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Krönungszeremonie auf der Alm: Die neue Milchkönigin Sonja Wagner bekommt von ihren Vorgängerinnen Susanne Polz (hinten links) und Eva-Maria Bäuml die Krone aufgesetzt. Milchprinzessin Melanie Maier hat ihr Diadem schon bekommen.

Wahl der Bayerischen Milch-hoheiten

Königin Sonja und ihr Reich aus Milch

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Rottenbuch - Regierungswechsel nach zwei Jahren: Die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft hat ihre neue Milchkönigin gekrönt. Die neue Regentin kommt aus Oberfranken – und überzeugte die Jury mit ihrer Schlagfertigkeit.

Franz Multerer, eingesessene Lederhosen, grauer Vollbart bis zur Brust, steht vor dem Kupferkessel auf der Alm und rührt mit seinem mächtigen Zeigefinger in der warmen Milch. Und er flucht: „Herrschaftszeiten! De ziagt ned o.“ Will einfach nicht dick werden, das weiße Gemisch im Kessel. Dabei wollte der erfahrene Käserer den elf jungen Damen, die aufmerksam um ihn herumstehen, doch zeigen, wie früher auf der Alm Käse gemacht wurde. Aber daraus wird heute nichts, das neue Lab taugt nichts. Gelernt haben die jungen Madln, allesamt im Dirndl, trotzdem etwas: Auch mit jahrzehntelanger Erfahrung bleibt die Verarbeitung von Milch manchmal unberechenbar.

Der weiße Rohstoff wird vor allem zwei der elf Damen in den nächsten beiden Jahren ausführlich begleiten. Denn auf der Schönegger Käsealm in Rottenbuch (Kreis Weilheim-Schongau) wurden gestern die Bayerische Milchkönigin und die Bayerische Milchprinzessin gekrönt. Erben kann man den Titel nicht, er wird von der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft verliehen. Gesucht werden sympathische Botschafter für das eigene Produkt: für die Milch.

Den königlichsten Eindruck bei der Jury hat Sonja Wagner aus dem oberfränkischen Wonsees hinterlassen. Die 21-Jährige hilft fleißig auf dem elterlichen Hof mit 80 Milchkühen und studiert Lebensmittelmanagement an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Künftig wird sie sich die Zeit für das Studium gut einteilen müssen, denn auf sie warten in den nächsten zwei Jahren zahlreiche Termine auf Messen, Presse- und Verbraucherveranstaltungen, bei denen sie die bayerische Milch mit Kompetenz und einem netten Lächeln repräsentieren soll. „Das schaffe ich schon, meine Freunde unterstützen mich“, sagt die frischgekrönte Königin. Mit ihrer Schlagfertigkeit hat sie offensichtlich auch die Jury überzeugt. Schon am Vortag wurden Fachwissen und Ausstrahlung der Kandidatinnen begutachtet. Und auf die scherzhafte Frage, ob sie denn auf dem Zentralen Landwirtschaftsfest auch in einen Bottich voll Joghurt springen würde, entgegnete Sonja Wagner ganz königlich: „Kommt ganz drauf an, was ich anhab’.“

Damit sie das straffe Programm nicht alleine stemmen muss, bekommt sie mit Melanie Maier aus Halfing im Landkreis Rosenheim eine Milchprinzessin an die Seite. Die 23-Jährige kennt sich mit der Milch ebenfalls bestens aus. Sie arbeitet als selbstständige Betriebshelferin und hat dabei schon so manchen skeptischen Altbauern davon überzeugt, dass auch eine junge, zierliche Blondine auf dem Hof kräftig anpacken kann. Zudem war sie bereits ein halbes Jahr lang als Sennerin auf dem Wendelstein.

„Wir hätten keine bessere Wahl treffen können“, sagt der LVBM-Chef Günther Felßner, bevor er sich die Thronfolgerinnen für ein gemeinsames Foto schnappt – das kurz darauf schon auf Facebook zu sehen ist. Im Glanz der zwei jungen Hoheiten wird sich in den kommenden Monaten noch so manch anderer sonnen. Aber genau das war das Ziel. „I gfrei mi narrisch“, sagt Melanie Maier mit Blick auf die nächsten zwei Jahre.

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