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Verwaltungsrichter lehnen Hundezucht ab

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Sachsenried - Eine Hundezucht im Wohngebiet? Da spielte das Münchner Verwaltungsgericht nicht mit und verwarf die Klage eines Sachsenrieders gegen den Freistaat Bayern auf Nutzungsänderung in einem Wohngebiet. Der Anwalt der Kläger kann jetzt aber noch eine Zulassung der Berufung beantragen.

Das Thema Hundezucht am Ort beschäftigt die Sachsenrieder schon längere Zeit. Derzeit wohnt der Kläger mit seiner Frau und seinen Hunden noch in einem anderen Haus nahe des Sachsenrieder Forsts. Nun will er aber umziehen - in ein Wohngebiet am Ganghoferweg. Im Grunde kein Problem, wenn der Sachsenrieder nicht auch eine Hundezucht betreiben würde. Und die wollen die Sachsenrieder keinesfalls in einem Wohngebiet.

Der Freistaat Bayern, im vorliegenden Fall vertreten durch das Landratsamt Weilheim-Schongau, hatte sich genau an dieser Nutzungsänderung gestört. Wie Bauamtsleiter Friedrich von der Mülbe im Rahmen des Ortstermins sagte, sei bei einer Baukontrolle im August vergangenen Jahres festgestellt worden, dass der Bauherr mehrere Hunde halte - im Hundezwinger und in der Garage. Insgesamt seien es sieben Tiere gewesen, zwei größere Schäferhunde im Zwinger und fünf kleinere in der Garage. Das Grundstück liege jedoch im Geltungsbereich des Bebauungsplans Waldhausstraße Nord und sei für diese Art der Nutzung nicht zugelassen, weil es sich im vorliegenden Baugebiet um ein reines Wohngebiet handele.

Der Vorsitzende Richter am Verwaltungsgericht München, Johann Arnold, der mit zwei hauptamtlichen und weiteren zwei ehrenamtlichen Richtern nach Sachsenried gekommen war, stellte eingangs fest, dass die Haltung von Hunden in einem Wohngebiet prinzipiell gestattet sei, wenn sich dies im Rahmen der Richtlinien für ein Wohngebiet bewege. Zum Zeitpunkt des Augenscheins hielten sich zwei große altdeutsche Schäferhunde (auch als Hütehunde im Einsatz) in einem Zwinger neben dem Rohbau des Hauses auf. Vor diesem Hintergrund hatte Arnold ursprünglich auch Zweifel, ob das Landratsamt eine Handhabe gegen die Haltung dieser zwei Tiere habe, zumal deren Besitzer versicherte, sie künftig in seinem Haus dauerhaft halten zu wollen.

Für den Bauleiter des Landratsamts, Friedrich von der Mülbe, war unterdessen klar, „dass hier nicht mit offenen Karten gespielt wird“. Der Kläger bewohne noch ein weiteres Haus am Ort, in dem ebenfalls Hunde untergebracht seien. Daher könne man nicht mehr von reiner Haustierhaltung sprechen.

Eine Aussage, die Bürgermeister Siegfried Neumann, der seinen privaten Wohnsitz selbst in der Nähe des Kläger-Neubaus hat, bestätigte. Neumann sind die vielen Tiere aber auch aus anderen Gründen ein Dorn im Auge. Ihm erscheinen die Sicherheitsvorkehrungen am Zwinger als zu gering. Er befürchtet, dass die Tiere im Ernstfall auch den Zwinger verlassen und dann zur Gefahr werden könnten.

Auslöser der Sorge ist ein Vorfall Ende Januar vergangenen Jahres, als ein siebenjähriger Bub auf einer Wiese am Ortsrand mit seiner Schwester umhertollte und dabei auf die zwei Schäferhunde traf. Er wurde zwar nicht gebissen, erlitt aber Kratzwunden durch die Tiere und trug einen Schock davon. Die Gemeinde Schwabsoien änderte daraufhin prompt ihre Hundesatzung und setzte per Ratsbeschluss den sofortigen Leinenzwang fest.

Der Hundezüchter hatte seinerzeit stets betont, dass es sich bei seinen Schäferhunden keinesfalls um Tiere handele, die zu Beißhunden ausgebildet worden seien.

Zurück zum Augenschein. Für den Anwalt der Kläger, Michael Knoll aus Weilheim, war entscheidend, „dass zum Zeitpunkt der Ortsbegehung definitiv nur zwei Hunde dort waren“. Sollten es tatsächlich später mehr werden, könne man sich gegebenenfalls noch mal unterhalten.

Wissen wollten die Vertreter des Verwaltungsgerichts zudem, wann der Kläger beabsichtige, in das neue Haus einzuziehen. Das befindet sich derzeit nämlich noch im Zustand eines Rohbaus. So gesehen dürften dort auch noch keine Hunde gehalten werden, wenn die Hausbesitzer noch nicht dauerhaft in ihrem Neubau leben.

In diesem Zusammenhang warf die Ehefrau des Klägers Gemeindechef Siegfried Neumann vor, die Baumaßnahme am Ganghoferweg blockiert zu haben. „Er hat einfach die Unterlagen nicht dem Gemeinderat präsentiert und dadurch unser Projekt für Monate gestoppt“. Neumann will das nicht auf sich sitzen lassen, sagt: „Wir haben definitiv nichts zu verbergen, aber in den Unterlagen hat sich ein Formfehler des Architekten befunden. Und der musste erst korrigiert werden.“

Das Gericht entschied letztlich gegen den Kläger und auch, dass eine Berufung nicht zugelassen wird. Diese Zulassung kann Kläger-Anwalt Knoll allerdings noch beantragen, sollte seine Partei das Urteil in dieser Form nicht akzeptieren sollen. Derweil zeigte sich Schwabsoiens Rathauschef Neumann zufrieden mit dem Urteil.

Stephan Penning

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