Eine dichte Schneedecke lag noch über Peiting, als die ersten Grabungen im Jahr 1956 begannen. foto: fkn

Villa Rustica: Alles begann mit einer Sage

Peiting - Heuer wird das Schutzhaus über dem antiken Gemäuer eingeweiht. Zu diesem Anlass startet eine lose Serie von der Entdeckung bis zum Museum.

Spektakuläre Entdeckung: In den Neukirchwiesen westlich der B17 (alt) wurde im Jahr 1957 der Wohnkomplex des römischen Gutshofes Villa Rustica ausgegraben.

„Bereits im Jahre 1837 wurde ein gewisser Franz Maria Ferchel von München nach ,Peuting‘ geschickt, um von den dort entdeckten Altertümern zu berichten“, erklärt Werner Schmitt, Vorsitzender des Fördervereins Villa Rustica. Dabei stieß Ferchel unter anderem bei seinen Untersuchungen auf eine Sage: „… daß zur Zeit der Geburt Christi, also bei Besitznahme dieses Landes durch die Römer, hier fünf Gebäude gestanden seien. Es möchte sich der Umstand damit vereinigen lassen, daß nicht ganz fern von Peuting drei ganz ebene Wiesen die wunderbaren Namen führen, die eine ,auf den Bergen‘, die andere ,auf den Höfen‘, und die Dritte ,Neukirchen‘. In dieser letzten mag man eingraben, wo es sei, so kömmt man auf starke Mauern. In dieser Nähe, auf einem moosigen Platze, hat der hiesige Tischler Mathias Anderl, vor mehreren Jahren ein Hufeisen in einer Tiefe von zwei Schuhen gefunden, die seiner sehr genauen Beschreibung nach römische Eisen von Maulhtieren sind,“ heißt es in Ferchels Schriftstück.

Weitere 100 Jahre mussten jedoch vergehen, bevor das Geheimnis dieses Platzes gelüftet werden sollte. Seit Generationen liefen schon die Kreuter Kinder auf ihrem täglichen Schulweg nach Peiting über und durch das Ruinenfeld und hatten wahrscheinlichen ihren Spaß daran, die oberirdischen, noch vorhandenen Mauern abzubrechen. Kuhhirten und andere Besucher des Geländes suchten nach Schätzen im Schutt. Langsam wurde das Gelände durch Neugierige zerstört und der Grund nutzbar gemacht. Durch mehrmaligen Wechsel der Grundbesitzer und der Pächter wurde der Acker schlecht bestellt.

Beim Ackern soll verschiedenes Gerät gefunden worden sein. Der Pächter Vicario drang tiefer in den Boden ein und schaffte zum letzten Mal Steine aus den aufgerissenen Ruinen weg, so berichtete der spätere Ausgrabungsleiter Wilfried Titze aus Schongau in seiner Aufzeichnungen.

Im Jahre 1948 gelangte im Rahmen einer Bodenreform der Grund an den Wirt vom Steingadener Hof (heute Gasthof Buchberger). Ab hier nahm die Geschichte diese Platzes in den Neukirchwiesen einen anderen Lauf. Im Rahmen der landwirtschaftlichen Mechanisierung nach dem Krieg waren die Schutthügel, teilweise bis zu eineinhalb Meter hoch, auf diesem Gelände ein Hindernis. Der damalige Besitzer beschloss deshalb, den größten Hügel mit ca. 60 x 20 Metern mit einer Planierraupe einzuebnen.

Peitings Bürgermeister Karl Fliegauf veranlasste daraufhin vor der Einebnung beim Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz eine Grabung in diesem Gebiet. Daraufhin wurde Titze zum Grabungsleiter bestellt, welcher 1956 eine Notgrabung durchführte. Bergveteranen, Jugendliche und ein Kriegsversehrter, alle begeistert von der Sache, schafften anfangs noch bei Schnee und eisigem Ostwind solange, bis an dieser Stelle die Mauern eines römischen Landhauses mit verschiedenen Nebengebäuden und einem Badehaus zutage kamen. Viele Besucher kamen und waren überrascht, dass an der Ausgrabungsstelle nicht die Grundmauern einer Kirche, wie man bisher bei der Peitinger Bevölkerung annahm, sichtbar wurden, sondern eine Villa Rustica. Die Vermutung, dass die alten Mauerwerke zu einer Kirche gehören, hatte natürlich seine Hintergründe in dem Flurnamen „Kirchwiesen“ und dem Wasserlauf „Kirchbächlein“ welcher sich in unmittelbarer Nähe befindet. Außerdem soll der Legende nach der Bischof Ulrich von Augsburg (890 bis 973 n. Chr.) und einer anderen Sage nach der Heilige Udalricus hier gewirkt haben - lange nach den römischen Siedlern.

In einer losen Serie gibt es ab jetzt Interessantes zur Entstehungsgeschichte des römischen Gutshofs zu lesen. Die Informationen lieferte Werner Schmitt, Schriftführer des Vereins Villa Rustica.

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