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Vortrag in Peiting: Stirbt die Biene, stirbt auch der Mensch

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Freuen sich über einen gelungenen Vortrag: Von links Heike Grosser (Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege), Claudia Fenster-Waterloo (Vorsitzende Umweltinitiative Pfaffenwinkel) und Referent Marcus Haseitl.  Foto: uf
Freuen sich über einen gelungenen Vortrag: Von links Heike Grosser (Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege), Claudia Fenster-Waterloo (Vorsitzende Umweltinitiative Pfaffenwinkel) und Referent Marcus Haseitl. Foto: uf

Peiting - Tiere, Pflanzen und Menschen brauchen die Bienen und eine blühende Landschaft. Und genau darum ging es jetzt bei einem Vortrag in Peiting.

Tiere, Pflanzen und Menschen brauchen die Bienen und eine blühende Landschaft. Wie so eine Landschaft idealerweise auszusehen hat und was der Mensch dazu tun kann, erläuterte Marcus Haseitl, Imker im bundesweiten „Netzwerk Blühende Landschaft“. Gut 70 Besucher waren zur Veranstaltung der „Umweltinitiative Pfaffenwinkel“ und des Kreisfachverbands für Gartenkultur und Landespflege in die Zechenschänke gekommen.

Marcus Haseitl ist keiner, der mit Begeisterung Horrorszenarien an die Wand malt. Als „dramatisch, aber auch spannend, weil der Mensch einiges tun kann“, bezeichnet er die Situation für die kleinen, pelzigen Flugtierchen, die mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen ihre Bestäubungsarbeit aufnehmen und für blühende Landschaften sorgen. Nüchtern zählt er Daten und Fakten auf, Forschungsergebnisse renommierter Institute wie der Universität Weihenstephan.

Die ließen allerdings die Besucher nachdenklich werden. Bienen stehen hinter Rindern und Schweinen an dritter Stelle der ertragreichsten landwirtschaftlichen Nutztiere. Und zwar nicht nur wegen ihrer Honigproduktion, sondern eben auch wegen der notwendigen Bestäubung von Blühpflanzen und Obstbäumen. 80 Prozent der Blühpflanzen brauchen Fremdbestäubung. Zudem stellen die Insekten eine Nahrungsgrundlage für Vögel. Im Winter 2003 starben rund 30 Prozent der Bienenvölker. Eine Dezimierung, von der sich die Bienen bis heute nicht erholt haben. Vielmehr ist seitdem ein stetiger Rückgang des Bestands zu beobachten.

Bei den Wildbienenarten sind mittlerweile 50 Prozent ausgestorben. Zudem haben die Bienen an Vitalität und Widerstandskraft eingebüßt. Zum Beispiel brauchte es vor 20 Jahren noch einen Befall von 10 000 Varroamilben, um ein Bienenvolk auszulöschen. Heute reichen bereits 3000 Varroamilben.

Dabei ist die Biene, bezogen auf ihre Körpergröße, leistungsmäßig ein wahrer Titan. Selbst bei den derzeit herrschenden Außentemperaturen erzeugt ein Bienenvolk im Stock rund 35 Grad Temperatur. Fünf Millionen Pollen sammeln Bienen für ein Pfund Honig. Das macht, bei einem Eigenverbrauch von 250 bis 270 Kilo Honig im Jahr rund 27 Milliarden Blütenbesuche.

„Schuld“ an der abnehmenden Vitalität ist der zunehmende Rückgang von blühenden Flächen, eintöniges Nahrungsangebot, vorwiegend aus Raps und Weißklee, häufiger Einsatz von Pestiziden sowie neue, pollenfreie Züchtungen von Gartenblumen. Dabei kann schon mit kleinen Mitteln viel erreicht werden (siehe Kasten), wie Haseitl anhand von Fotos aus Bad Grönenbach demonstrierte. Dort werden zum Beispiel Randstreifen an Straßen zu blühenden Kraftspendern für Mensch und Tier. Die bunte Vielfalt wird durch Einsatz von Magerrasen und alten heimischen Sorten, die schon vor hunderten von Jahren unsere Vorfahren erfreuten, erreicht. Und sie erfreut durch ihren Anblick nicht nur Touristen, sondern bietet auch den Bienen und Hummeln abwechslungsreiche Nahrung und verbessert die Lebensgrundlage für alle. Denn, schon Albert Einstein wusste: „Stirbt die Biene, lebt der Mensch noch vier Jahre.“

Weitere Infos:

Um den Lebensraum für Bienen zu erhalten, kann jeder einen Beitrag leisten. Wildblumenmischungen statt Geranien in den Balkonkästen, blühende Wiesenflächen statt Rasen. Gemeindeverwaltungen können Bienen und Hummeln durch Bepflanzung von Verkehrsinseln und Straßenrändern sowie durch späte Grabenreinigung Ende Oktober, wenn die Erdhummeln ausgezogen sind, unterstützen. Auch in der Landwirtschaft ist eine kostengünstige Bewirtschaftung mit Blühpflanzen möglich.

Bei der Mahd bunte Ecken stehen zu lassen, erspart nicht nur Zeit, sondern nutzt auch den Insekten. Kornblumen sind ein wertvoller und preisgünstiger Phosphatdünger. Leindotter sorgt dafür, dass die Gerste sich anlehnen kann und nicht am Boden liegt und liefert als zusätzlichen Ertrag Leinsamen. Eine höhere Durchwurzelung des Ackerbodens sorgt dafür, dass Regenwasser besser versickern kann. Hecken gegen die Windrichtung schützen Äcker vor Austrocknung des Bodens und bilden eine Oase für Bienen. Und nicht zuletzt ist der Honig vom heimischen Imker jedem auswärtigem Honig vorzuziehen.

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