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16. März 2008: Auf den Tischen tanzten die soeben gewählten Friedrich Zeller, neuer Landrat, und Sabine Vanni, die neue Peißenberger Bürgermeisterin.

Was macht eigentlich . . . Friedrich Zeller?

Im neuen Leben angekommen

Altlandrat Friedrich Zeller (51) aus Schongau ist jetzt als Berater und Dozent freiberuflich tätig und ehrenamtlich aktiv. An sein neues Leben hat er sich bereits gewöhnt.

Schongau – Friedrich Zeller wirkt entspannt – so entspannt, wie er auch zwischen 2008 und 2014 in seiner Zeit als Landrat von Weilheim-Schongau meist war. Zeller, der heute als Dozent und Berater mit seiner Schwester zusammenarbeitet, hatte sich eigentlich von der hauptamtlichen politischen Bühne verabschiedet.

Doch Ende des vergangenen Jahres starb völlig überraschend der Memminger SPD-Oberbürgermeister Markus Kennerknecht (46) – nach nur 38 Tagen im Amt. Der gebürtige Memminger Friedrich Zeller hatte Kennerknecht 2015 empfohlen, für das Amt des Oberbürgermeisters in Memmingen zu kandidieren. Während des Wahlkampfes unterstützte Zeller seinen Freund Kennerknecht, der bis dato als Stadtbaumeister in Immenstadt gearbeitet hatte. Zeller wurde gebeten, in seiner Heimatstadt anzutreten. Zeller sagte zu – aus Verbundenheit zu Memmingen, zur SPD und zu Kennerknecht: Die beiden hatten sich im Büro Zellers 2015 kennengelernt.

Zeller wurde dann nicht Nachfolger von Kennerknecht, er verlor die Wahl ganz knapp gegen Manfred Schilder von der CSU. Die war im März, und in den wenigen Wochen des – eigentlich zurückhaltenden – Wahlkampfs war Zeller wie früher im Landkreis als Wahlkämpfer unterwegs mit Sprechstunden am Markplatzbrunnen, Hausbesuchen und öffentlichen Auftritten – kritisch beäugt vom politischen Gegner.

Ob der auch für einen Eintrag bei Wikipedia verantwortlich ist, weiß Zeller nicht, und er will es auch gar nicht wissen. „Das ist Schnee von gestern“, so Zeller. Fakt ist, dass besagter Eintrag wenige Tage bevor Zellers Kandidatur in Memmingen öffentlich wurde, geändert wurde und kaum mehr Verdienste des langjährigen Kommunalpolitikers enthält. Vielmehr wird auf die so genannte Deppenaffäre aus dem Jahr 2011 eingegangen, bei der Zeller rhetorisch ins Fettnäpfchen getreten war. Über den ungewöhnlichen Eintrag in der ansonsten meist betont neutralen freien Enzyklopädie zweieinhalb Jahre nach seiner Zeit als Landrat und sechs Jahre nach den Äußerungen hat er sich gewundert, aber nicht reagiert, wie es seiner nonchalanten Art entspricht.

Das liegt wohl auch daran, dass Zeller in seinem neuen Leben abseits der Politik angekommen ist, seine Arbeit als Dozent für Kommunalpolitik- und -verwaltung an den Fachhochschulen in Hof und an der Bundeswehruni Neubiberg mache ihm sehr viel Spaß, zudem ist er Berater für Firmen und einzelne Persönlichkeiten. Der dreifache Familienvater, der nach wie vor in Schongau wohnt, hat an der Hochschule für Politik in München und in Speyer Verwaltungswissenschaften studiert und an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert. Jetzt kehrt er quasi zu seinen akademischen Wurzeln zurück.

Dank seiner Pension nach 18 Jahren Kommunalpolitik – zwölf Jahre Bürgermeister von Schongau, sechs Jahre Landrat – muss Zeller auch nicht jeden Auftrag annehmen, und kann sich seiner ehrenamtlichen Arbeit widmen. Zeller ist Stadtrat in Schongau und Kreisrat, beide Ehrenämter übt er mit der für den früheren Chef nötigen Zurückhaltung aus.

Im Kreistag meldet er sich zu Sachthemen, die ihm wichtig sind, zu Wort – sachkundig und ohne politisches Kalkül.

Friedrich Zeller sieht auf seiner aktuellen Homepage ganz entspannt aus.

Wenn er als stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) mit dem Zug von Schongau zwei Stunden bis zu einem Termin in München braucht, dann wird er schmerzlich an seine Zeit als Landrat und seinen – bislang vergeblichen – Kampf für eine schnellere Pfaffenwinkelbahn erinnert.

Zeller ist viel im Zug unterwegs. Als einer seiner beiden Söhne das Abitur bestanden hatte, fuhren Vater und Sohn für einen Monat von Moskau aus quer durch Osteuropa – während seiner Zeit als Landrat kaum denkbar. Neben Ländern wie Polen und Estland selbst haben die Zellers auch das dortige Schienennetz und die Züge schätzen gelernt. Beides sei besser als in Deutschland, sagt er nachdenklich und fügt an, dass tatsächlich alle Züge auch noch pünktlich waren – mit Ausnahme der auf deutschem Boden.

Deutschland und Bayern müssten sich anstrengen. „Wenn wir mithalten wollen in dieser Welt, muss es in unserer Gesellschaft mehr Mut zur Entscheidung geben“, so Zeller. Das wünscht sich der Ex-Landrat auch für die Pfaffenwinkelbahn. 

Johannes Thoma

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