Viel Verständnis für Steuererhöhung in Peiting

Peiting - Die Anhebung des Gewerbesteuer-Hebesatzes von 310 auf 380 Punkte hat die Unternehmer in Peiting zwar aufhorchen lassen, doch gibt es nur wenig Kritik an der Entscheidung des Gremiums. Völlig wunschlos sind die Firmenchefs deshalb allerdings nicht.

Roman Bauer ist nicht nur Chef des Peitinger Gewerbevereins, sondern auch Chef eines kleinen Unternehmens. Seine Einschätzung im Hinblick auf die deutliche Erhöhung der Gewerbesteuer gibt er indes schnell. „Der Gemeinderat ist ein gewähltes Gremium, dem von der Bevölkerung das Vertrauen ausgesprochen wurde, richtig zu entscheiden. So gesehen denke ich, dass man die Entscheidung akzeptierwen sollte.“ Einen Wunsch kann sich Bauer allerdings nicht verkneifen. „Ich denke, dass man als Unternehmer auch eine Gegenleistung erwarten darf. Und da kommt mir spontan eine deutlich verbesserte Internetleistung in den Kopf.“ Auch, wenn ein Betrieb wie seiner nicht mehr zur Kasse gebeten wird, „weil wir das über die Einkommensteuer wieder reinholen müssen“.

Andere sehen das zwangsläufig etwas anders. Mario Lindauer, Chef der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel beispielsweise. „Wir sind vermutlich einer der größten Gewerbesteuerzahler der Marktgemeinde“, sagt er und ergänzt: „Natürlich trifft uns eine solche Anhebung nicht unbeträchtlich.“ Dennoch ist die im Gemeinderat einstimmig getroffene Entscheidung für ihn kein Grund zu grollen. „Grundsätzlich stehen wir zu unserer Region“, so Lindauer, der nur eine Bitte hat. „Das Geld, das auf diese Weise reinkommt, muss sinnvoll für die Gemeinde verwendet werden.“ Im Klartext: Beispiele a la Berlin (Flughafen) oder Hamburg (Elbphilharmonie) dürften sich hier im Kleinen nicht wiederholen, „Geld, das mehr erwirtschaftet wird, muss nachweislich zum Wohl Peitings genutzt werden.“ Auch wenn dies für die Mitarbeiter der Raiffeisenbank nicht unbedingt bedeute, dass damit das Internet ausgebaut werden müsse, „da wir eigene Leitungen haben“.

Angela Hirschvogel vom gleichnamigen Peitinger Küchenstudio sieht die Entwicklung ähnlich wie ihre Kollegen. „Ich finde die Erhöhung völlig ok“, meinte sie auf Nachfragen und: „Man kann nicht immer nur etwas einfordern, sondern muss auch zur gegebenen Zeit etwas geben.“

Kreiskämmerer Norbert Merk, der als Peitinger CSU-Gemeinderat den Beschluss der Hebesteuer-Anhebung mitgetragen hatte, macht noch einmal deutlich, „dass wir die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt durchaus mit Bedacht gefasst haben“. In frühreren Jahren, als es den Betrieben nicht so gut gegangen sei, „haben wir bewusst darauf verzichtet, um die Firmen nicht noch zusätzlich zu belasten“. Jetzt, wo es vielen Unternehmen deutlich besser gehe und auch die weltpolitische Lage (trotz Konflikten in der Ukraine oder Syrien) es zulasse, sei man diesen Weg guten Gewissens gegangen.

Und er versichert im nächsten Atemzug, „dass auch uns daran gelegen ist, die Mehreinnahmen, die ich auf 600 bis 700 000 Euro schätze, für eine verbesserte Infrastruktur zu nutzen“. Für Merk zählt dazu auch eine rasantere Daten-Autobahn. „Wir planen dafür im Haushalt mehr als eine Million Euro in der Zukunft ein.“ Geld, von dem auch entlegene Weiler profitieren sollen.

Auch Hermann Mödl ist ein Peitinger Unternehmer - und Gemeinderat. Auch er votierte für die Anhebung, kann damit leben. Und Bernhard Guglhör, Seniorchef von ept, meint: „Glücklich sind wir darüber nicht, zumal wir den Standort Peiting seinerzeit auch danach ausgesucht haben, dass der Hebesteuersatz so niedrig war.“ Doch machen könne man dagegen wenig, „weil die Politik ohnehin macht, was sie will“.

spe

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