Vier Gemeinden gründen Bürgerverein

Bernbeuren - Einen Bürgerverein wollen die vier Gemeinden Steingaden, Lechbruck, Bernbeuren und Prem gründen. Zielgruppe sind die Senioren, aber nicht nur.

Gerade weil die Bevölkerung immer älter wird und nicht jeder Familie am Ort hat oder über ein soziales Netzwerk verfügt, entstand die Idee, eine Art Senioren-Genossenschaft in Vereinsform zu gründen. Treibende Kraft ist Lechbrucks Bürgermeister Helmut Angl, der die drei Nachbargemeinden mit ins Boot holt. Und dies nicht nur über die Landkreisgrenzen hinaus, sondern auch bezirksübergreifend. „Wir können das Altern nicht verhindern, aber dafür sorgen, dass es uns dabei so gut wie möglich geht.“ Gemeinsam wolle man die Attraktivität des ländlichen Raums erhalten, wenn nicht sogar noch erhöhen.

Den künftigen „Bürgerverein am Lech“ stellten Angl und Gabi Walters, die in Lechbruck seit acht Jahren ehrenamtlich für die Gemeinde ein Seniorenbüro betreibt, nun im Sozialausschuss in Bernbeuren vor. Von Besorgungsgängen und Begleitung bei Behördenbesuchen über Fahrdienste und stundenweiser Betreuung bis hin zu Gartenarbeiten, Versorgung von Haustieren oder handwerklichen Diensten - der Leistungskatalog des Vereins ist lang und auch beliebig erweiterbar. Je nachdem, was in den einzelnen Gemeinden benötigt wird, könne das Angebot entsprechend weiterentwickelt werden. Ein großer Traum sei, täglich warmes Essen anbieten zu können, so Angl. Und was ganz klar sei: Der Verein dürfe keine Konkurrenz zum heimischen Dienstleister oder Gewerbe werden. Ziel sei, den Bürgern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, so Walters: „Zuhause bleibst du der Mensch, der du mal warst, und du behältst Deine Würde.“

Wer Leistungen erhalten oder auch erbringen möchte, muss Mitglied im Verein werden - auch Familienmitgliedschaften werden angeboten. Die Vergütung von 8,50 Euro pro Stunde erfolgt als Überweisung. Die Helfer bekommen 6,50 Euro, 2 Euro bleiben beim Verein. Wer Leistung erbringt, muss sich sein Honorar aber auch gar nicht auszahlen lassen, sondern kann den Zeitwert für 6,50 Euro auf einem Konto gutschreiben lassen, um dann später selbst Leistungen abzurufen. Die Vermittlungsgebühr des Vereins soll u.a. dazu dienen, die Organisation des Vereins mitzufinanzieren. Die Fäden sollen bei einer Person zentral zusammenlaufen, außerdem werde für jeden Ort ein „Gesicht“ gesucht, das bekannt ist und zu dem viele Vertrauen haben. Dieses Vereinsmitglied kann dann vor Ort entweder selbst als Ansprechpartner fungieren oder alles mit dem Organisator abwickeln. In jeder Gemeinde soll ein Büro eingerichtet werden.

Was sich in der Antragstellung für einen Zuschuss von immerhin 30 000 Euro beim Sozialministerium weitgehend als Bürgerverein für Senioren liest, soll offen für alle sein. Bürgermeister Martin Hinterbrandner hatte schon eingangs betont, dass die Nachbarschaftshilfe speziell auch ein Angebot für junge Familien sein müsse. In diese Kerbe schlug auch Alexander Zoller, der als Leiter Soziale Entwicklung vom Landratsamt Ostallgäu für die Vereinsgründung warb. Immer mehr Mütter seien berufstätig, und schon heute hätte etwa ein Drittel der Senioren keinen direkten Kontakt mehr zu den Kindern, da diese nicht mehr am Ort wohnen würden. In Pfronten habe man seit sieben Jahren beste Erfahrungen mit einem Bürgerverein, in Halblech sei vor einem halben Jahr eine Bürgerhilfe ähnlich der nun geplanten gegründet worden, die bereits jetzt fast 100 Mitglieder zählt.

Finanziell mit ins Boot kommen auch die Gemeinden, die pro Einwohner 50 Cent zahlen. Außerdem sollen die Gemeinden dem Verein ein fünfjähriges Darlehen in gleicher Höhe gewähren. Spätestens dann müsse der „Bürgerverein am Lech“ auf eigenen Füßen stehen und sich selbst finanzieren.

Während der Gemeinderat Prem bereits zugestimmt hat, ist man in den drei weiteren beteiligten Gemeinden noch nicht ganz so weit - überall stehen noch die Ratsbeschlüsse aus. Das mündliche O.k. seitens der Regierung, dass der Verein gegründet werden kann, gibt es bereits. Gabi Walters hofft, dass bis Ende Juli alles in trocknen Tüchern ist.

Elke Robert

Info: Gesucht werden nun Bürger aus allen vier Gemeinden, die sich vorstellen könnten, sich in dem künftigen „Bürgerverein am Lech“ zu engagieren und diesen mit aus der Taufe zu heben. Zwar soll es noch Infoveranstaltungen geben für potentielle Helfer wie Mitglieder, für weitere Informationen kann aber auch Gabi Walters kontaktiert werden unter Telefon 08862/9878-13.

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