In Reih und Glied ritten die Teilnehmer in „Festtagsgwand“ bei wunderschönem Wetter.

Ulrichsritt: Bekenntnis zur Tradition

Steingaden - Strahlender Sonnenschein sorgte gestern vor der traumhaften Kulisse der Trauchberge für einen würdigen Rahmen für das 450-jährige Jubiläum der Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg.

Über 1000 Gläubige aus nah und fern feierten beim traditionellen Ulrichsritt den Gottesdienst mit.

„Wenn man da herauf reitet, braucht man nicht mehr viel sagen,“ zeigte sich der Vorsitzende August Sieber in seinem Gruß- und Dankwort überwältigt. Nicht nur die Pferde waren herausgeputzt, auch die von bäuerlicher Hand gepflegte Landschaft sprach für sich, jedes Feldkreuz war mit Blumen geschmückt, und hinter dem Altar standen die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine. Jeder, der hier oben war, hatte sein „Festtagsgwand“ an und es war zu spüren, dass auch die innere Einstellung stimmte. Besonders groß war die Freude über die restaurierte alte Monstranz, mit der Pater Petrus-Adrian Lerchenmüller den 107 Rössern und allen Gläubigen den Segen erteilte.

Aus der Verehrung des Partikels vom Kreuz Christi in der Monstranz entwickelte sich vor 450 Jahren eine Wallfahrt zum „Heiligen Kreuz auf dem Kreuzberg“. Der Heilige Ulrich, der im Deckengemälde der Kreuzbergkirche verewigt ist, kann auch in heutiger Zeit bei der Neuevangelisierung Europas wegweisend sein. „Heute, wo die Vereinzelung sich breit macht und immer mehr Zeitgenossen die Haustüre hinter sich zuziehen und sich selbst genügen wollen, wird es schwieriger, die Gemeinschaft zu wahren,“ merkte Festprediger Pater Gilbert Kraus vom Kloster Roggenburg an. Da tue es gut, dieses Bekenntnis zur Tradition zu erleben.

Beeindruckt davon zeigten sich auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß und die beiden Landtagsabgeordneten Harald Kühn und Florian Streibl, die zusammen mit Bürgermeister Xaver Wörle in der Kutsche von Karl Schmerold Platz genommen hatten. In der Kutsche von Elisabeth Gruber fuhren neben Pater Gilbert Kraus, einem gebürtigen Steingadener, auch Ehrenbürger Monsignore Georg Kirchmeir und der frühere Pfarrer von Steingaden, Günther Bäurle, mit. Manfred Wörle, der im vergangenen Jahr in der Ehrenkutsche saß, stellte zusammen mit Thomas Pfeiffer die Rösser für den Musikantenwagen.

Auf die Anstürme von außen und innen ging Pater Gilbert Kraus in seiner Predigt ein. Je mehr die Menschen meinen, alles mitmachen und jeder Entwicklung standhalten zu können, je mehr sie allem Neuen und jedem Trend nachlaufen, desto mehr haben sie auch ihre Wurzeln vergessen und verloren. Fortschritt und Wachstum seien immer noch die Zauberworte. Und weil alles „globaler“ werden müsse, werde der einzelne, kleine und doch so wertvolle Mensch vergessen. Da sei es wichtig, sich immer wieder, wie der heilige Ulrich es vorlebte, in Gemeinschaft des Gebetes um den Altar zu versammeln, damit „wir mit der eigentlichen Kraftquelle, mit Christus, verbunden bleiben“.

Für die feierliche Umrahmung sorgte die Musikkapelle Steingaden, die nach der kirchlichen Feier noch beim Jubiläumsfest aufspielte. Abwechselnd mit den „Wieser Orgelpfeifen“, den Kreuzbergkindern, der Oberlandler Stubenmusi sowie der Ziach-Musi Fabian und Pius Susanek vom Trachtenverein Oberlandler Wies.

hg

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