Autor und Atomkraftgegner Friedrich Brandl stellt sein neues Jugendbuch im Sparkassenforum vor. Foto: uf

Wackersdorf: Damals wie heute aktuell

Schongau - Erste Küsse am Bauzaun der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf: Friedrich Brandl stellt sein neues Jugendbuch „Wieder am Bauzaun - eine Geschichte von Tränengas und Zärtlichkeit“ vor.

Zur Buchvorstellung hatten in Zusammenarbeit der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Kreisgruppe Weilheim-Schongau des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. und die Umweltinitiative Pfaffenwinkel e. V. eingeladen.

Angesichts der aktuellen Bürgerproteste behandelt Brandl in seinem Buch ein Thema, das absolut aktuell ist. Nach seinen Aussagen eher ein Zufall. Angefangen hat er mit dem Manuskript für die Geschichte nämlich bereits 2006, als sich die Proteste gegen die Wiederaufbereitungsanlage zum 20. Mal jährten.

Hauptfigur ist Lena, die angesichts eines Tschernobyl-Gedenktags in ihren Aufzeichnungen blättert und sich an die Protestaktionen erinnert. Angefangen beim damaligen Landrat, der die Menschen „zum größten friedlichen Widerstand, den die Bundesrepublik Deutschland jemals gesehen hat“ aufrief, über einen Demonstrationszug mit über 20 000 Teilnehmern in Schwandorf und das Pop- und Rockfestival der WAA-Gegner in Burglengenfeld bis hin zur Einstellung der Bauarbeiten im Jahr 1989.

„Wir Oberpfälzer können stolz darauf sein, dass wir die WAA mit verhindert haben“, sagt Brandl. Offiziell wurde der Bau eingestellt, nachdem der Energiekonzern VEBA als wichtigster Anteilseigner der zukünftigen Betreibergesellschaft mit der COGEMA, der Betreiberfirma der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague, einen Vertrag zur Kooperation unterzeichnete.

Lena kommt als Schülerin mit der Thematik in Berührung, als sie in der Schule ein Referat zum Thema „Ausstieg aus der Kernenergie“ halten soll. Bei ihren Recherchen stößt sie auf die Bürgerinitiative gegen die WAA Wackersdorf und schließt sich ihr an. Erlebt in Folge die erste Liebe und die Räumung des von den Protestlern gebauten Hüttendorfs auf dem Bauplatz mit Polizeigewalt. Und bekommt angesichts des Unfalls in Tschernobyl die Gefährlichkeit der Kernenergienutzung vor Augen geführt.

Das alles erzählt der Autor in eher schlichten Worten, kommt über eine Schilderung aber nicht hinaus. Was vielleicht an der Schwierigkeit liegen mag, sich als über 60-jähriger in die Psyche eines siebzehnjährigen Mädchens einzufühlen.

Wertvoll ist die Geschichte vor allem als authentisches Zeitdokument. Interessant wurde die Veranstaltung erst, als Brandl das Buch zur Seite legte und seine persönlichen Erlebnisse in Wackersdorf schilderte. Nämlich die Wut und Ohnmacht der ganz normalen und friedlich demonstrierenden Menschen dagegen, von willfährigen Atom-Lobbyisten als Chaoten abgestempelt zu werden.

Von Wasserwerfern und gnadenlosen Gummiknüppel-Einsätzen gegen wehrlose, gewaltfreie Demonstranten. Von seiner Anzeige gegen prügelnde Polizisten und dem Verbot seines höchsten Arbeitgebers (er war als Volksschullehrer tätig), vor Gericht gegen die Polizisten auszusagen. Und nicht zuletzt von Mitgliedern des Verfassungsschutzes, die bei den Demonstranten eingeschleust wurden und terroristische Anschläge verübten, um die friedlichen Kernkraftgegner in der Öffentlichkeit als Randalierer dastehen zu lassen.

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