+
Im Industriegebiet ist der Unmut der Unternehmer groß über die Asyl-Pläne.

Sorge um die Zukunft

Wegen Asyl-Plänen: Protest-Welle in Schongauer Gewerbegebiet

Schongau - Im Gewerbegebiet Schongau-Ost rumort es gewaltig. Einen Tag nach Bekanntwerden der Pläne, dort mehr als 130 weitere Flüchtlinge unterzubringen, sind die Sorgen der Gewerbetreibenden größer denn je.

Georg Hartmann ist Geschäftsführer von Drosdz-Recycling und macht aus seinen Befürchtungen keinen Hehl. „Wir fahren in dem betroffenen Gebiet den ganzen Tag über mit unseren Lkw rein und raus. Deshalb sehe ich da gewaltige Sicherheitsprobleme auf uns zukommen.“ Hartmann fürchtet, dass sich die Anwohnersituation auch auf neue Genehmigungen auswirken könnte. „Wir befinden uns schließlich in einem Industriegebiet.“ Er möchte möglichst schnell einen Gesprächstermin beim Stadtoberhaupt erreichen. „Nicht, dass es später heißt: Da hättet ihr früher kommen müssen, jetzt können wir nichts mehr tun.“

Ottmar Osenstätter vom holzverarbeitenden Betrieb gleichen Namens sieht das ähnlich. „Was wird aus dem Industriegebiet, wenn die Nutzungsänderung akzeptiert wird?“, fragt er sich und fügt noch hinzu: „Keiner weiß, was die nächsten Jahre bringen und ob wir mit Auflagen konfrontiert werden, die möglicherweise sogar unseren Standort gefährden.“ Bis jetzt könne man noch von einer überschaubaren Größe Flüchtlinge sprechen, doch wenn jetzt alles an der Dießener Straße so konzentriert werde, „haben wir bald ein echtes Problem“. Zudem müsse man eine adäqate Präsenz zeigen können, wenn Kunden kämen. „Wenn die erst durch 100 Flüchtlinge, die sich dort aufhalten, durchfahren müssen, kann das zum Problem werden.“

Und weiter: „Wenn man uns die Basis abgräbt, kann das schnell dazu führen, dass auch der Standort abgegraben wird. Deshalb erwarte ich vom Landratsamt, uns als Betriebe zu schützen. Sonst muss man sich Gedanken machen, ob man hier noch investiert.“

Deutliche Worte findet auch Franz Andergassen vom gleichnamigen Landschaftsbau-Betrieb. „Ich habe kein kleines Problem, ich sehe darin ein riesiges Problem“, sagt er. „Wo sollen sich die Flüchtlinge denn aufhalten, wenn rundherum nur Straße ist?“, fragt er und schließt noch an: „Ich habe meine Wohnung da unten, in der ich mit Frau und Tochter lebe und habe Büroräume geschaffen. Wer bitte übernimmt da die Verantwortung, wenn etwas passiert?“ Eigentlich sei er gerade dabei gewesen, einen Schaugarten anzulegen, „was ich jetzt wohl vergessen kann“.

Niemand gebe es zu, aber viele hätten Angst. „Wem kann ich da noch etwas verkaufen und was passiert mit dem Wert des Gebäudes?“, fragt er sich zutiefst beunruhigt. Und jeder klar Denkende wisse doch, „dass es mit drei Jahren Unterbringung nicht gegessen ist“. Andergassen sieht das gesamte Gewerbegebiet ernsthaft in Gefahr. „Wer kommt für den Schaden auf, wenn da ohne Prüfung der Belange einfach alles geändert wird?“

Prinzipiell hat er nichts gegen Flüchtlinge, ist aber entsetzt darüber, „dass seitens des Landratsamts überhaupt keine Rücksprache mit den Betrieben genommen wird“. Da würden quasi über Nacht Rechte geändert. Und weiter: „Dann kann man ja gleich den Stadtrat auflösen, wenn der überhaupt kein Mitspracherecht hat, obwohl die Stadt für vernünftige Planungen in ihren Stadtteilen verantwortlich ist.“ Es gebe nicht nur schwarz oder weiß, sondern auch ein Mittelding. Deshalb seien jetzt zwingend Gespräche mit den Verantwortlichen zu führen.

Robert Schönstein von der Bau- und Kunstschlosserei hat zwar keine Angst, „weil wir bisher keine großen Probleme hatten“, hält die Zahl der Flüchtlinge aber für zu groß für eine Stadt wie Schongau. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass es etliche umliegende Gemeinden gibt, die überhaupt noch keine Flüchtlinge aufgenommen haben.“

Markus Rieder, Niederlassungsleiter der Firma Strommer, sieht vor allem Gefährdungspotential wegen des großen Verkehrsaufkommens und der Lärmemission. „Wir haben Nachtbetrieb, sind für die Stadt und den Landkreis im Einsatz. Da wäre ein Gespräch mit uns hilfreich.“

Betroffenheit auch im Tierheim. „Eigentlich reichen uns die Flüchtlinge, die wir bis jetzt schon haben, voll und ganz.“ Gerade in den Sommermonaten werde da „oft bis in die Nacht hinein mit lauter Musik gefeiert“. Und: „Wenn es dunkel wird, traut man sich in der Dießener Straße nicht mehr allein zu laufen.“ Weil es auch schon Pöbelattacken gegeben habe, fahre sie ihre jungen Praktikantinnen, die bis nach 18 Uhr arbeiten, auch immer persönlich zum Bahnhof. „Mir tun politisch Verfolgte natürlich leid, aber dann sollen sie sich auch benehmen. Das wird von mir in einem anderen Land auch erwartet.“

Einzig Susanne Hallmann vom Märchenwald sieht die Entwicklung unproblematisch, meint:. „Man kann nicht auf der einen Seite sagen, dass man ihnen helfen muss, aber auf der anderen sagen: Nicht bei mir.“ Sie habe mit Aushilfen im Märchenwald bislang durchweg positive Erfahrungen gemacht.

Stephan Penning

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Entscheidung über Radweg vorerst vertagt
Direkt an der Kreisstraße, oder lieber in der Prärie? Wo der Radweg zum Nachbarort Rott verlaufen sollte, darüber hat sich der Reichlinger Gemeinderat jetzt so seine …
Entscheidung über Radweg vorerst vertagt
Viele Infos und Dank an die Gemeinschaft
Breitbandausbau, die Vergabe von Baugrundstücken, Beschaffungen für die Freiwillige Feuerwehr, Straßenbeleuchtung in der Dekan Schmölz-Straße, Haushalt für das Jahr …
Viele Infos und Dank an die Gemeinschaft
Feuerwehr Bernbeuren mit neuem Gerätewagen gut gerüstet
Zu einem erfreulichen Ereignis hat die Feuerwehr Bernbeuren jetzt eingeladen, denn der neue Gerätewagen „Logistik 1“ konnte nach der Floriansmesse feierlich gesegnet …
Feuerwehr Bernbeuren mit neuem Gerätewagen gut gerüstet
Murnau-Werdenfelser Kalb seit zwei Wochen auf der Flucht
Vor fast zwei Wochen ist das Kalb bei Steingaden auf und davon, jetzt macht sich Landwirt Stefan Neumeier langsam Gedanken: Gesucht wird ein fünf Monate altes …
Murnau-Werdenfelser Kalb seit zwei Wochen auf der Flucht

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion