Und ab damit ins Versteck: (v.l.) Heidi Speer, Katharina Barnsteiner, Katharina Hutter und Anna Goldmann tragen ihre Beute weg. foto: fkn

Vier Frauen klauen Maibaum

Peiting - Brauchtum mal anders: Vier junge Frauen klauen in Peiting einen Maibaum - ganz spontan und privat aus der Garage eines Bruders.

Katharina Barnsteiner (18), Katharina Hutter (17), Anna Goldmann (21) und Heidi Speer (16) einen unter anderem zweierlei Dinge: Sie gehen in die gleiche Klasse an der Schongauer Hauswirtschaftsschule - und sie lieben das Brauchtum. Vor allem die Sache mit den Maibaumdiebstählen.

„Wir haben einfach mal so darüber geredet“, erinnert sich Barnsteiner lachend. „Das wäre mal lustig, einen Maibaum zu klauen.“ Wie praktisch, dass Barnsteiners 22-jähriger Bruder in der elterlichen Garage an der Peitinger Untereggstraße ein Traditionsstangerl gelagert hatte. Das zwölf Meter hohe Prachtstück wollte Andreas Barnsteiner nämlich pünktlich am 1. Mai an einer Hütte bei Kurzenried aufstellen. Es sollte eine Premiere werden. Doch die ist jetzt gefährdet, denn dem weiblichen Quartett kommt spontan die zündende Idee: Wir klauen den Baum. „Ohne viel zu überlegen haben wir das gemacht“, erzählt Katharina Barnsteiner.

Das war am Sonntag gegen 20 Uhr. „Es war keiner da. Wir haben uns richtig schön Zeit lassen können“, berichtet die 18-Jährige. Denn der Bruder ist praktischerweise an diesem Abend beim Vorstandsessen der Landjugend, Vater Barnsteiner ist extra eingeweiht. Der Baum steht also unbewacht in der Garage zum Trocknen. Das Weiß ist schon aufgetragen, nur das Blau fehlte noch. Also packen sich die jungen Frauen den Baum und ziehen von dannen. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, wie das Quartett in der Abenddämmerung mit dem hölzernen Exemplar durch die Straßen läuft. Ausgerechnet in dem Moment kommt ihnen ein Radfahrer entgegen. „Der hat ganz schön geschaut“, lacht Barnsteiner. Erst war der gute Mann ein bisserl misstrauisch ob des Treibens, aber dann erklärte er sich doch bereit, ein Handyfoto von den Damen zu machen.

Nach rund 45 Minuten ist die Aktion beendet. Als der Bruder nach Haus kommt, ist die Überraschung groß. „Der hat zweimal in die Garage schauen müssen“, meint die Schwester. „Der war schon ein bisserl geknickt am Anfang, dass ausgerechnet ihm das passiert ist.“ Seitdem grübelt er über die „Täter“, denn verraten wollen es ihm die Diebinnen erst jetzt.

Nun wartet das Stangerl auf die Übergabe. Gut versteckt natürlich. Klar, dass Barnsteiner nichts rauslässt. Nur so viel: „Er ist näher als man denkt.“ Dem Bruder stehen harte Verhandlungen bevor, denn Schwester Katharina hat eine klare Vorstellung von der Auslöse: „Eine gescheite Brotzeit und was zum Trinken. Ganz klassisch halt.“

Bei ihrer Aktion haben Barnsteiner, Speer, Hutter und Goldmann auch Anschauungsunterricht in Rottenbuch genommen. Katharina Barnsteiner hatte die Berichte über den dortigen Maibaumklau am Campingplatz gelesen. „Deshalb sind wir auf die Idee gekommen, uns bei der Zeitung zu melden.“

Andreas Baar

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