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Susann Tabatabai-Schweizer in ihrem Atelier in Peiting. „Trump macht aus bunt wieder schwarz-weiß. Denn eigentlich manchen ja gerade viele unterschiedliche Kulturen und Nationalitäten ein Land bunt und farbenprächtig“, sagt sie. 

Susann Tabatabai-Schweizer ist Deutsch-Iranerin

USA-Einreise-Dekret: „Ich bin sehr traurig“

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Sie hat zwei Pässe: Den iranischen und den deutschen. Über das Einreise-Dekret in den USA ist die Peitingerin Susann Tabatabai-Schweizer entsetzt. Über Trumps Politik sagt sie: „Er bringt Amerika zusammen – dafür reißt er alle anderen auseinander.“

Peiting – Ärger, Wut, Fassungslosigkeit: Was die sich täglich ändernde Einreisepolitik der USA unter Neu-Präsident Donald Trump anbelangt, hegt Susann Tabatabai-Schweizer viele Gefühle. Aus gutem Grund: Die Peitingerin selbst ist gebürtige Iranerin. Der Mammut-Anteil ihrer Familie lebt in den Staaten. „Seine Politik kann unsere Familie auseinanderreißen“, weiß Tabatabai-Schweizer.

In den vergangenen Tagen hat sie ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Einreisen in die USA wäre ihr nach der Unterzeichnung des Trump-Einreise-Dekrets zunächst gänzlich untersagt gewesen. Ein schlimmer Schlag für die Peitingerin: Oft und gerne besucht sie ihre Familie, mit der sie ein herzliches und vertrautes Verhältnis verbindet. „Wir haben uns alle regelmäßig besucht – die uns. Wir die.“ Solche unkonventionellen Besuche könnten künftig für alle Beteiligten schwieriger werden. Wer weiß schon heute, wie sich in den USA morgen alles entwickeln könnte?

Als Trump schnell zurückruderte und Menschen mit Doppel-Pass schließlich wieder das Einreisen möglich werden sollte: Erstmal Erleichterung. Tabatabai-Schweizer hat eine doppelte Staatsangehörigkeit. Die Deutsche. Und die Iranische.

Was die ganze Angelegenheit zwar für sie besser macht. Nicht aber über eine Entwicklung hinwegtrösten kann, die über dem großen Teich rasant Fahrt aufnimmt.

Viele leben den amerikanischen Traum

„Ich bin sehr traurig“, sagt sie. Auch in Anbetracht dessen, wie Menschen hier nach ihrem Pass über einen Kamm geschoren werden. „Wie viele Iraner – auch aus meiner Familie – haben studiert, leisten gute Arbeit und tragen so zum amerikanischen Leben bei?“ Beschämend sei das für die USA, „einer Nation der Einwanderer“.

Auch Susann Tabatabai-Schweizer ist nach dem politischen Umbruch im Iran als Kind nach Deutschland gekommen. Einen Großteil ihrer Familie hatte es damals in die USA verschlagen. Sie alle haben es geschafft. Viele haben studiert, haben jetzt gute Jobs. Leben den amerikanischen Traum. Und tragen selbst ihren Teil dazu bei.

Über das neue Weltbild, das sich jetzt in den USA zu verfestigen scheint, können sie nur den fassungslos den Kopf schütteln. Bei aller Emotion warnt Tabatabai-Schweizer jetzt allerdings auch davor, „sich anstecken zu lassen“. Sie sieht hinter der Entwicklung nicht in erster Linie einen gesellschaftlichen Wandel, sondern eine Person: „Die USA haben genau wie der Iran einen völlig despotischen Regierungschef“, zieht Tabatabai-Schweizer einen Vergleich zwischen völlig verschiedenen Nationen, die plötzlich mehr gemein zu haben scheinen, als so manch einem lieb ist. Beruhigend oder nicht: „Die Mehrheit der Amerikaner hat ihn nicht gewählt. Es sind also nicht alles Menschen, die das so sehen wie er.“

Freilich: Trumps Sichtweise war landläufig bekannt. Dass er seine harten Wahlkampfworte vom Oval Office aus tatsächlich binnen weniger Amtstage mit schnellen Unterschriften besiegeln würde, das hätten wohl die meisten so nicht erwartet. Tabatabai-Schweizer geht es da wie vielen Amerikanern, wenn sie sagt: „Ich habe gedacht: Trump poltert im Wahlkampf und er wird dann wachsen an seinen Aufgaben. Doch jetzt legt er los, ohne Rücksicht auf Verluste.“

Freundin hat bei Trump-Wahl geweint

Wie geht es weiter mit den Einreise-Dekreten, für Menschen, die aus einem der sieben Länder kommen, die Trump mal eben auf die Schwarze Einreise-Liste gesetzt hat? „Man traut denen nicht mehr“, sagt Tabatabai-Schweizer.

Ihre beste Freundin lebt in den USA. Eine Freundin aus Kindertagen. Mit ihr ist Tabatabai-Schweizer im Iran aufgewachsen. Zwei Frauen, ein Schicksal. „Als Trump gewählt wurde, hat sie geweint.“

Tränen, die offenbar einer bitteren, aber schnellen Erkenntnis vorausgegangen sind: „Noch nie ist ein Anschlag von einem Iraner ausgegangen.“ Doch jetzt würden Menschen alle nach Staatsangehörigkeit und Glaubensrichtung über einen Kamm geschoren. „Wir sind nichts wert, weil wir Iraner sind.“

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