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Markus Schmorell (links) vergangenen Sommer in einem vom Sturm betroffenen Fichtenwald.

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten warnt

Entscheidendes Wald-Jahr im Landkreis Weilheim-Schongau

Schongau - Auf die staatlichen Forstverwaltungen kommt ein arbeitsreiches Jahr zu. Nach dem Hitzejahr 2015 und schadensträchtigen Stürmen wie Niklas ist die Situation in den heimischen Wälder sogar noch brisanter als nach dem Jahrhundertsommer 2003.

Das Jahr 2015 bot in Bayern den zweitwärmsten Sommer seit Beginn der Messungen 1881, garniert mit so wenig Niederschlag, wie es ihn bisher nur fünf Mal gegeben hatte. Passend dazu wütete im März Sturm Niklas, der zusammen mit dem heißen Wetter dem gefürchteten Borkenkäfer einen idealen Nährboden bereitet hat. „Im Flachland hatten wir drei Generationen an Käfern“, sagt Schmorell, der mit seiner Behörde für die Landkreise Starnberg, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen zuständig ist.

Unwetterwarnung in Bayern! Wo's gefährlich wird und wie es weitergeht

Schon im Vorjahr mussten die Forstämter zusammen mit den Waldbesitzervereinigungen Schwerstarbeit leisten, um die Schäden von Orkan Niklas zu beseitigen. Doch überall ist das noch nicht gelungen, zumal immer wieder kleinere Stürme wie beispielsweise in der Nacht zu Montag Bäume umknicken lassen. „Normalerweise sind die Forstleute um diese Jahreszeit in den Wäldern unterwegs“, sagt Schmorell. Aber statt gefrorenem Boden gibt es in diesem Nicht-Winter Matsch, auf dem schweres Gerät nicht eingesetzt werden kann, weil sonst die Schäden zu groß sind. „Außerdem sind die Holzpreise wegen des Überangebots so schlecht, dass keiner freiwillig einen Hieb macht“, ergänzt Schmorell.

Das alles macht die Aufgabe so schwer. Schmorell hat Unterlagen, ab wann der Trockenstress vergangenes Jahr den Bäumen zu schaffen machte. Im niederschlagsarmen Franken war das bereits Ende Mai der Fall, in Ebersberg ging es im Juli los, andere oberbayerische Bereiche waren im August dran. Nur die unmittelbare Alpenregion war nicht betroffen, zeigen Berichte aus Sonthofen und Berchtesgaden. Doch in seinem Amtsgebiet musste Schmorell manchmal im Sommer den Schirm aufspannen – nicht, um sich vor der sengenden Sonne zu schützen, sondern vor den herunterrieselnden Fichtennadeln. „Wir hatten teilweise so trockene Werte im Boden wie noch nie. Da wächst nichts mehr, da geht’s ums reine Überleben“, sagt Schmorell über das Phänomen.

Die Fichte, die in der Region trotz fortschreitenden Umbaus in stabilere Mischwälder noch immer die dominierende Baumart ist, droht als Flachwurzler an manchen Standorten gleich flächenweise auszufallen. Auch im Jahr 2004 waren die Schäden an den Bäumen als Folge des Trockenstresses aus dem Vorjahr massiv in die Höhe geschossen, und 2015 gab es sogar deutlich mehr heiße Tage über 30 Grad.

Der weitere Waldumbau, der wegen des Klimawandels möglicherweise schneller voranschreiten muss als geplant, ist trotzdem ein langfristiges Ziel. Schneller muss es bei den unmittelbaren Folgen des Hitzejahres gehen, nämlich den Borkenkäfer zu bekämpfen. „Wir hatten zuletzt 1994 so viele Käfer wie jetzt. Unsere Förster gehen durch die Wälder und schauen nach, aber man darf sich nicht auf uns verlassen“, warnt Schmorell. So sehr er sich über ein Lob wie von Bauernverbands-Kreisobmann Wolfgang Scholz freut, der vergangenes Jahr von Förstern über einen Borkenkäferbefall in seinem Wald informiert wurde – das wird die Ausnahme sein. Denn es ist klar geregelt, dass ein Waldbesitzer seine Bestände regelmäßig selbst überprüfen muss.

Für die Kontrolle will Schmorell Aushilfen einstellen, sofern Geld vom Freistaat fließt. Das Forstamt will sogar Kurse zur Bohrmehl-Erkennung anbieten. „Manche können das riechen, wegen des Harzes“, sagt Schmorell. Seine Frau beispielsweise habe ein so feines Näschen. Denn wenn an einem Baum die Rinde abplatzt, ist es längst zu spät. „Ein frisch angebohrter Baum ist auch noch viel besser vermarktbar als drei Wochen später“, sagt Schmorell. Und wer beim Nachbarn einen Befall erkenne, soll das unbedingt melden, notfalls anonym, so Schmorell: „Denn der Käfer macht nicht an der Grundstücksgrenze halt.“

Boris Forstner

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