Heute weißt die Beschilderung auf Garmisch und Murnau nicht mehr hin. Die Tankstellenbetreiber wünschen sich deshalb mehr denn je frühere Zeiten zurück. foto: spe

Umleitungs-Sackgasse Steingaden

Steingaden - Für Hans-Jörg Strauß „ist’s einfach nur nervig“. Seit Monaten empfindet sich der 64-jährige Steingadener, der mit seiner Familie die Tankstelle an der Kreuzung Richtung Wieskirche betreibt, als Auskunftsbüro für Touristen, die den Weg nach Oberammergau oder Garmisch suchen.

„Gerade in den letzten Tagen haben sie uns regelrecht die Bude eingelaufen.“Kein Wunder, denn: Als der Fernpass am Montag für zwei Tage gesperrt war, wurde der Verkehr per Radio über Steingaden und Garmisch-Partenkirchen umgeleitet. Was allerdings fehlte, waren Hinweisschilder in Steingaden selbst. Und damit begann das Drama für die Familie Strauß, die die Tankstelle an der Kreuzung zur Wieskirche schon seit Jahrzehnten im Familienbesitz hat. „Ständig hielten Fahrzeuge bei uns an und haben nach dem Weg Richtung Garmisch gefragt“, erzählt er und ergänzt: „Die haben teilweise ganz schön geflucht über die schlechte Beschilderung und man hatte teilweise den Eindruck, dass sie uns dafür die Schuld geben. Doch wir können nun wirklich nichts dafür.“

Lange gab’s keine Probleme mit der Beschilderung, da waren sowohl Garmisch-Partenkirchen wie auch Oberammergau ausgeschildert. „Das hat sich vor etwa eineinhalb Jahren schlagartig geändert, als ein Pkw in die Verkehrsinsel gefahren ist und das Schild aus der Verankerung gerissen hat.“ Im Anschluss war man im Kreuzungsbereich laut Strauß „erst einmal einige Monate schilderlos“. Dann wurde zwar wieder ein Schild aufgestellt, allerdings nur mit Hinweisen auf Wildsteig, die Wieskirche und die Deutsche Alpenstraße.

Ehefrau Christine hakt genau da ein. „Wer von den Autofahrern kennt denn die Deutsche Alpenstraße und ihren genauen Verlauf?“ Und dann werfen die Eheleute auch noch ein Schmankerl vergangener Tage ins Gespräch mit ein. „Es ist schon ein paar Jahrzehnte her, als schon mal ein Verkehrsschild umgefahren wurde. Damals hat meine Mutter in Handarbeit ein eigenes Schild gebastelt und dort angebracht“, schmunzelt Hans-Jörg Strauß. Natürlich sei dies von der Polizei wieder abmontiert worden, aber auch bald durch ein richtiges ersetzt worden. Auf ein solches warte man jetzt aber seit Monaten.

Christine Strauß wandte sich deshalb im Oktober telefonisch ans Landratsamt, wurde dort jedoch eigenen Worten zufolge „nur vertröstet“. Auch beim Staatlichen Bauamt wurde ihr nicht weitergeholfen. Passiert sei bis heute nichts.

Schongaus Polizeichef Rudolf Fischer hat von der Umleitung nach Garmisch-Partenkirchen über Steingaden auch via Radio erfahren. „Ich war ziemlich überrascht, weil das meiner Meinung nach erstmals der Fall war.“ Und dabei räumt er ein, „dass es natürlich günstig gewesen wäre, hätte in Steingaden ein Hinweisschild gestanden“. Die Polizei sei aber seinerzeit bei der Aufstellung des neuen Schilds nicht gefragt worden. Fischer: „Ich weiß daher nicht, warum auf dem neuen Schild Garmisch-Partenkirchen nicht mehr aufgeführt ist.“ Fakt sei, dass nicht mehr als vier Ziele auf einem Schild angebracht sein sollten, um den Autofahrer nicht zu überfordern. Doch hier seien es mit Wildsteig, der Wies und der Bayerischen Alpenstraße erst drei. „Damit wäre zumindest für ein Ziel noch Platz“, spricht sich Fischer dafür aus, „zumindest Garmisch noch mit aufzunehmen“.

Josef Guggemos, im Landratsamt für Verkehrsfragen zuständig, ist Anfang Februar wieder im Altlandkreis mit Vertretern des Staatlichen Bauamts und der Polizei unterwegs. „Dabei können wir dieses Thema auch mit auf die Tagesordnung nehmen“, verspricht er. Es gebe ein Zielverzeichnis mit Vorgaben, was auf einem solchen Schild anzugeben sei. Das müsse er erst zu Rate ziehen, um danach zu entscheiden.

Stephan Penning

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