Münchner fürchten Coronavirus: Produkt in der ganzen Stadt ausverkauft - Regale „binnen Stunden“ leergefegt

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Animation zum Autoverkauf: Immer wieder finden sich auch im Schongauer Raum kleine Kärtchen mit Handynummer an den Pkw, mit denen Autobesitzer zum Verkauf ihres Vehikels angeregt werden sollen. foto: spe

Wir haben da einfach mal angerufen

"Ich möchte Ihr Auto kaufen"-Zettel sind verboten

Schongau - Wer kennt sie nicht, die Visitenkarte am Auto, die ein Kaufwilliger hinterlassen hat. Erlaubt ist das Ganze allerdings nicht. Ein Selbstversuch in Schongau.

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„Kfz-Ankauf aller Art“ steht auf der Karte, die dieser Tage wieder an so manchem Vehikel in Schongau angebracht war. Und weiter erfährt man, dass der Interessent, der sich Valentino nennt, Pkw, Lkw, Busse, Jeeps (auch mit hohem Kilometerstand), Leasingrückläufer, Unfallfahrzeuge oder Firmenfahrzeuge ankaufen möchte - quasi jedes zum Verkauf stehende Auto also.

Valentino soll rund um die Uhr erreichbar sein. Steht zumindest auf der Karte. Als wir ihn erreichen wollen, haben wir ihn auch tatsächlich sofort am Hörer. Dass er aus München komme, erzählt er, um dann gleich zu fragen, um welches Fabrikat es sich handele, welches Baujahr der Pkw sei und wie viele Kilometer bereits mit ihm gefahren worden seien.

Und dann will er auch schon wissen, welche Preisvorstellung wir denn haben. Nachdem wir die genannt haben, verabschiedet er sich mit den Worten, mit seinem Interessenten reden und sich wieder melden zu wollen.

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Rechtens ist dieses Vorgehen übrigens nicht, wie aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf von 2010 erkennbar wird. Dort heißt es, dass „das Befestigen von Visitenkarten an auf öffentlichen Parkplätzen abgestellten Autos als eine genehmigungspflichtige Sondernutzung zu werten ist“. Hintergrund: Das Einverständnis des Halters zu dieser Form der Werbung sei nicht vorauszusetzen.

Was man nie zu Polizisten sagen sollte

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Das sieht auch Eva Schönmetzler, Juristin der Verbraucherzentrale in München, so. „Die Werbung am Scheibenwischer oder sonst am Auto ist unzulässig“, sagt sie, um noch zu ergänzen, dass verärgerte Autobesitzer sich jederzeit an die Wettbewerbszentrale in der Karlsstraße 35 in München (Telefon 089/ 592219) wenden könnten.

Der Leiter der Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt, Josef Guggemos, stützt die These der Juristin. „Eine Sondernutzung, die ohne Erlaubnis vollzogen wird, kann mit Bußgeld belegt werden“, macht er deutlich. In der Straßenverkehrsbehörde sei diesbezüglich aber „nie etwas aufgelaufen“.

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Anders als bei den Kollegen in Bad Tölz, wo im vergangenen Jahr drei Verfahren gegen eine solche Werbung durchgezogen wurden. Auch beim Ordnungsamt des Landratsamts sind bis dato keine Beschwerden eingegangen, wie Manfred Plonner erklärt. Und auch in Schongau liegt beim städtischen Ordnungsamt noch nichts vor, weiß der Leiter Martin Keßler. In Peiting sieht’s ähnlich aus. „Noch ist diesbezüglich nichts passiert und keine Anzeige eingegangen“, sagt Julian Winninger vom Ordnungsamt.

Klartext spricht auch die ADAC-Juristin Silvia Schattenkirchner. Vor etwa vier Jahren hat sie Stichproben machen lasen, vier Kartenhändler einbestellt. „Und wir haben festgestellt, dass die beileibe nicht alle unseriös sind.“ Der Kunde werde von den „fliegenden Händlern ohne Werkstatt“ keinesfalls komplett über den Tisch gezogen. Deren erklärtes Ziel sei es aber, den Preis extrem zu drücken. „Die kennen sich mit Autos hervorragend aus, gehen mehrfach um den Wagen, finden hier und da etwas, reden das Auto schlecht und versuchen, am Ende vielleicht nur noch die Hälfte von dem bezahlen zu müssen, was sich der Kunde ursprünglich vorgestellt hat.“ Schattenkirchner rät zudem dazu, „den Wagen in jedem Fall im abgemeldeten Zustand zu übergeben“. Man dürfe nicht erwarten, dass dies der Ankäufer übernehme.

Dann sprechen wir noch mal mit Valentino. Er ist Rumäne, lebt in München und war dieser Tage in Schongau. Wie viele Kärtchen er verteilt hat? „Das sind immer zirka 50, die ich an Autos stecke, die mir gefallen.“ Ohne Umschweife räumt er auch gleich ein, dass von ihm angekaufte Fahrzeuge gleich in den Ostblock weiterverkauft werden. „Ein bis zwei Pkw pro Woche“ seien es, die er im Schnitt ankauft. „Alles, was zwischen 500 und 3000 Euro kostet, nehme ich bevorzugt“, ergänzt er noch.

Überrascht ist er, als er hört, dass die Visitenkarten-Werbung nicht rechtens ist. „Das muss mir doch jemand sagen“, meint er, als wir uns als Journalisten outen. Aber er bleibt freundlich und wünscht am Ende des Gesprächs noch einen schönen Tag.

(spe)

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