet, er wollte für seine Leute sorgen, obwohl er natürlich noch da sein wollte für sein drittes Kind, dem er nochmal ein Licht sein wollte, auf das er sich so gefreut hat.“

Und dieses Licht, das Sepp in die Welt und in die Herzen der Menschen gebracht hat, ist nicht erloschen: „Ich glaube, dass Gott keine Lichter auslöscht, er versetzt sie nur“, sagte Klein. „Conny darf jetzt bei Gott sein und das wahre Licht sehen, von dem seines genommen war. Connys Licht leuchtet weiter in unseren Herzen“, schloss Klein - und entzündete die Trauerkerze neben der Urne und dem Bild von Konrad Sepp.

All’ die in der Trauerrede von Pfarrer Klein erwähnten Eigenschaften wurden von den weiteren Trauerredner nur bestätigt: „Mit Konrad Sepp verliert der Landkreis Weilheim-Schongau einen Bürgermeister erster Güte“, sagte zum Beispiel Landrat Friedrich Zeller. Sepps Tod sei für alle unfassbar, „für mich selbst ist er wie ein böser Traum“. Konrad Sepp sei ein unter Bürgermeistern und Politikern hochgeschätzter Kollege gewesen, ein Macher, der viel bewegt habe. Mit seinem Tod „verlässt uns eine interessante Persönlichkeit und ein guter Freund“.

„Mit Konrad Sepp verliert die bayerische Polizei einen verdienten Polizei-Beamten und das Polizeipräsidium Oberbayern eine seiner besten Führungskräfte“, würdigte Horst Breidenbach den Schwabsoier Rathauschef. Breidenbach war Sepps Vorgesetzter bei der Abteilung Staatsschutz der Kriminalpolizei Bayern. Dorthin war Sepp im Jahr 2001 als stellvertretender Kommissariatsleiter gekommen. Frühere Einsatzstellen des Schwabsoiers waren nach seiner Ausbildung zum mittleren Dienst die Polizeistationen Holzkirchen (Autobahn), der Einsatzzug und die Verkehrspolizeiinspektion Weilheim sowie die Polizeiinspektion Schongau. „Und wir verlieren mit Conny eine Kapazität, eine ausgleichende und loyale Führungskraft - und einen echten Freund“, schloss Breidenbach.

Xaver Fichtl hob für die Verwaltungsgemeinschaft Altenstadt, den Auerbergland-Verbund und für den Schulverband Schongau Sepps Ausdauer, Weitblick, Hilfsbereitschaft und Standfestigkeit hervor: „Seine ganze Schaffenskraft galt dem Wohl der Bürger.“ Er habe die Entwicklung seiner Gemeinde, der Verwaltungsgemeinschaft, des Auerberglandes und des Schulverbandes entscheidend mitgeprägt.

Sepps Verdienste für die Gemeinde Schwabsoien aufzuführen, hätte den Rahmen der Trauerfeier gesprengt. Im Namen aller Vereins- und Verbandsvertreter wies Rudi Kögel zumindest auf das Wichtigste hin: „Connys Leitgedanke war, dass die Vereine die Seele unserer Gemeinde sind.“ Und so habe er auch gelebt, war Mitglied in rund 30 Vereinen und als Gemeindeoberhaupt bei fast allen Vereins-Veranstaltungen dabei. „Unter seinem Schutz und Schirm fanden die Vereine immer Geborgenheit, er hat die Einigkeit im Ort und bei den Vereinen begründet.“

Emotional bewegender Schlusspunkt des Trauergottesdienstes war vor der Urnenbeisetzung die persönlichen Ansprache an Sepp von Siegfried Neumann, Schwabsoiens zweitem Bürgermeister und Sepps Freund seit Kindestagen: „Conny, wir kennen uns aus der Schule, haben zusammen Fußball gespielt - und auch was angestellt.“ Da wieder so ein Moment für ein lächelndes Erinnern. „Zehn Jahre lang haben wir gemeinsam die Gemeinde geführt. Die Menschen haben Dir vertraut und sind Deinen Weg mitgegangen, so wie wir heute auch Deinen letzten Weg mit Dir gehen.“

Über allen Ämtern sei Sepp immer ein Mensch gewesen, dem vor allem die Kinder - die eigenen wie alle in der Gemeinde - besonders am Herz gelegen haben. „Einen Tag nach Deinem Tod hat ein sechsjähriges Kind im Schwabsoier Kindergarten zu der Erzieherin gesagt: ,Bestimmt braucht der liebe Gott einen so guten Bürgermeister wie unseren im Himmel.‘ Das sagt mehr als 1000 Worte.“

Der Schmerz über den Verlust von Konrad Sepp, so Neumann abschließend, werde sich in Trauer, und diese Trauer sich in Erinnerungen wandeln. „Und diese Erinnerungen an Dich, lieber Conny, werden weiterleben in unseren Herzen und in Deinen Kindern. Wir werden Dich nie vergessen, das verspreche ich Dir! Ruhe in Frieden.“

Jochen Schröder

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